Jürgen Zepp hat die Schlüsselgewalt für das Korn-Brennerei-Museum
Likörchen hinter verschlossenen Türen

Saerbeck -

Hinter den alten, knarzenden Türen des Korn-Brennerei-Museums befinden sich – wie könnte es auch anders sein – jede Menge Fläschchen und Fässchen mit Hochprozentigem. Für die Serie Schlüsselfiguren hat Jürgen Zepp vom Heimatverein die Schlüssel zu Büro, Lager und Keller geöffnet.

Donnerstag, 13.02.2020, 06:30 Uhr
Jürgen Zepp, Vorstandsmitglied des Heimatvereins, bewahrt die Schlüssel des Korn-Brennerei-Museums in einem alten Schrank auf, der eine Leihgabe der St.-Georg-Kirche ist.
Jürgen Zepp, Vorstandsmitglied des Heimatvereins, bewahrt die Schlüssel des Korn-Brennerei-Museums in einem alten Schrank auf, der eine Leihgabe der St.-Georg-Kirche ist. Foto: Katja Niemeyer

Jürgen Zepp kennt sich aus mit rechts- und mit linksdrehenden Schlössern. Er weiß um den Nutzen von Schlössern längst vergangener Zeiten. Und vor Kurzem hat er erfahren, was es mit einem Panikschloss auf sich hat. Das Vorstandsmitglied des Heimatvereins hat die Schlüsselgewalt für das Korn-Brennerei-Museum.

Natürlich haben auch andere Mitglieder Zugang, Jürgen Zepp verwaltet aber die gesamte Sammlung, weiß, wer einen Schlüssel hat und bei welchen Türen der dazugehörige Schlüssel im Laufe der Geschichte des denkmalgeschützten Hauses verloren ging.

Der 65-Jährige, der für den Heimatverein die Kasse verwaltet, steigt die enge Treppe hinab in den Keller des Hauses. Dorthin, wo früher in drei großen Fässern zu Spitzenzeiten rund 6000 Liter reiner Alkohol deponiert wurden. Das Eisentor, das die begehrte Ware vor Dieben und unrechtmäßigem Handel schützen sollte, steht heute offen. Aber damals, so erzählt Jürgen Zepp, wurde es mit zwei Vorhängeschlössern verriegelt. „Ein Zollbeamter und der Eigentümer der Brennerei hatten jeweils einen Schlüssel. So wurde gewährleistet, dass das Tor nur in Gegenwart des jeweils anderen geöffnet werden konnte“, erläutert das Vorstandsmitglied des Heimatvereins.

Der Zoll hatte ein ureigenes Interesse daran, dass kein Alkohol floss, ohne dass der Staat Steuer kassieren konnte. Nach dem Branntweinmonopolgesetz von 1919 hatte nur der Staat das Recht, Alkohol herzustellen oder zu verkaufen. In dem Kellergewölbe erinnert heute noch die Uniform eines Zollbeamten an die Zeit.

Alte „Schätze“ verbergen sich auch hinter der Tür zu einem Raum des Museums, der im Verein nur Sakristei heißt. Darin: ein alter Schrank und ein Gemälde, das an die Toten des 1. Weltkriegs erinnert. Beides sind Dauerleihgaben der St.-Georg-Kirche. Sakristei und Schrank sind stets verschlossen. Jürgen Zepp holt den Schlüssel für den Vitrinenschrank hervor. Hinter den Glastüren stehen in Reih und Glied Alte Münsterländer, Feiner Korn und Kakao mit Nuss, um nur einige Sorten des breiten Sortiments zu nennen, das eine Schnapsbrennerei im Auftrag des Saerbecker Heimatvereins herstellt. Auf einem weiteren Regal stehen Zitronenlikör, Pfefferminzlikör und Aufgesetzter (mit Johannisbeeren) in Reserve.

Und auch hinter der nächsten Tür verbirgt sich Hochprozentiges, diesmal allerdings nicht abgefüllt in handelsüblichen Fläschchen, sondern in Plastikfässern. Wie Jürgen Zepp berichtet, handelt es sich um 34-prozentigen Lagerkorn, 25-prozentigen Frostschlehen und den 42-prozentigen Hausfreund. Der Vorrat lagert direkt neben Requisiten wie Pickelhaube und Kiepe. Die Holztür aus dem 19. Jahrhundert wurde nachträglich mit einem Schloss ausgerüstet. „Dieses schließt allerdings nicht rechts-, sondern linksherum“, macht der 65-jährige Rentner, der im Harz-Vorland aufgewachsen ist, auf eine Besonderheit aufmerksam.

Im Büro des Heimatvereins, dessen Mitglieder die frühere Korn-Produktionsstätte in den 1990er-Jahren aufwendig sanierten, befindet sich indes kein Tropfen Alkohol. Stattdessen aber jede Menge Bücher über Archäologie, Ahnenforschung, die plattdeutsche Sprache und die Geschichte des Westfälischen Bauernstandes.

Dass die jüngste Investition des Vereins – der Einbau eines sogenannten Panikschlosses – etwas mit den Schnäpschen und Likörchen zu tun hat, kann ausgeschossen werden. Es ist vielmehr aus Sicherheitsgründen vorgeschrieben und verschafft Menschen in Notsituationen einen ungehinderten Weg nach draußen, auch wenn die Tür verschlossen ist – und zwar ohne Schlüssel.

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