„Foodsaver“ aus Saerbeck
Mit WhatsApp Lebensmittel retten

Saerbeck -

In Saerbeck hat sich jetzt eine Foodsharing-Gruppe gegründet. Initiatorin ist Anna Hegemann. Sie findet, dass viel zu viele Lebensmittel weggeworfen werden. Und steht damit ganz offensichtlich nicht allein da: Der Gruppe sind innerhalb von einer Woche 70 Food-Saver beigetreten, die sich per WhatsApp organisieren.

Freitag, 14.02.2020, 15:00 Uhr aktualisiert: 16.02.2020, 14:54 Uhr
Die Saerbeckerin Anna Hegemann möchte Lebensmittel vor der Mülltonne bewahren. Daher hat sie eine Gruppe für Saerbecker gegründet. Sie nennen sich „Foodsaver“.
Die Saerbeckerin Anna Hegemann möchte Lebensmittel vor der Mülltonne bewahren. Daher hat sie eine Gruppe für Saerbecker gegründet. Sie nennen sich „Foodsaver“. Foto: Luca Pals

Ein Foto in die Gruppe senden, auf eine Antwort warten, Zeitpunkt und Treffpunkt abmachen und los geht`s: Zugegebenermaßen ganz so einfach und reibungslos geht es dann doch nicht immer. Aber so oder so ähnlich stellen es sich die Organisatoren der ersten Foodsharing-Gruppe aus Saerbeck vor: Anna Hegemann hat sie vor einer Woche gegründet – und kann schon nach kurzer Zeit von ersten Erfolgen berichten.

Aber zurück zum Anfang: „Unsere Gesellschaft schmeißt viel zu viele Lebensmittel weg. Damit muss Schluss sein.“ Wenn die Saerbeckerin über den Verbrauch von Lebensmitteln spricht, wird sie deutlich: Umweltschutz und Lebensmittelverschwendung – das sind Themen, mit denen sie sich selbstredend schon seit „einigen Jahren“ beschäftigt: „Durch die Umweltbewegung und die Präsenz der Themen in den Medien nimmt das Bewusstsein auch bei mir mehr und mehr zu.“

Kurze Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad, weniger Plastikmüll – all dies sind Maßnahmen, an die sich die zweifache Mutter halten will. „Viele reden, aber wir müssen auch handeln“ ist ihr Motto.

Aus diesem Grund gründete sie die Gruppe der Saerbecker „Foodsaver“ – innerhalb von 24 Stunden traten 30 Mitglieder bei, nach einer Woche sind es 70, Tendenz steigend: „Wir sind immer offen für neue Mitglieder. Davon kann es gar nicht genug geben.“ So war es dann auch eine „wunderbare Idee“, als ihre Cousine Nathalie Bäumer aus Brochterbeck die Idee übernahm – im Tecklenburger Ortsteil gibt es eine Gruppe mit ähnlichem Erfolg.

Die Saerbecker nennen sich aus gutem Grund „Foodsaver“: „Foodsharing ist ein geschützter Begriff“, erklärt Hegemann im Gespräch mit dieser Zeitung.

Ganz wichtig für sie: Der Lebensmitteltausch findet kostenlos statt: „Es geht nicht darum Geld zu verdienen. Wir wollen alle nur unseren Teil zur Nachhaltigkeit beitragen.“ Und das würde gut klappen: 90 Prozent der in der WhatsApp-Gruppe eingestellten Lebensmittel würden einen neuen Besitzer finden, Hegemann selber habe zuletzt Mandelmilch bekommen. Schöner Nebeneffekt am Rande: „Die Saerbecker lernen sich noch besser kennen und man kommt gut ins Gespräch“, schmunzelt Hegemann.

Verstärkt wurde der Gedanke nach Lebensmittelrettung auch durch ihre neun Monate alte Tochter Charlotte: „Wenn sie den Brei nicht mag, den wir ihr kaufen, müssen wir das wegschmeißen – das ist sehr schade.“

Natürlich ist Foodsharing über die Grenzen Saerbecks und Brochterbecks bekannt. Auf der offiziellen Internetseite präsentieren sich die Erfinder als Retter von „ungewollten und überproduzierten Lebensmitteln aus privaten Haushalten sowie kleinen und großen Betrieben“. Sie verstehen sich als bildungspolitische Bewegung und fühlen sich „nachhaltigen Umwelt- und Konsumzielen“ verpflichtet.

Seit 2012 besteht diese Initiative und wuchs mit zurzeit 200 000 registrierten Nutzern zu einer internationalen Bewegung in Deutschland, Österreich und der Schweiz an. Neben dem unentgeltlichen Lebensmittelwechsel ist der Organisation Unabhängigkeit und Werbefreiheit wichtig.

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