Interview mit dem scheidenden MKG-Leiter Karl Watermann
Schulbank statt Lehrerpult

Saerbeck -

Seinen letzten Schultag hat Karl Watermann am Donnerstag, 31. Januar. Der Leiter der Maximilian-Kolbe-Gesamtschule (MKG) verlässt Saerbeck nach rund 18 Jahren (seit Sommer 2011 Schulleiter, davor zehn Jahre Stellvertreter).

Samstag, 26.01.2019, 13:30 Uhr
Karl Watermann geht: Der Dienst des Schulleiters der Maximilian-Kolbe-Gesamtschule endet am Donnerstag, 31. Januar.
Karl Watermann geht: Der Dienst des Schulleiters der Maximilian-Kolbe-Gesamtschule endet am Donnerstag, 31. Januar. Foto: Jan-Philipp Jenke

Schon am Dienstag gibt es zwei Verabschiedungsfeiern – im Rathaus und in der Schulmensa. Redakteur Jan-Philipp Jenke sprach mit Watermann über vergangene Herausforderungen an der MKG, künftige Baustellen und seine persönlichen Pläne für den Ruhestand.

Aufgrund ihrer Vergangenheit als Lehrer an mehreren Landwirtschaftsschulen, hieß es 2011 an der MKG: „Der neue Leiter kann Trecker fahren.“ Können Sie das wirklich?

Karl Watermann: Selbstverständlich kann ich Trecker fahren. Ich bin auf einem Bauernhof groß geworden. Und das Treckerfahren – das ist heute gar nicht mehr erlaubt – begann im Alter von circa zwölf Jahren. Mit 16 habe ich dann natürlich einen Trecker-Führerschein gemacht. Solange ich zu Hause bei meinen Eltern gelebt habe, bin ich immer Trecker gefahren.

Kommen wir nun zum Schulischen. Welchen Wert hat die Gesamtschule im Schulsystem. Was kann sie, was andere Schulformen nicht können?

Watermann: Ich glaube, dass die Gesamtschule einen sehr hohen Wert im Schulsystem hat. Nach anfänglichen politischen Diskussionen ist sie mittlerweile anerkannt, allgemein in Nordrhein-Westfalen und auch hier in der Region. Was sie kann: Sie hält die Laufbahn eines Schülers für eine längere Zeit offen. Es wird nicht zu früh entschieden, ob ein Schüler einen Hauptschulabschluss, einen Fachoberschulreifeabschluss erhält oder ob ihm die Befähigung zur Oberstufe erteilt wird. Was weiterhin ein Vorteil ist, ist, dass Gesamtschulen einen Ganztag anbieten. Und dass Schüler sehr stark nach Neigungen und Leistungen gefördert werden, ihre Laufbahn nach Neigung und Leistung ausrichten können. Das sind Vorteile, die die Gesamtschule hat.

Nun konkret zur MKG. Welchen Wandel hat die Schule in ihrer Zeit durchlaufen?

Watermann: Ich glaube, dass es einige Herausforderungen, einige Aufgaben in den vergangenen Jahren gab, die neu waren. In der Schule gab es 2013 die Qualitätsanalyse. Aus dieser waren Konsequenzen zu ziehen, die wir im Hause besprochen haben. Es hat entsprechende Fortbildungen für die Kolleginnen und Kollegen gegeben. Die zweite große Veränderung betrifft die Inklusion. Die Schule ist seit 2015 Schule des gemeinsamen Lernens. Das war eine große Herausforderung für das Kollegium. Ich glaube, dass wir dieser Aufgabe angemessen begegnet sind und sie angemessen gelöst haben. Wie an anderen Schulen auch, sind Kinder aus Krisengebieten zugewandert. Kinder mit nicht-deutschem Sprachhintergrund. Diese mussten integriert werden. Als ich anfing, hatte die Gesamtschule in Saerbeck noch ein Alleinstellungsmerkmal in der Region. Das hat sich deutlich geändert. Mittlerweile sind vier neue Gesamtschulen in der Region gegründet worden, mit Greven, Ibbenbüren, Hörstel und zuletzt Lengerich. Dadurch stellt sich insgesamt die Situation in der Schullandschaft deutlich anders dar.

Was fällt ihnen rückblickend als schönster Moment an der MKG ein?

Watermann: Es gab eigentlich viele schöne Erlebnisse. Für mich waren prägende Erlebnisse die Zusammenarbeit mit der Elternschaft, die Zusammenarbeit mit dem Kollegium und auch die vielen positiven Erfahrungen, die ich mit unserer Schülerschaft gemacht habe – sowohl im unterrichtlichen als auch im außerunterrichtlichen Bereich. Da gibt es viele Dinge im Einzelnen zu nennen.

Was kommt ihnen da spontan in den Sinn?

Watermann: 2013 haben wir anlässlich der 25-Jahrfeier der Schule verschiedene Veranstaltungen gemacht. Eine hieß „Physik kocht, Chemie hilft“. Ein Projekt unter der Leitung der Kollegin Frau Uhlenbrock (mittlerweile versetzt worden). Von Schülern wurden Gerichte hergestellt, die physikalischen und chemischen Prozesse wurden dabei erläutert, und die kleinen Gerichte wurden dann dem Publikum serviert. Diesen amüsanten Abend habe ich in sehr guter Erinnerung, weil die Schüler sehr kreativ und die Präsentationen klug waren.

Wie haben sich im Laufe der Jahre die Schüler verändert?

Watermann: Insgesamt ist die Schülerschaft in großen Teilen gleich geblieben. Es gibt sehr viele verantwortungsbewusste, auch leistungsstarke Schüler hier an der Schule. Was mich auch immer wieder freut ist, dass viele Schüler sich sehr stark mit unserer Schule identifizieren. Was durchaus auffallend ist, dass Schüler in gesundheitlicher Hinsicht empfindlicher sind. Sie lassen sich häufiger von den Eltern abholen als früher.

Wie ist die MKG für die Zukunft aufgestellt?

Watermann: Ich glaube, dass die Schule gut aufgestellt ist. Wir haben die entsprechenden Vorkehrungen getroffen in Bezug auf die Inklusion. Wir werden baulich die Schule weiterentwickeln. Im Jahr 2020 wird es einen größeren Anbau geben. Der Schulträger unterstützt uns in diesen Planungen, so dass die Schule auch nach außen weiterhin und verstärkt einen guten Eindruck machen wird. Die neue große Aufgabe, auch die haben wir in Angriff genommen, ist, dass wir die Digitalisierung im Hause vorantreiben. Wir werden 2019 komplett die Schule mit WLAN versehen, so dass in allen Räumen ein Anschluss ins Internet möglich ist. Und ich denke, es ist die alltägliche Arbeit, die immer wieder hier im Hause geleistet wird, die letztlich auch den guten Ruf der Schule begründet. Alltägliche Arbeit bedeutet für mich, jedes einzelne Kind in seinen Stärken zu fordern, in seinen Schwächen zu fördern und natürlich auch von den Kindern Leistung zu erwarten. Kindern die Freude an der Schule zu erhalten und trotzdem von ihnen Leistung zu erwarten, das ist kein Widerspruch.

Die Stichworte Anbau, Inklusion und Digitalisierung sind schon gefallen. Welche Baustellen übergeben Sie ihrem Nachfolger?

Watermann: Die Digitalisierung bedeutet ja nicht nur, dass wir die Schule technisch aufrüsten, sondern auch, dass wir uns überlegen müssen, wie wir Digitalisierung vernünftig didaktisch, methodisch im Unterricht umsetzen. Denn der Computer oder das Tablet allein ist lediglich ein Instrument. Entscheidend ist, wie ich mit diesem Instrument umgehe. Es gibt Tätigkeiten, Aufgaben von Schülern, die nach wie vor eine geistige Herausforderung darstellen. Wenn ich einen Text verstehen will, einen Text schreiben will – um einige Beispiele zu nennen – hilft mir der Computer nur bedingt. Nach wie vor brauche ich Unterstützung im Unterricht, brauche ich Methoden und Kenntnisse, um diese Aufgaben zu erfüllen. Die Möglichkeiten, die die Digitalisierung uns bietet, mit diesen traditionellen Anforderungen, die ein Unterricht stellt, in Einklang zu bringen, das ist eine der zentralen Aufgaben, die sich stellen. Das zweite Thema ist die Inklusion. Die Schule hat die Inklusion als Thema angenommen. Wir sind bis zum Jahrgang 9 fortgeschritten. Und das Ganze muss bis zum Ende, bis zum Jahrgang 10 weitergeführt werden.

Was nehmen Sie sich für den Ruhestand vor?

Watermann: Ich war immer sehr viel ehrenamtlich tätig. Das ist in den vergangenen Jahren zurückgegangen, weil ich es mit meiner Aufgabe als Schulleiter nicht in Verbindung bringen konnte. Das würde ich gerne wieder aufnehmen. Ich war früher in der Kommunalpolitik tätig. Ich könnte mir vorstellen, dass ich mich dort wieder etwas stärker engagiere. Dann habe ich mich schon mal für einen Kurs in Französisch angemeldet. Ich möchte gerne meine Kenntnisse reaktivieren. Ich reise ganz gerne, mache auch gerne Fahrradtouren. Allerdings möchte ich, dafür hat man ja den Ruhestand, nicht alles wieder verplanen.

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