Gemeinde gleicht Kreis-Kürzungen bei der Flüchtlingssozialberatung aus
„Weniger macht keinen Sinn“

Saerbeck -

Bei der Flüchtlingssozialarbeit will die Gemeinde Zuschusskürzungen des Kreises ausgleichen, um den bisherigen Stundenumfang zu halten. Glücklich war damit im Sozialausschuss niemand.

Donnerstag, 27.06.2019, 06:00 Uhr
Hat nichts mit dem Heute zu tun: Ein Fundstück im Arsenal des Heimatvereins, zu sehen im Brennereimuseum, das zeigt, dass Flüchtlingsberatung kein neues Thema ist. Seinerzeit dürfte es um deutsche Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg gegangen sein.
Hat nichts mit dem Heute zu tun: Ein Fundstück im Arsenal des Heimatvereins, zu sehen im Brennereimuseum, das zeigt, dass Flüchtlingsberatung kein neues Thema ist. Seinerzeit dürfte es um deutsche Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg gegangen sein. Foto: Alfred Riese

Die Sozialarbeit und Beratung für Flüchtlinge soll in Saerbeck auf einem Umfang von zehn Stunden in der Woche gehalten werden. Verringerte Zuschüsse vom Kreis Steinfurt ab August will die Gemeinde mit eigenem Geld auffangen. Das hat der Sozialausschuss in seiner Sitzung am Dienstag einstimmig dem Rat empfohlen. „Mit weniger als zehn Stunden macht es keinen Sinn“, erklärte der Sozialamtsleiter Jürgen Hölscher . Die jährlichen Kosten für die Gemeinde steigen inklusive Tarifanpassung um rund 3500 auf 18 685 Euro.

Seit dem 1. April 2017 bucht die Gemeinde zehn Stunden pro Woche beim Caritasverband Emsdetten-Greven. Für das zu Ende gehende Kindergartenjahr kostete das 23 000 Euro. 7800 Euro davon übernahm der Kreis Steinfurt für fünf Wochenstunden mit der Aufgabe „Flüchtlingslotse Kita“.

Mit dem Übergang der Zuständigkeit vom Kreisjugendamt zum Kommunalen Integrationszentrum (KI) des Kreises wurden dort die Karten neu gemischt. Für die umbenannten „Kita-Lotsen Integration“ gibt es jetzt neue Förderrichtlinien. Maßstab ist nun der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund im Alter von null bis sechs Jahren in Kitas. Saerbeck mit 13,5 Prozent (35 von 259 Kindern) verliert so zwei Lotsenstunden, der Zuschuss schrumpft auf 4680 Euro. Weitere Veränderungen durch die neuen, zwölfseitigen „Leitlinien für die Arbeit in der Kommune“ des KI im Lotsenbereich fasste Sozialamtsleiter Hölscher so zusammen: Es gibt mit erhöhten Dokumentationspflichten mehr Bürokratie und die Lotsen sollen nicht mehr selbst beraten, sondern auf andere Beratungsstellen hinführen.

Anke Küper (Mitte)und Helmut Henrich vom Caritasverband informierten den Sozialausschuss. Links im Bild Lea Kurth, die ebenfalls in Saerbeck tätig ist.

Anke Küper (Mitte)und Helmut Henrich vom Caritasverband informierten den Sozialausschuss. Links im Bild Lea Kurth, die ebenfalls in Saerbeck tätig ist. Foto: Caritasverband Emsdetten-Greven

Eine bisher „sehr erfolgreiche Arbeit für Geflüchtete und ihre ehrenamtlichen Unterstützer“ stellte im Ausschuss Helmut Henrich fest, Fachbereichsleiter beim Caritasverband. In der Flüchtlingssozialarbeit seien Kontakt und Beziehung zu den Menschen wichtig, weshalb das bloße Verweisen auf andere Beratungssysteme zu wenig sei, erklärte er. Nachdem die vorherige Caritas-Mitarbeiterin zur Stadt Greven gewechselt ist, stellte sich im Ausschuss die Nachfolgerin Anke Küper vor. Die Diplom-Sozialpädagogin ist bereits seit Februar mit einer festen Anlaufstelle im Wohnhaus am Heckenweg in Saerbeck tätig. Sie stellte ihre Arbeit vor – und dabei fest, dass in Saerbeck mehr Zeit als anderswo in die Flüchtlingsarbeit investiert werde, es dafür aber auch besonders gut laufe. Küper hob die regelmäßige Frauengruppe als Zugang zu Familien hervor und nannte sie „das Herz der Arbeit hier“.

„Zusätzliche Dokumentationspflichten für das Integrationszentrum nehmen Zeit weg für die eigentliche Arbeit“, kritisierte der Ausschussvorsitzende Felix Wannigmann (SPD). Dieser Aufwand stehe in keinem Verhältnis zur Höhe der Zuschüsse, merkte Helmut Henrich an. CDU, UWG und Grüne schlossen sich dieser Kritik an und unterstützten das Zehn-Stunden-Ziel, zunächst bis Sommer 2020.

Die Gemeinde Saerbeck zahlt der Caritas übrigens deren anteilige tatsächliche Personalkosten für eine Fachkraft mit Diplom komplett. Für den Kita-Lotsen-Anteil veranschlagt das Integrationszentrum nur gut die Hälfte davon. Diese Differenz zahlt schon seit 2017 – Saerbeck.

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