Energiestammtisch zum Thema Biogas im Bioenergiepark
Frisch aus dem ersten Probelauf

Saerbeck -

Der Rückzug der SaerGas aus dem Geschäft mit Einzelkunden in der Nähe ist allerdings gleichzeitig ein Vorstoß in andere Bereiche der Energiewende. Die SaerGas, einer der ersten aktiven Nutzer des Bioenergieparks, investiert dort wieder, und das nicht zu knapp.

Freitag, 26.10.2018, 11:50 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 26.10.2018, 11:45 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 26.10.2018, 11:50 Uhr
Große Maschine: einer der beiden neuen, zusätzlichen Stromgeneratoren der SaerGas-Biogasanlage mit 1,5 Megawatt Leistung.
Große Maschine: einer der beiden neuen, zusätzlichen Stromgeneratoren der SaerGas-Biogasanlage mit 1,5 Megawatt Leistung. Foto: Alfred Riese

Post bekommen von den Stadtwerken Emsdetten oder Lengerich mit einem Ökostromangebot? Aus praktisch allen Haushalten in Saerbeck müsste jetzt ein Ja kommen. Die Emsdettener versuchen, nach Wasser und auch Gas, beim umweltschonenden Strom Fuß zu fassen im Dorf.

Bei gut 400 Kunden verschiedet sich das genossenschaftliche Saerbecker Unternehmen SaerGas als Direktstrom-Versorger, die Stadtwerke Lengerich als Partner empfehlen sich. Freiwillig ziehen sich die Saerbecker Landwirte nicht aus der Vermarktung des Stroms aus ihrer Biogasanlage an Haushalte im Umkreis zurück. Das machte Manfred Stallfort beim Energiestammtisch am Mittwochabend deutlich. „Die regionale, direkte Stromvermarktung ist von der Politik zusammen mit den großen Konzernen ausgebremst worden“, erklärte der Landwirt und Mitbegründer der Biogas-Genossenschaft den 20 Interessierten bei der Veranstaltung des Fördervereins Klimakommune. „An den großen neuen Stromtrassen quer durch das Land sieht man, dass die Regionalität auf der Strecke bleibt“, schob er als Vorwurf Richtung Berlin hinterher.

Für die Energiestammtisch-Teilnehmer öffnete die Genossenschaft am Mittwoch Türen, die sonst nicht so ohne Weiteres offen stehen. Zu sehen war einer der beiden neuen, zusätzlichen 1,5-Megawatt-Generatoren: viereinhalb Tonnen schwer, übermannshoch und gerade frisch aus dem ersten Probelauf.

Dreieinhalb Minuten habe die Maschine gerade erst im Test von null auf Volllast gebraucht, berichtete Stefan Brinkmann. Er gehört zum Ingenieur-Netzwerk Energie eG, Bad Iburg, das die Erweiterung der SaerGas-Anlagen betreut. Warum das Tempo wichtig ist, das zu erklären fiel ihm und seiner Kollegin Laura Stegemann nicht schwer. Flexibilisierung ist das Stichwort, oder auch schmissiger „Biogas 2.0“.

Während der bisherigen regionalen Direktvermarktung von Biogas-Strom mit Änderungen im Steuerrecht die betriebswirtschaftliche Grundlage entzogen wurde, setzten zwei Novellen des Erneuerbare-Energie-Gesetzes (EEG) Anreize in eine andere Richtung. So lassen sich 45 Minuten Sachvortrag der Experten und Beteiligten zusammenfassen. Flexibilisierung, gefördert durch Zuschlag und Prämie, bedeutet: Statt 24 Stunden und sieben Tage die Woche stetig ein Megawatt zu liefern, fahren die Generatoren der SaerGas bald morgens und abends für einige Stunden hoch und liefern mehr Strom, wenn der Bedarf besonders hoch ist – und die Erlöse auch. Damit das möglich ist, haben die Silos, in denen die Bakterien an Maissilage und Gülle arbeiten, neue, größere Ballonkuppeln bekommen, die als Zwischenspeicher für bis zu 10 000 Kubikmeter Gas dienen. Die neuen Zuschüsse für Flexibilisierung finanzieren diese Investitionen, klärte Ineg-Mitarbeiterin Laura Stegemann. Weil Biogas nicht den Schwankungen von Wind und Sonne unterworfen ist, sei die flexible, am Bedarf ausgerichtete Stromproduktion ein Vorteil im Wettbewerb der erneuerbaren Energiequellen.

Zurzeit gilt für die SaerGas-Anlage, die 2011 in Betrieb ging, die 20-jährige Preisgarantie des EEG, sagte Biogas-Genossenschaftler Stallfort. Die Flexibilisierung sei „für uns die Eintrittskarte in die Zukunft nach 2031 – wir wollen ja nicht Zurückbauen, sondern weitermachen“. Und wenn nicht in der regionalen Vermarktung, dann eben beim Ausgleich der Bedarfsspitzen und der Entlastung des Stromnetzes.

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