Tönne Twickler blickt am Sonntag auf 70 Jahre Mitgliedschaft in der Saerbecker Kolpingsfamilie zurück
Vorbildlicher Kolpingbruder

Saerbeck -

Sein größter Tag als Kolpingbruder war der 27. Oktober 1991. An jenem Sonntag drängte sich Tönne Twickler durch einen Menschenmenge von beinahe 70 000 auf dem Petersplatz in Rom zu der kleinen Schar Saerbecker durch, die Papst Johannes Paul II. sehen und hören wollten, wie er Adolph Kolping seligspricht. Sein zweitgrößter Tag als Kolpingbruder könnte der morgige Sonntag werden, auch wenn der 94-jährige Twickler der Einladung zum Kolpinggedenktag nicht folgen kann.

Freitag, 02.12.2016, 20:12 Uhr

Für das gut halbstündige Gespräch hat Tönne Twickler extra noch sein Zimmermannstuch umgebunden (und mit einem kleinen Holzschuh fixiert); mit einem Kugelschreiber erklärt er, wie er früher Bauernhäuser gebaut hat. Das kleine Foto entstand am 27. Oktober bei der Seligsprechung Adolph Kolpings auf dem Petersplatz in Rom.
Für das gut halbstündige Gespräch hat Tönne Twickler extra noch sein Zimmermannstuch umgebunden (und mit einem kleinen Holzschuh fixiert); mit einem Kugelschreiber erklärt er, wie er früher Bauernhäuser gebaut hat. Das kleine Foto entstand am 27. Oktober bei der Seligsprechung Adolph Kolpings auf dem Petersplatz in Rom. Foto: Hans Lüttmann/Kolpingwerk

Sein größter Tag als Kolpingbruder war der 27. Oktober 1991. An jenem Sonntag drängte sich Tönne Twickler durch einen Menschenmenge von beinahe 70 000 auf dem Petersplatz in Rom zu der kleinen Schar Saerbecker durch, die Papst Johannes Paul II. sehen und hören wollten, wie er Adolph Kolping seligspricht. Sein zweitgrößter Tag als Kolpingbruder könnte der morgige Sonntag werden, auch wenn der 94-jährige Twickler der Einladung zum Kolpinggedenktag nicht folgen kann. Aber Alfons Bücker hat dem ältesten Saerbecker Mitglied der Kolpingsfamilie versprochen, die Ehrenurkunde für 70-jährige Treue zum Gesellenverein persönlich in Middendorf zu überreichen.

„Ach was, Ehrenurkunde“, sagt Tönne Twickler, der noch erstaunlich klar im kopf ist. „Das Wichtigste“, erklärt er dann, „ist doch, dem Nächsten zu helfen, wenn der in Not ist. Das habe ich immer so gehalten, ganz im Sinne Adolph Kolpings, der bis heute mein Vorbild ist.“

Und dann erzählt er von den alten Zeiten, die weiß Gott nicht immer gut gewesen sind. Erzählt von der Plackerei, mit bloßer Handarbeit ein Bauernhaus zu bauen. Und lacht, ein bisschen abschätzig, über den Eintrag in seinem Lehrbuch, das ihm für die Lehrzeit als Maurer dreimal „Gut“ verpasste – für Kenntnisse, Fertigkeiten und Benehmen. „Maurer?“, fragt er, „Mädchen für alles wäre richtiger. Ich hab doch alles gemacht, im Winter die Bäume im Wald gesägt, geschält, zur Baustelle gebracht, zugesägt, geschreinert, Ständer und Dachstühle aufgestellt, gemauert, das Dach gedeckt – Maurer? Das gab’s doch damals gar nicht.“

Damals, als Tönne Twickler seine Prüfung ablegte, beherrschte seit einem knappen Monate der Zweite Weltkrieg die Schlagzeilen und die Wochenschau. Vom Arbeitsdienst erzählt Twickler, vom Krieg, und dass er damals 17 war, ein Alter, in dem eigentlich unbeschwerte Jugendzeit angesagt sein sollte.

Erst ein Jahr nach dem Krieg, 1946, lebte die 1926 gegründete Saerbecker Kolpingsfamilie wieder auf. Wer Kolpingbruder werden wollte (Frauen hatten keinen Zutritt), musste vorher ein Jahr lang für eine Aufnahmeprüfung lernen und, auch das gibt es längst nicht mehr, Handwerksgeselle und katholisch sein.

Dann aber ging es auch gesellig zu bei den Kolpingbrüdern, die sich (und ihre Schwestern, heute die Mehrheit in der Saerbecker Familie) noch immer begrüßen mit „Treu Kolping! Kolping treu!“ Vom plattdeutschen Theater erzählt Tönne Twickler und wie er damals im Saal Hase auf der Bühne gestanden hat, von den Festen, die gefeiert wurden, wie sie fielen und von den großen Zunftfeiern, für die er seine Zimmermannskluft angezogen hat. Einen Teil davon, das rote Tuch, windet er auch heute noch mit ein paar Handgriffen um den Hals, muss sich aber bei dem winzigen Holzschuhhalter etwas helfen lassen.

Kräftig selber mitgeholfen hat Tönne Twickler beim Bau des Kolpingheims in den frühen 1990ern, eigentlich mehr der Umbau einer alten Scheune in der Hohen Schweiz. „Tja, damals“, seufzt er, „da gab’s den Ignatz Thiede noch. Aber“, sagt er zum Abschied, „schreiben sie mal nicht zu viel!“, und gibt dem Schreiber noch einen Leitspruch Adolph Kolpings mit auf den Weg: „Nich so viel küern, miähr müern!“

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