Steffen Hunger kann nach vier Jahren Leidensweg wieder schlucken
Gestern gab’s sogar einen Döner

Saerbeck -

Eine jahrelange Leidensgeschichte hat ein Ende. Nach einer Hirnblutung, Koma, Lähmung und Verätzung der Speiseröhre kann der Saerbecker Steffen Hunger endlich wieder schlucken. Eine spezielle Behandlung am UKM Marienhospital Steinfurt und Training mit einer Saerbecker Logopädin machten das möglich. Jetzt kann Steffen Hunger wieder mit seiner Frau Ursula frühstücken.

Montag, 19.08.2019, 09:00 Uhr
Chefarzt Dr. Klaus Waltermann konnte Steffen Hunger mit Hilfe der „Bougierung“ zu einer neuen Lebensqualität verhelfen. Heute kann der Patient wieder alles essen und trinken, was er will – das freut natürlich auch seine Frau Ursula.
Chefarzt Dr. Klaus Waltermann konnte Steffen Hunger mit Hilfe der „Bougierung“ zu einer neuen Lebensqualität verhelfen. Heute kann der Patient wieder alles essen und trinken, was er will – das freut natürlich auch seine Frau Ursula. Foto: UKM MHS Katharina Krüger

Wenn Steffen Hunger und seine Frau Ursula an den Tag denken, an dem sie zum ersten Mal wieder zusammen am Frühstückstisch sitzen und beherzt ins Brötchen beißen konnten, kommen dem Ehepaar fast die Tränen. Dank der Behandlung im UKM Marienhospital ( MHS ) Steinfurt kann der Saerbecker wieder schlucken. „Ich habe wieder ein Leben“, sagt der Patient dankbar.

Seit 2015 war daran nicht zu denken. Damals brach Steffen Hunger zusammen. Der bis dato stets kerngesunde Mann, gerade erst im Ruhestand, erlitt eine Hirnblutung. Im künstlichen Koma platzte seine Gallenblase – darauf folgten eine Sepsis und eine halbseitige Körperlähmung. Ein Leidensjahr voller Krankheiten begann. „Die Ärzte gaben mir noch fünf Prozent Überlebenschance“, sagt der heute 68-Jährige. Er überwand fast alle Krankheiten – doch eine Sache heilte nicht mehr. Seine Speiseröhre war im künstlichen Koma durch Gallensaft derart verätzt worden, dass sie komplett zugeschwollen und vernarbt war, schreibt das UKM MHS.

„Ich konnte nicht mehr schlucken, noch nicht mal meinen eigenen Speichel“, erinnert sich Steffen Hunger. Deshalb musste er immer eine Schüssel für die herauslaufende Mundflüssigkeit dabeihaben – ernährt wurde er über eine Magensonde. „Wir sind nirgends mehr hingegangen, haben keine Besucher mehr zu uns eingeladen“, erinnert sich Ursula Hunger an diese Zeit.

Glück im Unglück, dass Steffen Hunger bei einem Problem mit dem Zwölffingerdarm zur Behandlung ins UKM MHS eingeliefert wurde. In der Gastroenterologie behandelten die Ärzte nicht nur seine akute Erkrankung, sondern stellten auch fest, dass nicht einmal mehr ein Haar durch die Speiseröhre des Patienten passte. In Zusammenarbeit mit dem UKM (Uniklinikum Münster) traf man die Entscheidung, die Speiseröhre mit Hilfe der „Bougierung“ aufzudehnen.

Die Ärzte gaben mir noch fünf Prozent Überlebenschance.

Steffen Hunger

Bei dieser Behandlung unter Sedierung wird ein spezieller Katheter mit Hohlraum in den Hals bis in den Magen eingeführt. Seit dem Frühjahr 2016 wird diese Intervention regelmäßig von Dr. Klaus Waltermann, Chefarzt der Gastroenterologie am UKM MHS, durchgeführt. Dabei konnte die Größe des „Bougies“ über die Jahre hinweg immer weiter gesteigert werden. „So konnten wir ein sehr gutes Ergebnis erzielen“, freut sich Waltermann. In Zusammenarbeit mit der Logopädin Kirsten Harms aus Saerbeck, die zusätzlich zwei Jahre lang wöchentlich die erschlaffte Gesichts- und Schluckmuskulatur von Steffen Hunger trainiert hat, geht es dem nun wieder richtig gut.

Das beweist auch die jüngste Untersuchung im UKM MHS: Während der Kontroll-Magenspiegelung sieht Waltermann, dass die Speiseröhre seines Patienten wieder einen normalen Durchmesser erreicht hat. „Herr Hunger hat keine Schmerzen und Schluckbeschwerden mehr.“ Das kann Hunger bei seinem Termin im Krankenhaus schmunzelnd bestätigen: „Ich habe gestern sogar einen Döner gegessen“, zitiert das UKM MHS in seinem Bericht Steffen Hunger.

Und so wird er auch auf den kommenden Festen der Familie mitfeiern können. „Im Januar kommt unser Urenkel zur Welt. Und im März feiern wir Goldhochzeit“, erzählt Steffen Hunger und schaut seine Frau an, die ihn immer darin bestärkt hat weiterzukämpfen. „Wir beide! Ohne meine Frau hätte ich das nicht geschafft.“

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