Performance „Das liegt im Blut“
Ein erhellender Blick auf die Welt

Saerbeck -

Vor allem ist sie sympathisch und authentisch. Wenn die gebürtige Ghanaerin Gifty Wiafe ihre Lebensgeschichte in einem 75-minütigen Soloprogramm als Tanz-Theater-Performance erzählt und mit Schlaglichtern auf globale Gerechtigkeit und individuelle Vorurteile verknüpft, dann ist das heiter und ernst zugleich, wie ein gutes Gespräch.

Sonntag, 22.04.2018, 20:04 Uhr

Gifty Wiafe wurde 1994 geboren und lebt seit 2009 in Deutschland. Seit sie 15 ist, spielt sie Theater. Ihr Soloprogramm „Das liegt im Blut“ präsentierte sie in Saerbeck.
Gifty Wiafe wurde 1994 geboren und lebt seit 2009 in Deutschland. Seit sie 15 ist, spielt sie Theater. Ihr Soloprogramm „Das liegt im Blut“ präsentierte sie in Saerbeck. Foto: Alfred Riese

Ein erhellender Blick auf die Welt und die Sichtweisen zwischen Ghana und Deutschland, zwischen Afrika und Europa. Man möchte am liebsten alle holländischen Tomaten und deutschen Schweinehälften, die afrikanischen Kleinbauern die Eigenversorgung ihres Kontinents unmöglich machen, kaufen und selbst aufessen.

Gifty Wiafe wurde 1994 geboren und lebt seit 2009 nach einer Familienzusammenführung bei ihren voraus migrierten Eltern in Münster. Seit dem Abitur 2014 studiert sie Diversity Management (Vielfalts-Management als Teil des Personalwesens). Seit sie 15 ist, spielt Gifty Wiafe Theater. Ihr Soloprogramm „Das liegt im Blut“, mit dem sie am Freitagabend vor rund 60 Zuschauern in der St.-Georg-Pfarrkirche gastierte, entstand vor drei Jahren unter der Regie von Barbara Kemmler am „Cactus Junges Theater“ in Münster.

Nach Saerbeck geholt hatten es das Katholische Bildungswerk, die Arbeitskreise Kunst-Kultur-Kirche und Eine Welt der St.-Georg-Gemeinde und die ökumenische Flüchtlingshilfe. „Es geht darum, einen offenen Blick auf die Welt und einen weltoffenen Blick auf die Menschen zu entwickeln“, leitete Pastoralreferent Werner Heckmann den Abend ein.

Gegenseitige Vorurteile spießte die Kennerin beider Länder und Kulturen mit Hingabe auf. Das trug Gifty Wiafe am Ende das Lob eines Eine-Welt-Kreis-Mitglieds ein, das selbst schon in der Stadt Damongo in Ghana war, wo die Partnergemeinde von St. Georg liegt, St. Theresa: „Ich finde es schön, wie sie die Kulturen in ihren Spitzen darstellen.“

Eine dieser ghanaisch-deutschen Spitzen: „Deutsche reden oft nur mit Leuten, die sie kennen, und dann auch nur ganz leise, damit keiner zuhört. Das solltet ihr mal in Ghana versuchen – da wird alles geteilt, die privaten Dinge sind doch die interessantesten.“ Oder ein Ländervergleich: „In Deutschland läuft alles so reibungslos – bis auf ein paar Großprojekte wie Stuttgart 21 oder der Flughafen BER. Das ist Versagen auf höchstem Niveau, da kann Ghana nicht mithalten.“

Dass Humor und Ernst in einer guten Stunde auf einer Bühne zusammen passen, beweist Gifty Wiafe, wenn sie die ganze Palette der Probleme der Beziehungen Europa-Afrika durchgeht, etwa den Export von Elektronikschrott: „Wir sind so dankbar, dass euer Wohlstandsmüll unsere schmutzige Kinderarbeit sichert.“ Eine dazu und zum Aufführungsort passende Feststellung: „Alle Religionen haben ein großes Problem: dich, mich, uns alle – die Menschen, die eine Wahl haben, was sie tun.“

Ach ja, Tanzen und Trommeln kann Gifty Wiafe tatsächlich super. Aber das liege ihr trotz Geburt in Afrika nicht im Blut, sondern sei in ihre Wiege gelegt. Wer das zum Lachen und Heulen gleichzeitig einladende Unterhaltungs-Lehrstück verpasst hat: Gifty Wiafe zeigt es nochmal zum Katholikentag am Donnerstag, 10. Mai, 19 Uhr, Theater Münster – kleines Haus.

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