Emotionsgeladener Justus Frantz begeistert im voll besetzten Bürgerhaus
Mozart, Paris und eine Katastrophe

Saerbeck -

Mozart in Paris: Das ist der historische Hintergrund eines bezaubernden Abends im Bürgerhaus, zu dem Weltklasse-Pianist Justus Frantz zum inzwischen sechsten Mal nach Saerbeck gekommen ist.

Samstag, 23.11.2019, 13:00 Uhr aktualisiert: 25.11.2019, 15:57 Uhr
Kein altehrwürdiger Professor: In herzblutrotem Jackett kam der 75-Jährige auf die Bühne und spielte am Klavier.
Kein altehrwürdiger Professor: In herzblutrotem Jackett kam der 75-Jährige auf die Bühne und spielte am Klavier. Foto: Hans Lüttmann

Mozart wurde 35 Jahre, zehn Monate und neun Tage alt. Davon ist er zehn Jahre, zwei Monate und acht Tage auf Reisen. Reisen ist im 18. Jahrhundert nur selten ein Vergnügen. Immer wieder bleiben Kutschen im Morast stecken, Achsen brechen auf holprigen Straßen, Wegelagerer lauern im Gebüsch. Aber im Herbst 1777 macht sich der 21-jährige Wolfgang Amadeus trotzdem mit seiner Mutter auf den Weg nach Paris – wo die hoffnungsfroh begonnene Promotion-Tour in einem totalen Desaster endet.

Das ist der historische Hintergrund eines bezaubernden Abends im Bürgerhaus, zu dem Weltklasse-Pianist Justus Frantz zum inzwischen sechsten Mal nach Saerbeck gekommen ist. Und dann schlurft da kein altehrwürdiger Professor in beerdigungsschwarzem Frack auf die Bühne im voll besetzten Bürgerhaus, sondern ein sehr agil und emotionsgeladener 75-Jähriger in herzblutrotem Jackett, nachtblauer Hose und modischen Sneakern, setzt sich an den Flügel – und erzählt erst mal. Von Mozarts Reise, von dessen delikaten Liebschaften unterwegs, schrulligen Zukunftsplänen und Vaters brieflich überbrachtem Zorn, weil Mozart junior vor lauter Schmetterlingen im Bauch vergisst, dass er doch auf dem Weg zu einer großen Karriere am Hofe von Versailles ist.

Aber natürlich beglückt Justus Frantz seine Zuhörer auch mit drei wunderbaren Sonaten, die Mozart auf der Reise nach Paris geschrieben hat. „Für mich immer wieder wie beim ersten Mal“, schwärmt Frantz und versinkt im Allegro der „Reisesonate“, wie er das F-Dur-Stück nennt, ganz große musikalische Architektur, mit der Mozart vor allem Marie Antoinette beeindrucken wollte.

Beeindrucken wollte er aber auch die Pariser Musikwelt, wollte wichtige Leute kennenlernen, wollte dort ein Star werden. Aber die Reise endet mit einer Katastrophe: „Paris ist ein unbeschreiblicher Dreck“, die Mutter wird im kalten Hotelzimmer krank und stirbt, und Mozart reist tieftraurig, enttäuscht und ernüchtert nach Salzburg zurück.

Die Zuhörer in Saerbeck aber sind ganz beseelt von Justus Frantz’ Interpretation, seiner Virtuosität, seinem tiefen Verständnis für die Musik Mozarts, den er beinahe ehrfürchtig „einen vom Himmel gefallenen Engel“ nennt. Und auch mit dem schiefen Mozart-Bild aufräumt, das viele aus Milos Formans „Amadeus“-Film kennen, in dem Wolfgang Amadeus sich als pausenlos giggelnder Kindskopf durch Wien klamaukt.

Nach dem Konzert erfüllte Justus Frantz Autogrammwünsche.

Nach dem Konzert erfüllte Justus Frantz Autogrammwünsche. Foto: Hans Lüttmann

Mit Chopins melancholischer „Tristesse“ als Zugabe verabschiedete sich der sympathische Gast (der wieder nicht vergisst, für sein Friedensengagement in Israel zu werben) und kündigte noch Großes an, nicht weniger als seinen Traum, den er seit seinem ersten Auftritt in Saerbeck hegt: „Einmal mit meiner Philharmonie der Nationen bei euch im Bioenergiepark spielen – das, lieber Bürgermeister Roos, sollten wir doch nächstes Jahr hinkriegen!“

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