Klima-Partner-Kommunen Saerbeck, Steyerberg und Liebenau wollen zusammen Vorbild sein
Klima-Trio fährt elektrisch voraus

Saerbeck/Steyerberg -

Region-Twin, Flecken Steyerberg, Wenamo-Programm? Diese Begriffe sind in Saerbeck schon mehrfach aufgeblitzt. In dem niedersächsischen Ort, rund 125 Kilometer Richtung Hannover entfernt, zeigte sich jetzt, dass der gemeinsame Aufbruch in die Elektromobilität die beiden Kommunen verbindet. Man lerne voneinander und stütze sich gegenseitig, beschrieben die Gemeindespitzen das Verhältnis.

Freitag, 14.06.2019, 09:00 Uhr
Flottes Trio: Die elektrischen Dienstwagen, die die drei Kommunen Saerbeck (rechts, mit Andreas Fischer), Steyerberg (Mitte, mit Bürgermeister Heinz-Jürgen Weber, 3. v.l.) und Liebenau (links, mit Bürgermeister Walter Eisner, 2.v.l.) nach einem gemeinsamen Förderantrag angeschafft haben. Das kleine Foto zeigt eine Ladesäule in Saerbeck
Flottes Trio: Die elektrischen Dienstwagen, die die drei Kommunen Saerbeck (rechts, mit Andreas Fischer), Steyerberg (Mitte, mit Bürgermeister Heinz-Jürgen Weber, 3. v.l.) und Liebenau (links, mit Bürgermeister Walter Eisner, 2.v.l.) nach einem gemeinsamen Förderantrag angeschafft haben. Das kleine Foto zeigt eine Ladesäule in Saerbeck Foto: Alfred Riese

Die 125 Kilometer größtenteils über Land zum Flecken Steyerberg fuhr Andreas Fischer natürlich elektrisch. Als Allgemeiner Stellvertreter des Bürgermeisters bewegte er den E-Dienstwagen der Gemeinde Saerbeck, einen Renault Zoe, zum Amtshof der niedersächsischen Gemeinde – zu ihren Kollegen. Denn auch Steyerberg und dessen Nachbarkommune, die Samtgemeinde Liebenau, sind dienstlich seit Kurzem elektrisch mobil. Die drei Orte eint der Wunsch, Vorreiter beim Klimaschutz zu sein.

Zusammen erfolgreich

Dabei sind Saerbeck und Steyerberg seit einigen Jahren Regio-Twins: In einem Programm des Bundesumweltministeriums sind sie in Sachen kommunaler Klimaschutz verpartnert mit dem Ziel, sich in Theorie und Praxis auszutauschen. Für das gemeinsame Projekt „Wege für nachhaltige Mobilität“ (Wenamo) kam Liebenau dazu. Alle drei zusammen schafften es in ihrer interkommunalen und Bundesländer übergreifender Zusammenarbeit, Fördermittel des Bundesverkehrsministeriums für E-Autos (die Hälfte der Mehrkosten gegenüber einem Auto mit Verbrennungsmotor) und Ladesäulen zu bekommen.

Eine der Strom-Ladesäulen in Saerbeck.

Eine der Strom-Ladesäulen in Saerbeck. Foto: Alfred Riese

In Saerbeck gibt es diese Ladesäulen und den Zoe schon seit ein paar Monaten (diese Zeitung berichtete). Jetzt zogen Steyerberg und Liebenau nach – und hängten den 90-PS-Zoe mit zwei Nissan Leaf mit 150 PS zumindest leistungsmäßig ab. Streckenmäßig fährt Saerbeck voraus mit bereits 5750 Kilometern auf dem Zähler. Der Zoe kostete nach Rabatt und inklusive Förderung 21 000 Euro, sagte Andreas Fischer, im Rathaus zuständig für das Mobilitätskonzept. Zusätzlich flossen Fördermittel für insgesamt sechs Ladesäulen.

Dass die elektrischen Dienstwagen nur ein Detail in Sachen Klimaschutz in Saerbecks Regio-Twin Steyerberg sind, machte der Flecken-Bürgermeister Heinz-Jürgen Weber beim gemeinsamen Termin im Amtshof deutlich. In der 5300-Einwohner-Kommune arbeitet zurzeit die Genossenschaft Bürgerenergie Steyerberg an einem Fernwärmenetz für die 1000 Häuser des Siedlungskerns. Glasfaser soll übrigens gleich dazu verlegt werden. Das entspricht dem mittlerweile aus wirtschaftlichen Gründen beerdigten KWK-Nahwärme-Projekt in Saerbeck. Der Unterschied: In Steyerberg ist die Wärme von einem großen Chemieunternehmen vor Ort sehr günstig zu haben, erklärte Weber. 250 Prozent des eigenen Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen, niedersächsische Klimakommune, Europasiegel, der Verein Lebensgarten als Pionier des Elektro-Car-Sharing: Man sieht Ähnlichkeiten zwischen den Regio-Twins.

Für E-Mobilität werben

Was die Werbewirkung für E-Mobilität angeht, berichtete Dieter Korte aus dem Rathaus in Liebenau, dass der Elektro-Dienstwagen dort auch für Ratsmitglieder zu leihen ist. „So viele Menschen wie möglich sollen einen Nutzen davon haben und die Gelegenheit, sich zu überzeugen“, sagte er. Steyerberg hält es ebenso, berichtete Bürgermeister Weber, und arbeitet gerade an einer App als Buchungsplattform für alle Bürger. In Saerbeck hatte der Rat zuletzt den geplanten Verleih der Zoe ausschließlich an Mitglieder des Rats und des Fördervereins gestoppt und ein anderes Konzept bei der Verwaltung in Auftrag gegeben. Alle drei Kommunen stehen vor den gleichen Problemen, besonders bei den Versicherungskosten.

Grenzen und Ziele

Die Grenzen der verbindenden Klimaschutz-Bestrebungen der drei Kommunen beschrieb Dieter Korte aus Liebenau: „Nur in unseren Gemeinden können wir das Klima nicht retten. Aber wir tun das, was wir tun können. Wenn das viele machen, wird daraus eine Bewegung.“ Konkrete Ansätze: Flächenverbrauch beenden, Energiestandards für gemeindeeigene Gebäude, mehr nachhaltige Energie. Und wann wären sie fertig mit den Nachhaltigkeitsbestrebungen? „Wenn wir 95 Prozent weniger CO2 ausstoßen und 50 Prozent weniger Energie verbrauchen, und das vor 2050“, sagt Steyerbergs Bürgermeister Weber. Der Liebenauer Korte toppt das: „Wir können aufhören, wenn wir vollständig nachhaltig sind, wenn alles, was wir verbrauchen, nachwachsen kann.“

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