Louis Franz Heinrich Anton Uedemann
Genialer US-Schachmeister aus Saerbeck

Saerbeck -

Ein Saerbecker, der mit zwölf Jahren in die USA auswanderte, wurde dort ein berühmter Schachmeister – zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Samstag, 12.08.2017, 08:08 Uhr

Louis Uedemann wanderte von Saerbeck in die USA aus, wo er ein gefeierter und gefürchteter Schachspieler wurde und im Jahr 1900 in Excelsior/Minnesota die erste US-Meisterschaft gewann..
Louis Uedemann wanderte von Saerbeck in die USA aus, wo er ein gefeierter und gefürchteter Schachspieler wurde und im Jahr 1900 in Excelsior/Minnesota die erste US-Meisterschaft gewann..

Wikipedia weiß eben doch nicht alles: Sucht man dort nach Saerbecks herausragenden Persönlichkeiten, findet man Heinz Hoppe, Joseph Focke und Carsten Meyer – aber ein ganz wichtiger Name fehlt: Louis Uedemann , der zu Beginn des 20. Jahrhunderts als einer der besten Schachspieler der USA gefeiert wurde.

Dem Zufall sei’s gedankt. Warum? Darum: Wann kriegt man auch schon mal eine alte amerikanische Tageszeitung in die Finger? Und dann auch noch die Ausgabe vom 24. November 1912, in der die „Omaha Daily Bee“ den Tod des gebürtigen Saerbeckers Mr Uedemann meldet. An Nierenversagen sei der Schachmeister im Alter von nur 58 Jahren gestorben.

Louis Franz Heinrich Anton Uedemann, wie der Mann mit dem Nietzsche-Schnauzbart mit vollem Namen heißt, wurde am 10. Januar 1854 in Saerbeck geboren, wanderte mit zwölf Jahren in die USA aus und ließ sich in Chicago nieder, wo er alsbald eine erstaunliche Karriere machte: Mehrmals gewann er die Western Chess Association Championship, einen Vorläufer der US Open, wurde Leiter der Schachbeilage der „Chicago Tribune“ und galt über 30 Jahre lang als einer der stärksten Schachspieler das Landes. Auch als Erfinder hat sich Uedemann einen Namen gemacht: Er erfand einen Code, mit dessen Hilfe per Telegraf „Kabel-Partien“ gespielt werden konnten; das erste Cable-Match fand im November 1886 zwischen London und St. Petersburg statt. Später hat Uedemann selber an etlichen Kabel-Partien teilgenommen. In einem Nachruf vom 27. November 1912 lobt ihn der „Brooklyn Daily Eagle“ als   „höchst gefährlichen Gegner“. Und im „American Chess Bulletin“ schreibt Harry F. Lee, ein Schachspieler aus Chicago, der Louis Uedemann drei Jahrzehnte lang kannte: „Uedemann war ein Mann von edler Gesinnung, ehrenwert, aufrecht und weithin von Schachspielern bewundert und respektiert.“

Andere Weggefährten lobten Uedemanns coole, bedachte Haltung, seine langsamen und bedachten Bewegungen, seine deutsche Gründlichkeit und dass er sich niemals über irgendetwas aufgeregt habe.

Eine Episode aus Louis Uedemanns Leben wird trotz intensiver Internetrecherche aber wohl im Dunkeln bleiben, obwohl ein anderer Name in dem dreizeiligen Textschnipsel des „Evening Star“ vom 23. November 1912 sofort aufhorchen lässt: Mark Twain („Huckleberry Finn“). Mit ihm habe Uedemann, so die Zeitung, „das Steuer gehalten“ („held the wheel“), was immer das bedeuten mag.

Auch hier hilft Wikipedia kein bisschen weiter, schenkt dem Schluss dieses Textes aber immerhin ein Schachzitat des Samuel Leghorn Clemens, der sich den Künstlernamen Mark Twain gab: „Mit dummen Menschen zu streiten, ist wie mit einer Taube Schach zu spielen. Egal, wie gut du Schach spielst, die Taube wird alle Figuren umwerfen, auf das Brett kacken und herumstolzieren, als hätte sie gewonnen.“

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