Eröffnung der Ausstellung von Jörg Madlener in Bunker 2 des Bioenergieparks
Verschwinden der Existenz

Saerbeck -

Kunst und Bunker, das schloss sich bisher im Bioenergiepark in Saerbeck aus, obwohl die Idee dazu bereits seit seiner Eröffnung schwelte. Am Samstag war es endlich soweit. In Bunker 2 auf dem Gelände des Parks konnte die Ausstellung „Sandstorm & Kassandra“ von Jörg Madlener unter dem Motto „Es ist Zeit, dass es Zeit wird“ eröffnet werden. Der heutige Bioenergiepark der Klimakommune Saerbeck war bis vor zehn Jahren ein Munitionsdepot der Bundeswehr.

Montag, 09.09.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 09.09.2019, 13:38 Uhr
Bilder an Bunkerwänden mit (von links) dem Künstler Jörg Madlener, Bürgermeister Wilfried Roos, Prof. Dr. Johannes Wessels (Rektor der WWU Münster), Kurator Dr. Olaf Mückain, Dr. Wilhelm Bauhus (AFO der WWU Münster) und Günter W. Denz (Verein Deutsche Sprache).
Bilder an Bunkerwänden mit (von links) dem Künstler Jörg Madlener, Bürgermeister Wilfried Roos, Prof. Dr. Johannes Wessels (Rektor der WWU Münster), Kurator Dr. Olaf Mückain, Dr. Wilhelm Bauhus (AFO der WWU Münster) und Günter W. Denz (Verein Deutsche Sprache).

Madlener, der 1939 in Düsseldorf geboren wurde und familiäre Kontakte ins Münsterland hat, erfuhr in New York, seinem jetzigen Lebensmittelpunkt, aus der Zeitung von der Existenz der Bunker in Saerbeck. Seit Jahren beschäftigt er sich in seiner Malerei mit den Themen Krieg und Zerstörung. Erfolgreich nahm Madlener Kontakt auf zur Gemeinde Saerbeck und zu Günter W. Denz , Regionalleiter des Vereins Deutsche Sprache ( VDS ), um seine Bilder zum Irak-Krieg in Saerbeck zeigen zu können. Denz konnte auch Anna Stern für eine Lesung in der Ausstellung gewinnen.

„Wir sind froh und glücklich, dass wir in Jörg Madlener einen passenden Künstler gefunden haben“, betonte Roos. Auch Dr. Wilhelm Bauhus, Leiter der Arbeitsstelle Forschungstransfer (AFO) der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster, freute sich zusammen mit WWU-Rektor Prof. Dr. Johannes Wessels über die neue und ganz andere Nutzung des Ortes, in dem normalerweise Seminare der AFO stattfinden. Madlener konnte als Kurator seiner Ausstellung Dr. Olaf Mückain , Leiter der Museen Worms, gewinnen.

Noch typischer für Saerbeck als die Ex-Bunker im Bioenergiepark: Der „Hausfreund“-Kräuterlikör, den Jörg Madlener (rechts) bei der Vernissage von Bürgermeister Wilfried Roos bekam

Noch typischer für Saerbeck als die Ex-Bunker im Bioenergiepark: Der „Hausfreund“-Kräuterlikör, den Jörg Madlener (rechts) bei der Vernissage von Bürgermeister Wilfried Roos bekam Foto: Elvira Meisel-Kemper

Von 2003 bis 2005 entstand der Zyklus „Sandstorm the first five days of the war“ nach Fotos des gerade entflammten Irak-Kriegs aus der New York Times. 2010 malte Madlener seinen Zyklus „Kassandra“ nach der gleichnamigen Erzählung von Christa Wolf. „Die Bilder sind typisch für Jörg Madlener. Sie zeigen nicht nur das Leben, sondern auch das Leiden“, so Mückain während der Ausstellungseröffnung am Freitag. Diffus setzte Madlener die Fragmente eines Menschen, der am Boden liegt, in das Zentrum der Bilder. Details sind nicht klar erkennbar, sondern in der Atmosphäre eines Sandsturms verwischt. Ein kleiner schwarzer Schatten im Hintergrund des Bildes interpretierte Mückain als den Gegner, der den Soldaten getötet haben könnte. „Madlener stellt das Verschwinden der Existenz dar und nicht die Flüchtigkeit des Moments“, ergänzte Mückain.

Die Gemälde des Kassandra-Zyklus sind kleinformatiger und farblich anders. Vor schwarzem Grund stellt Madlener die Formen der zunehmenden Verwirrung der Seherin aus dem antiken Troja dar, die über dem Trojanischen Krieg verzweifelte.

Genau da war die Schnittstelle, denn Kriege, die auf Lügen basieren, gibt es bis heute. Nicht umsonst beschäftigte sich Madlener mit dem Syrien-Krieg in einem neuen Zyklus, der am 18. Oktober erstmals in Brüssel gezeigt wird. Auch das war Motivation für Jörg Madlener, in seine Saerbecker Ausstellung den als Flüchtling nach Saerbeck gekommenen, syrischen Künstler Alaa Nasser ab 27. September zu integrieren.

Termine und Veranstaltungen

Die Ausstellung in Bunker 2 im Bioenergiepark, Riesenbecker Straße, ist bis Samstag, 5. Oktober, zu den Öffnungszeiten des BEP und samstags und sonntags von 10 bis 16 Uhr zu sehen. Weitere Veranstaltungen im Rahmen der Ausstellung in Bunker 2: Samstag, 14. September, 19 Uhr, Anna Stern liest aus „Lux Aeterna“. Am Samstag, 21. September, 19 Uhr, hält der Künstler Jörg Madlener einen Vortrag zum Thema „Der Fall des Ikarus“. Am Freitag, 27. September, 19 Uhr, ist die Vernissage „Dialog“ mit Bildern des in als Flüchtlingin Saerbeck angekommenen Syrers Alaa Nasser und von Jörg Madlener. Samstag, 5. Oktober, 19 Uhr,: Finissage.

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