Archäologischer Fund
Ungewöhnliches Duo

Saerbeck -

Es sieht aus, als wären dem steinzeitlichen Menschen in der Gegend des späteren Saerbeck Werkstück und Werkzeug mitten in der Arbeit aus der Hand gefallen. Einzeln seien die Fundstücke „noch nicht so sensationell“, als Duo aber auf jeden Fall „ungewöhnlich“.

Dienstag, 25.02.2020, 17:56 Uhr aktualisiert: 25.02.2020, 18:02 Uhr
Geröllkeule und Bohrwerkzeug aus der Mittel-Steinzeit in der Ausstellung des Heimatmuseums betrachten hier (von links) Herbert Neise (ehrenamtlich Beauftragter für Bodendenkmalpflege in Saerbeck), Jürgen Gaffrey (LWL-Archäologie für Westfalen) und Fred Wieneke (im Rathaus zuständig für das Heimatmuseum).
Geröllkeule und Bohrwerkzeug aus der Mittel-Steinzeit in der Ausstellung des Heimatmuseums betrachten hier (von links) Herbert Neise (ehrenamtlich Beauftragter für Bodendenkmalpflege in Saerbeck), Jürgen Gaffrey (LWL-Archäologie für Westfalen) und Fred Wieneke (im Rathaus zuständig für das Heimatmuseum). Foto: Alfred Riese

Es sieht aus, als wären dem steinzeitlichen Menschen in der Gegend des späteren Saerbeck Werkstück und Werkzeug mitten in der Arbeit aus der Hand gefallen. Einzeln seien die Fundstücke „noch nicht so sensationell“, als Duo aber auf jeden Fall „ungewöhnlich“. So ordnet Jürgen Gaffrey , Archäologe beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), ein, was seit Kurzem in einer Vitrine im Saerbecker Heimatmuseum zu sehen ist.

Der Handwerker der Mittelsteinzeit (8000 bis 4000 vor Christus) hatte in der Gegend des heutigen Süd-hoek begonnen, mit einem Feuerstein einen eiförmigen, etwa 8,5 Zentimeter durchmessenden Granitstein anzubohren. Werkzeug und Werkstück fanden die LWL-Archäologen vor einigen Jahren im Untergrund einer Entsandung. Zuvor schon hatte Herbert Neise dort etliche alt- und jungsteinzeitliche Funde geborgen. Der pensionierte Geschichtslehrer an der Maximilian-Kolbe-Gesamtschule (MKG) ist ehrenamtlich Beauftragter für Bodendenkmalpflege in Saerbeck. Seine Funde am Südhoek ließen dieses Gebiet für die LWL-Archäologie lohnenswert erscheinen.

Und tatsächlich stießen die Profis aus Münster auf das, was einmal eine Geröllkeule hätte werden sollen, und zusätzlich auf das steinzeitliche Werkzeug. „Ein wichtiger Fund“, meinte Jürgen Gaffrey, als er kürzlich zusammen mit seiner Kollegin Birgit Mecke die Dauerleihgabe des Heimatvereins zurückbrachte. Beim LWL verbleibt ein 3D-Scan.

Im Heimatmuseum unterm Dach der Alten Dorfschule liegt das unvollendete Zeugnis uralter Handwerkstechnik nun in einer Vitrine. Als nächstes hätte der steinzeitliche Mensch die andere Seite angebohrt, immer mit Sand als Hilfsmittel, erklärte Jürgen Gaffrey. Dann wäre ein Bohrstab zum Einsatz gekommen. „Die technischen Fähigkeiten der frühen Menschen werden gar nicht richtig gewürdigt“, merkte Herbert Neise an. Saerbeck habe sich dabei als „Fundgrube von der Altsteinzeit bis zum Hochmittelalter“ erwiesen. Aktuell gebe es Funde aus einem Gräberfeld und einer Siedlung der Bronze- und der Eisenzeit, erklärte Jürgen Gaffrey. Vieles hat Herbert Neise im Laufe der Jahre auch als Notbergungen unter Zeitdruck gesichert.

Für Josef Berkemeier vom Heimatverein ist die sich daraus ergebende „umfangreiche Präsentation und Sammlung im Heimatmuseum für das Münsterland eine Besonderheit“. Für den Bodendenkmalpfleger Neise allerdings „quillt das Archiv in Saerbeck über“. Die LWL-Archäologen kamen deshalb nicht nur mit der Geröllkeule, sondern fuhren dann mit etlichen Kartons voller prähistorischer Artefakte fürs Archiv zurück.

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