Bürgermeister Wilfried Roos über Politiker in der Steuerungsrunde und Klimakommune 2.0
„Würde Posten zur Verfügung stellen“

Saerbeck -

Ist es eine gute Idee, die Steuerungsrunde der Klimakommune künftig auch mit Politikerin zu besetzen? Die Ratsfraktionen,die einen Vertreter entsenden sollen, können sich mit dem Vorschlag noch nicht so richtig anfreunden.

Samstag, 08.02.2020, 07:18 Uhr aktualisiert: 09.02.2020, 15:30 Uhr
Im Rahmen von Klimakommune 2.0 steht für Saerbeck unter anderem eine Verkehrswende an. Hierfür soll unter anderem auf den Treibstoff Wasserstoff gesetzt werden. Die Verwaltung ist derzeit in Verhandlungen mit einem Produzenten, der sich mit seiner Firma im Gewerbegebiet Nord II niederlassen will.
Im Rahmen von Klimakommune 2.0 steht für Saerbeck unter anderem eine Verkehrswende an. Hierfür soll unter anderem auf den Treibstoff Wasserstoff gesetzt werden. Die Verwaltung ist derzeit in Verhandlungen mit einem Produzenten, der sich mit seiner Firma im Gewerbegebiet Nord II niederlassen will. Foto: Bmw

Zwei Mal – im Klimaausschuss und jetzt auch im Rat – wurde die Entscheidung, die Steuerungsrunde, die die Klimaschutzarbeit der Kommune vorantreiben soll, mit Vertretern aus den Ratsfraktionen zu besetzen, vertagt. In der Ratssitzung am Mittwoch zog Bürgermeister Wilfried Roos die entsprechende Vorlage vorerst zurück, kündigte gleichzeitig aber an, den Vorschlag in der nächsten Beratungsrunde wieder auf die Tagesordnung zu stellen. Warum ist es eine gute Idee, eine Runde, die Ziele und Konzepte entwickeln und damit rein inhaltlich arbeiten soll, mit Politikern zu besetzen? Katja Niemeyer , Redakteurin dieser Zeitung, sprach mit Bürgermeister Wilfried Roos.

 

Die Gründe für die Einbeziehung der Politik in die Arbeit der Steuerungsrunde klingen plausibel. Dennoch tun sich die Fraktionen bislang schwer mit einer Entscheidung. Wie wollen Sie sie überzeugen?

 

Roos: Einige Ratsmitglieder scheinen die Rolle der politischen Vertreter in der Steuerungsrunde noch nicht klar vor Augen zu haben. Auch deshalb habe ich in der Ratssitzung am Mittwoch den Vorschlag beziehungsweise die Vorlage zurückgezogen. In der nächsten Beratungsrunde steht der Antrag aber wieder auf der Tagesordnung.

Sie werden nicht müde zu betonen, dass die Steuerungsrunde rein inhaltlich arbeiten und keinesfalls politisiert werden soll. In einer ersten Reaktion auf die Vorlage beanspruchte die CDU-Fraktion indes mit Hinweis auf den Parteienproporz, zwei statt einen Vertreter entsenden zu wollen.

 

Roos: Mittlerweile ist sie davon aber wieder ein Stück weit abgerückt, indem sie anregte, dass jede Fraktion zwar nur einen Vertreter entsendet, gleichzeitig aber auch der jeweilige Vorsitzende des Klimaausschusses an den Treffen der Runde teilnimmt. Das würde ich auch unterstützen.

Warum wollen Sie die Politik in die Arbeit der Steuerungsrunde einbinden?

 

Roos: Auch wenn ich nicht Politiker bin, ist bislang durch mein Amt als Bürgermeister gewährleistet, dass es eine Vernetzung zwischen der stark konzeptionell arbeitenden Runde, in der ich auch ehrenamtlich tätig bin, und den politischen Gremien gibt. Da ich bekanntlich bei der Kommunalwahl nicht mehr als Kandidat antrete für das Amt des Bürgermeisters, steht aktuell noch in den Sternen, ob mein Nachfolger die Arbeit in derselben Form weiterführt. Zudem bin ich ja auch Vorsitzender des Fördervereins Klimakommune. Einen Posten, den ich übrigens zur Verfügung stellen würde, sollte mein Nachfolger als Bürgermeister ein ehrliches Interesse an Klimaschutzthemen haben.

Worum geht es Ihnen genau, wenn Sie Kommunalpolitiker in die Runde einladen?

 

Roos: Kurz gesagt: Ich möchte sicherstellen, dass sie über die teils komplexen Themen informiert sind und man in den Ausschüssen nicht bei Adam und Eva anfangen muss.

Die Steuerungsrunde wurde vor zehn Jahren ins Leben gerufen für die Bewerbung im Wettbewerb um den Titel Klimakommune. Inzwischen ruht die Arbeit. Wer war damals in der Runde vertreten?

 

Roos: Vor allem Experten wie Prof. Christof Wetter von der FH Münster und zum Beispiel der Leiter des Bauamtes. Wer im Einzelnen in der neuen Runde ist, wird noch entschieden. Der Bauamtsleiter ist sicher dabei.

Auf die Runde wartet jede Menge Arbeit. Im Rahmen der Klimakommune 2.0 sollen die Verkehrs- und die Wärmewende angegangen werden.

 

Roos: Sehr viel Grundlagenarbeit wurde ja bereits geleistet. Wir denken und handeln wie eine Klimakommune. Die Stromwende haben wir ja auch schon geschafft. Für die neuen Ziele sind weitere Anstrengungen erforderlich.

Welche zum Beispiel?

 

Roos: Die Eigenversorgung mit erneuerbaren Energien muss zum Beispiel steigen. Neubaugebiete würden deshalb künftig nicht mehr ans Gasnetz angeschlossen, sondern mittels Geothermie mit Wärme versorgt. Eine Idee ist derzeit, dass für – sagen wir – 50 Häuser eine gemeinsame Wärmepumpe errichtet wird. Daran arbeitet bereits das Bauamt.

Was ist für die Mobilitätswende angedacht?

 

Roos: Gut möglich, dass Saerbeck neben E-Mobilität verstärkt auf Wasserstoffantriebe setzt. Für das Gewerbegebiet Nord II liegt die Bewerbung eines Wasserstoffproduzenten vor, der Interesse an einer 35 000 Quadratmeter großen Fläche hat. Geplant wäre in dem Zusammenhang auch der Bau einer Wasserstofftankstelle und außerdem extrem leistungsstarker Ladesäulen für E-Autos. Wichtig ist, dass wir in Saerbeck weiterhin ganzheitlich denken. Damit sind wir immer gut gefahren.

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