Bertlings Haar ist ein schützenswertes Gebiet
Kein Mekka für Motor-Crosser

Saerbeck -

Spuren von Motorcross-Fahrern sind in Bertlings Haar gesichtet worden. Offensichtlich nutzt eine kleine Gruppe das Heidegebiet in der Nähe des Bioenergieparks als Strecke für ihre Maschinen. Aber ist das eigentlich erlaubt?

Donnerstag, 11.07.2019, 09:00 Uhr aktualisiert: 11.07.2019, 15:28 Uhr
Bertlings Haar
Bertlings Haar Foto: Herbert Neise

Eine Überraschung hält das Thema jedenfalls bereit.

Hermann Holtmann vom Kreisumweltamt macht deutlich, dass Motorcross in Bertlings Haar nicht erlaubt ist. „Das ist eine Ordnungswidrigkeit. Bei dem Gebiet handelt es sich um ein gesetzlich geschütztes Biotop.“ Alle Handlungen, die dies zerstören, seien verboten. Er möchte das Gebiet im Auge behalten und denkt daran, mit der Gemeinde Saerbeck, der die Fläche gehört, Kontakt aufzunehmen, um Kontrollen durchzuführen.

„Bertlings Haar darf nicht zum Mekka für Motorcross-Fahrer werden“, sagt Dr. Peter Schwartze . Der fachliche Leiter der Biologischen Station Kreis Steinfurt hält diese Freizeitaktivität dort grundsätzlich für problematisch. Bodenbrüter wie der Baumpieper würden gestört. Gleiches gelte für Heckenbrüter wie den Neuntöter. „Gegebenenfalls gibt der Vogel am Boden die Brut sogar auf“, warnt er. Aber auch alle anderen Vogelarten, die dort Nahrung suchen, seien betroffen. „Vorbedingung dafür ist absolute Ruhe“, betont Dr. Schwartze.

Der Neuntöter brütet in Bertlings Haar und könnte dabei von den Motorcross-Fahrern gestört werden.

Der Neuntöter brütet in Bertlings Haar und könnte dabei von den Motorcross-Fahrern gestört werden. Foto: NABU

Doch nicht nur Vögel könnten sich durch Motorcrosser gestört fühlen. „Wir haben dort offene Sandbereiche, in denen häufig Wildbienen zu finden sind, in Röhren im Erdreich“, erklärt der Experte. Diese Röhren würden durch die Motorräder zerstört.

Erstaunlich: Es gibt auch einen positiven Effekt – „positiv in Anführungszeichen“, fügt Dr. Peter Schwartze hinzu. Die Grasnarbe des für den Standort prägenden Sandtrockenrasens werde durch die Dynamik und Bewegung des Motorcrossfahrens immer wieder aufgerissen. Das leisten in der Natur beispielsweise wühlende Kaninchen.

Nichtsdestrotz ist Bertlings Haar für Dr. Peter Schwartze eine schützenswerte Fläche, auch wenn sie kein ausgewiesenes Naturschutzgebiet ist. Und wenn die Motorcrosser schon das Fahrverbot missachten, bittet er sie zumindest darum, in der Brutzeit Rücksicht zu nehmen. Diese ist übrigens von Anfang März bis Ende Juli, in Hecken und Kleinstrukturen sogar bis August, September.

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