Volksbanken Westerkappeln und Saerbeck
Fusion frisst einen ihrer Väter

Westerkappeln/Saerbeck -

Vor gut einem Jahr haben die Volksbanken Westerkappeln-Wersen und Saerbeck ihre Fusionspläne bekanntgegeben. Seitdem arbeiten beide Geldhäuser nahezu geräuschlos an der Verschmelzung. Am Montagmorgen platzte eine kleine Bombe: Vorstandsmitglied Jörg Wehmeier nimmt seinen Hut. Die Fusion frisst offensichtlich einen ihrer Väter.

Montag, 18.03.2019, 19:14 Uhr aktualisiert: 18.03.2019, 19:20 Uhr
Da saß Jörg Wehmeier (vorne links) noch in der ersten Reihe. Das Bild mit Vorständen und Aufsichtsräten wurde bei der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung der beiden Volksbanken aufgenommen. Wehmeier wird die Volksbank nun verlassen. Die Verantwortung liegt damit allein in den Händen von Anita Kipp (links) und Ansgar Heilker (vorne rechts).
Da saß Jörg Wehmeier (vorne links) noch in der ersten Reihe. Das Bild mit Vorständen und Aufsichtsräten wurde bei der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung der beiden Volksbanken aufgenommen. Wehmeier wird die Volksbank nun verlassen. Die Verantwortung liegt damit allein in den Händen von Anita Kipp (links) und Ansgar Heilker (vorne rechts). Foto: Volksbank

Der Rückzug kommt für die meisten völlig überraschend. Am Montagmorgen unterzeichneten Wehmeier und Aufsichtsratsvorsitzender Roland Cizelsky einen Aufhebungsvertrag. Mittags informierte Wehmeier die Belegschaft in Westerkappeln. Nach Darstellung aller Beteiligten gab es keinen Streit. Wehmeier habe sich nach 15-jähriger Vorstandsarbeit in der Volksbank Westerkappeln-Wersen dazu entschieden, sich beruflich neu auszurichten, heißt es in einer zwischen Vorstand und Aufsichtsrat abgestimmten Pressemitteilung.

Wehmeier hat nach eigenen Angaben bereits eine neue Tätigkeit gefunden. Wo, das will der 54-Jährige nicht sagen. Mit seinem neuen Arbeitgeber habe er darüber Stillschweigen vereinbart.

Und auch zu den Gründen für die Trennung von der hiesigen Volksbank äußert er sich eher schmallippig. Offenbar sind aber drei Vorstände bei einer auch nach der Fusion kleinen Volksbank einer zu viel. „Ich bin Bankkaufmann, ich kann rechnen“, sagt er.

Dass es innerhalb des Vorstandes Meinungsverschiedenheiten über die künftige Führungsverantwortung gegeben hat, will Wehmeier weder bestätigen noch dementiert er dies. Fakt ist, dass mit seiner jetzigen Vorstandskollegin Anita Kipp (44) und dem Saerbecker Vorstand Ansgar Heilker (45) zwei jüngere Kollegen das Sagen haben werden.

„Für uns kam das auch überraschend“, erklärt Aufsichtsratsvorsitzender Cizelsky. „Wir sind immer von drei Vorständen ausgegangen.“ Im Zuge der Fusion müsse sich die Bank aber sowieso ganz neu ausrichten – nun mit zwei Vorständen. Das bedeute natürlich auch, dass ein Vorstandsgehalt weniger gezahlt werden müsse, pflichtet er Wehmeiers kaufmännischen Argumenten durchaus bei. „Das ist aber alles noch im Fluss“, sagt Cizelsky zur Aufgabenverteilung im Vorstand.

Wehmeiers Vertrag wird zum Ende des Jahres aufgehoben. „Im Sinne eines klaren Übergangs der Leitung der fusionierten Bank auf Kipp und Heilker“ – wie es in der offiziellen Mitteilung heißt – werde Wehmeier bereits zum 15. April freigestellt. Weg ist er aber eigentlich schon jetzt. „Ich habe noch jede Menge Resturlaub.“

Die angestrebte Fusion hält der 54-Jährige nach wie vor „für die richtige Entscheidung. So können Mitarbeiter, Mitglieder und Kunden auch in Zukunft, wenn Markt, Regulatorik und technische Entwicklung große Herausforderungen bereithalten, eine leistungsfähige und konsequent mitgliederorientierte Genossenschaftsbank erleben“, wird Wehmeier in der gemeinsamen Stellungnahme von Vorstand und Aufsichtsrat zitiert.

Die Modalitäten der Fusion

Die Fusion der Volksbanken Westerkappeln-Wersen und Saerbeck soll rückwirkend zum 1. Januar in Kraft treten. Voraussetzung ist, dass die Mitglieder der Banken bei den jeweiligen Generalversammlungen am 4. Juni in Westerkappeln und am 6. Juni in Saerbeck der Verschmelzung zustimmen.Sitz der neuen Volksbank Westerkappeln-Saerbeck eG wird Westerkappeln sein. Die Vorstandsarbeit werden sich nach dem Abschied von Jörg Wehmeier Anita Kipp und Ansgar Heilker teilen.Den Aufsichtsrat bilden zunächst elf Personen – sechs aus Westerkappeln, fünf aus Saerbeck. Es ist aber angestrebt, das Kontrollgremium durch altersbedingtes Ausscheiden langfristig auf sechs bis sieben Mitglieder zu verkleinern, hieß es bei Bekanntgabe der Fusionspläne.Nach dem Umwandlungsgesetz wird die Volksbank Saerbeck eG (rund 1000 Mitglieder) übernehmende Genossenschaft und die Volksbank Westerkappeln-Wersen eG (circa 3500 Mitglieder) übertragende Genossenschaft. Die neue Volksbank Westerkappeln-Saerbeck eG wird – basierend auf den Daten des Jahres 2017 – eine Bilanzsumme von 240 Millionen Euro haben.

...

Für ihn sei die Diskussion um die mögliche Fusion mit der Volksbank Saerbeck letztlich Anlass gewesen, über die eigene berufliche Zukunft neu nachzudenken. „Der Wunsch nach Veränderung schlummerte bereits länger in mir.“ Das neue Haus müsse nach den entsprechenden Beschlüssen der Generalversammlung in Zukunft von seinen jungen Nachfolgern verantwortet werden, so Wehmeier.

Dieser hatte seinen Wunsch auf Vertragsaufhebung vor einigen Wochen an den Aufsichtsrat herangetragen. Die Abschiedsreden sind deshalb geschrieben. Cizelsky dankt dem scheidenden Vorstandsmitglied für seinen Einsatz. Wehmeier habe maßgeblichen Anteil daran, dass die Volksbank Westerkappeln-Wersen in einem „anspruchsvollen und sich schnell verändernden geschäftspolitischen Umfeld“ erfolgreich gewesen sei. Das stetige Wachstum sei ein Verdienst von ihm.

(Noch-)Vorstandskollegin Anita Kipp hat Wehmeiers Entscheidung nach eigenen Worten „mit Respekt“ zur Kenntnis genommen. Insbesondere im erfolgreich ausgebauten Firmenkundengeschäft habe Wehmeier das Haus geprägt. „Über die künftige Aufstellung unter anderem bei der Firmenkundenbetreuung werden wir nun entscheiden und unsere Kunden schnellstmöglich informieren“, blickt Kipp nach vorne.

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