Gundo Diedrichs Credo:
„Einfach nicht unterkriegen lassen“

Saerbeck -

Gundo Diedrich hat viel mitgemacht in seinem Leben: Krieg, Flucht, Hunger und Kälte. Seinen Lebensmut und seine Gelassenheit hat der 83-Jährige dabei aber nicht verloren. Unserer Zeitung hat der gebürtige Danziger eindrücklich seine Geschichte erzählt.

Donnerstag, 30.04.2020, 06:07 Uhr aktualisiert: 04.05.2020, 13:56 Uhr
2016 feierten Annedore und Gundo Diedrich ihre Goldhochzeit mit Sohn Markus und Tochter Claudia.
2016 feierten Annedore und Gundo Diedrich ihre Goldhochzeit mit Sohn Markus und Tochter Claudia. Foto: privat

Gelassen, in sich ruhend, weit blickend und um die eigene Besonnenheit wissend: Mit diesen nicht immer alltäglichen Tugenden – und einem großen Schatz an Erfahrungen – geht Gundo Diedrich die Dinge an. Und vermittelt dabei auch ein gutes Stück Sicherheit und Vertrautheit dort, wo viele gerade ein wenig verunsichert an ihre Zukunft denken. „Natürlich ist diese Zeit für uns bedrückend. Aber wissen Sie – der Mensch braucht gar nicht so viel zum Leben“, sagt der 83-Jährige mit seiner ruhigen und für sein Alter dennoch lebhaften Stimme. „Man darf sich halt einfach nicht unterkriegen lassen.“

Diese positive, immer nach vorne gerichtete Grundsteinstellung verwundert dann doch im ersten Augenblick, denn momentan sind es ja gerade die älteren Mitbürger, die aufgrund der aktuellen Krise in Gefahr geraten sind. Für den gebürtigen Danziger gilt das allerdings nur zum Teil.

Diedrich hat so viel erlebt in seinem langen Leben, derart viele Entbehrungen er- und durchleben müssen, dass er durchaus Respekt vor der Corona-Pandemie und ihren Folgen hat, damit jedoch sehr besonnen umgeht. „Uns geht es doch wirklich gut in Saerbeck, wir sind genügsam und können das mit der Zeit ganz gut abblocken.“

Das war nicht immer so, denn als Kind und auch danach hat der ehemalige Kaufmann viel erlebt. Im Alter von acht Jahren musste der jetzige Saerbecker von Danzig aus nach Dänemark flüchten, landete später in Lübeck und gründete dort eine Familie. Jahre danach verschlug es ihn mit seiner Frau und seinen beiden Kindern nach Laggenbeck, später nach Recke und vor fünf Jahren nach Saerbeck, wo er nun ein schönes Zuhause gefunden hat. In eindringlichen und teils dramatischen Worten schildert Gundo Diedrich seine ganz persönliche Flucht (siehe Text auf dieser Seite) und erinnert sich dabei an Hunger und Kälte im Jahr 1945, als der Zweite Weltkrieg endete. Dieses Ereignis jährt sich am 8. Mai zum 75. Mal.

„So etwas vergisst man ja nicht. Auch nicht nach so langer Zeit“, sagt der heute 83-Jährige, den die Kindheit gestählt, aber nicht hart gemacht hat. Immer wieder spricht Diedrich vom Frieden, den es zu erhalten gelte. Und von Schicksalsschlägen, die ihn lange Jahre begleiteten.

So war die Zeit als Kaufmann in Lübeck zwar eine erfolgreiche, doch die Jahre der Kindererziehung sicher keine einfachen, zumal Sohn Markus als Autist zur Welt kam. Doch auch nach dem Wohnortwechsel nach Ibbenbüren und Recke rappelten sich Gundo Diedrich und seine Frau Annedore auf, erschufen sich dort eine neue Existenz und genießen nun den Ruhestand in der Gemeinde Saerbeck.

„Dort geht es uns sehr gut. Wichtig ist einfach, sich den Respekt vor den Menschen zu erhalten“, weiß der 83-jährige Rentner.

Worte wie in Stein gemeißelt, eigentlich wie geschaffen, um aufgeschrieben zu werden. Für Gundo Diedrich aber einfach eine Lebensphilosophie, die er sich in all den Jahren erhalten hat.

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