Drei Corona-Infizierte im Saerbecker Rathaus
Bürgermeister-Test war negativ

Saerbeck -

Sechs Corona-Infizierte in Saerbeck. Drei im Rathaus. Damit muss man fertig werden. Wir sprachen mit Bürgermeister Roos.

Dienstag, 24.03.2020, 08:22 Uhr aktualisiert: 24.03.2020, 08:30 Uhr
Bürgermeister Roos muss im Moment mit wenigen Leuten im Rathaus auskommen. Und viele Termine für die Klima-Gemeinde sind auch gestrichen.
Bürgermeister Roos muss im Moment mit wenigen Leuten im Rathaus auskommen. Und viele Termine für die Klima-Gemeinde sind auch gestrichen. Foto: Alfred Riese

In diesen Zeiten muss man ja beim Telefonieren auf Kleinigkeiten achten. Zum Beispiel auf das Schuhtrippeln, wenn die Vorzimmer-Mitarbeiterin von Bürgermeister Wilfried Roos nachgucken geht, ob der Chef gerade Zeit hat. Trippeln, das heißt: Roos ist im Büro. Und nicht, wie derzeit die Hauptmannschaft seines Rathauses, im Home Office.

Das ist doch mal was. Schließlich sind mittlerweile drei Rathaus-Mitarbeiter wegen einer Covid-19-Infektion in Quarantäne. Plus – in ganz Saerbeck – rund 45 Bekannte, Kollegen und Familienangehörige, die ihr Quarantäne-Los teilen, ohne erkennbar erkrankt zu sein. Laut dem Kreis Steinfurt gab es – stand Montagmorgen – in der Energiegemeinde nachgewiesen sechs Infizierte.

Quarantäne für nicht-infizierte Rathausmitarbeiter endet Freitag

Nachdem der erste Mitarbeiter seine Infektion bekannt gab, hat sich Wilfried Roos selbst testen lassen. Vergangenen Mittwoch kam für ihn die Entwarnung: „Mein Arzt meinte, alles ist in Ordnung, ich soll mich nur nicht anstecken lassen.“

Die Handlungsfähigkeit der Verwaltung ist derzeit extrem wichtig. Immer, wenn vom Kreisgesundheitsamt Covid-19-Betroffene oder Menschen aus deren Umfeld zur Quarantäne aufgefordert werden – das geschieht per Telefon – muss die Gemeindeverwaltung nachliefern.

Sie erklärt den Betroffenen schriftlich und per Verordnung, was zu tun und zu lassen ist. Was den Bürgermeister dabei berührt: „Die Solidarität unter den Bürgern ist sehr groß – bis auf wenige Ausnahmen.“

Die Quarantäne für die nicht-infizierten Rathausmitarbeiter läuft am kommenden Freitag aus. Da das Rathaus derzeit auch häufiger am Wochenende arbeitet, könnten sie dann schon bei Bedarf am Samstag wieder eingesetzt werden.

Informations- und Austauschbereich still gelegt

Sorgen macht sich Roos um die heimische Wirtschaft. „Je kleiner die Geschäfte sind, je härter wird es sie treffen“, ist er sicher. Gestern habe er noch eine Mitteilung von der Besitzerin eines Dienstleistungsunternehmens bekommen. „Sie fürchtet um ihre Existenz.“

In der Vorzeige-Gemeinde Saerbeck ist derzeit auch der gesamte Informations- und Austauschbereich still gelegt. „Ich weiß nicht, wie viele Führungen wir gehabt hätten“, sagt Roos, „alles abgesagt. Auch der Lernstandort ist stillgelegt.“

Gut gelungen ist für den Bürgermeister das Experiment mit den Home-Office-Plätzen. Die überwiegende Mehrheit der Rathaus-Mitarbeiter jobbt derzeit vom heimischen Büro aus. Eine Reihe von Mitarbeitern habe bereits VPN-Tunnel gehabt. Das sind sichere Datenverbindungen von externen Geräten zu zentralen Servern. „Und wir haben noch mehr solche Tunnel gegraben“, sagt Ross. Damit konnte man nicht nur Mitarbeiter weiter beschäftigen, die in häuslicher Quarantäne leben mussten, weil sie Kontakt zu Infizierten hatten. Schon vorab hatte man eine etliche Mitarbeiter mit Vor-Erkrankungen nach Hause geschickt. Sie gehören zu denjenigen, die vom neuartigen Corona-Virus am meisten bedroht sind.

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