Alfred Maimann und Josef Berkemeier erzählen von den dramatischen Ostertagen 1945 in Saerbeck
„Für eine verlorene Sache in den Tod“

Saerbeck -

Nur gut, dass sie sich das nicht vorstellen können. Aber die Zehnklässler wissen schon, was Werner Engels damit gemeint hat, als er sie zu Beginn einer besonderen Unterrichtsstunde auf­forderte: „Stellt euch vor, es ist Krieg, und ihr alle müsstet hin!“ Das musste damals nicht mal Alfred Maimann: „Ich war zehn und für die Uniform zu klein.“ Aber was Krieg bedeutet, davon kann er noch lebhaft erzählen; auch von jenen Ostertagen 1945, als 16 junge Saerbecker für eine längst verlorene Sache in den Tod getrieben wurden.

Dienstag, 04.04.2017, 14:04 Uhr

Alfred Maimann erzählte von seinen Erlebnissen in den letzten Kriegstagen; als die 16 Jugendlichen Flakhelfer umkamen, war Maimann zehn Jahre alt, „für die Uniform zu klein“, wie er den Schülern sagte.
Alfred Maimann erzählte von seinen Erlebnissen in den letzten Kriegstagen; als die 16 Jugendlichen Flakhelfer umkamen, war Maimann zehn Jahre alt, „für die Uniform zu klein“, wie er den Schülern sagte. Foto: Hans Lüttmann

Josef Berkemeier vom Heimatverein hatte den Zeitzeugen Alfred Maimann in die Gesamtschule begleitet, wo die Schüler zunächst einen sehr professionell gemachten Dokufilm mit Spielszenen über das Leben und Sterben im Zweiten Weltkrieg sahen.

Anschließend hielt Josef Berkemeier einen Vortrag, der das Unvorstellbare in Saerbeck nun doch begreifbar machte: Er schlug einen Bogen vom Ermächtigungsgesetz, das das Regime der Nationalsozialisten und Adolf Hitlers an die Macht brachte, über die Gräuel des Kriegs bis zu dessen Ende – immer wieder mit Bezug zu Saerbeck. Er verortete die Radarstellung von 1942 („beim heutigen Sparparadies“), nannte den Namen einer bei einem Bombenangriff fast ausradierten Familie. Und Josef Berkemeier zeigte, wo die Arrestzelle stand, in der Anfang 1945 ein französischer Pilot erschossen wurde, wovon auch Alfred Maimann erzählte: „Ich habe die Schüsse gehört und war der einzige Ohrenzeuge.“

Besonders beklemmend war ein Brief, den Josef Berkemeier vorlas. Darin versucht Dechant Beuning, eine Saerbecker Mutter über den Tod ihres Sohnes zu trösten, der mit seinen 15 Kameraden an der Flakstellung nahe dem Hof Richter gefallen war. Wörtlich heißt es dort: „Eben erst 16 Jahre alt! Diese Jugend in den Tod treiben für eine verlorene Sache! Ein größerer Wahnsinn ist nicht denkbar. Möge der liebe Gott Sie trösten.“

Josef Berkemeier und Alfred Maimann beließen es aber nicht bei ihren bebilderten und bildreichen Erzählungen, sondern mahnten die Schüler, „nicht nachzulassen, wenn es gilt Frieden und Freiheit zu bewahren; denn wer in der Demokratie schläft, muss sich nicht wundern, wenn er in der Diktatur aufwacht.“ Zum Schluss gab Josef Berkemeier den Schülern noch diesen Auftrag mit auf den Weg: „Es gibt zum Zweiten Weltkrieg in Saerbeck noch viel aufzuarbeiten und herauszufinden, wir möchten gerne diesen Staffelstab an euch weitergeben.“

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