Urteil nach Kirmes-Schlägerei
Sozialstunden und Gesprächstherapie

Saerbeck/Ibbenbüren -

Weil er den Entwicklungsstand eines 15-Jährigen habe, setzte das Amtsgericht bei einem tatsächlich vier Jahre älteren Angeklagten nach einer Schlägerei auf Erziehungsmaßnahmen.

Freitag, 15.02.2019, 11:00 Uhr aktualisiert: 18.02.2019, 15:46 Uhr

Auf der Kirmes in Saerbeck am 30. September 2018 rempelten sich im Autoscooter zwei junge Männer an. Einer drückte einem 19-Jährigen aus Saerbeck einen Spruch rein, der langte zu. Zwei Faustschläge soll er seinem Gegner ins Gesicht verpasst haben. Am Mittwoch stand er deswegen in Ibbenbüren vor Gericht und räumte die Tat ein. So hatte er es von Anfang an getan. Deswegen kam er mit erzieherischen Maßnahmen, die seinen Tagesablauf strukturieren sollen, glimpflich davon. Der Richter verurteilte ihn wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu 80 Sozialstunden innerhalb von drei Monaten, Kontaktaufnahme zum Arbeitsamt und vier Gesprächen beim sozial-psychiatrischen Dienst.

  Foto: BilderBox.com

Der Angeklagte machte einen schutzbedürften Eindruck. Deswegen war es auch keine Frage für das Gericht, noch das Jugendstrafrecht anzuwenden. „Sie stehen charakterlich einem Jugendlichen unter 18 Jahren gleich“, sagte der Vorsitzende in der Urteilsbegründung und fügte hinzu, dass er den Eindruck habe, dass der Angeklagte irgendwo zwischen 14 und 15 Jahren stecken geblieben sei.

Der 19-Jährige gab zu seinem Lebenslauf an, dass seine Mutter vor fünf Jahren die Familie im Stich gelassen habe. Sein Vater gehe arbeiten, und er habe für seinen jüngeren Bruder sorgen müssen, der sich aber allem widersetze und auch nicht die Schule besuchen wolle. Sein Vater im Zuhörerraum bestätigte das. „Aber auch vorher musste ich alles machen, kochen, putzen, meine Mutter hat nichts gemacht, uns nur geschlagen und genötigt“, beklagte er sein kindliches Dasein.

Ansonsten wirkte er verschlossen und weltfremd. Seit der Schulentlassung habe er außer einem kurzfristigen Besuch der Wirtschaftsschule in Ibbenbüren nichts mehr gemacht. Auf die Frage, wann er aufstehen würde: „Früh morgens um sechs oder sieben, weil ich nicht mehr schlafen kann“. Mit Alkohol und Drogen habe er keine Probleme, sagte er auf Nachfrage.

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