Der erste Gottesdienst in der evangelischen Gemeinde
Der Lobgesang ist noch zu ansteckend

Saerbeck -

Am kommenden Sonntag kehrt auch in der Saerbecker evangelischen Kirche die Normalität von Gottesdiensten zurück. In der Gustav-Adolf-Kirche in Emsdetten hat die Gemeinde das am vergangenen Wochenende schon geübt: Den etwas anderen Gottesdienst.

Dienstag, 19.05.2020, 08:11 Uhr aktualisiert: 19.05.2020, 08:40 Uhr
Pfarrerin Gudrun Bamberg (kl. Foto) kann in der evangelischen Kirche wieder leibhaftige Besucher begrüßen
Pfarrerin Gudrun Bamberg (kl. Foto) kann in der evangelischen Kirche wieder leibhaftige Besucher begrüßen Foto: Alfred Riese

Wenn Gudrun Bamberg aufatmen kann, dann liegt das auch daran, dass evangelische Gottesdienste selten Massenveranstaltungen sind. „In der Saerbecker Arche haben wir 11 Sitzorte. Das reicht für 17 bis 23 Leute“, sagt die Pfarrerin und ergänzt: „Es ist nicht ganz so schlimm, wie ich dachte.“

Am kommenden Sonntag kehrt auch in der Saerbecker evangelischen Kirche die Normalität von Gottesdiensten zurück. In der Gustav-Adolf-Kirche in Emsdetten hat die Gemeinde das am vergangenen Wochenende schon geübt: Den etwas anderen Gottesdienst.

Erstmal fehlten die Lob- und Preisgesänge. Bitter für evangelische Gemeinden, die so gern aus vollem Herzen singen. Jetzt gibt es per Orgel Vor- und Nachspiel, Psalmen, Tagesgebet und Predigt.

Beim Singen, hat die Corona-Forschung an einigen dramatischen Beispielen festgestellt, trägt es das Virus besonders weit. Da sind schon ganze Chöre angesteckt worden. Mit Todesfolgen.

Auch auf den körpernahen Friedensgruß verzichtet man, ebenso wie auf die Abendmahlfeier, zumindest bis Ende August. Davon, dass jeder vom Kelch nippt, wie es gerne gemacht wird, kann in diesen Zeiten nicht die Rede sein. Ohne Desinfektion geht nichts rund.

In der vergangenen Woche hat Gudrun Bamberg mit dem neuem Presbyterium das Sicherheitskonzept für die Kirchen der Gemeinde erarbeitet: „Das ging dann an den Superintendenten, der musste es den Ordnungsämtern vorlegen.“ Es sieht eine bestimmte Zahl von Sitzorten in der Kirche vor, die den ausreichenden Abstand zum Nächsten haben. In der Gustav-Adolf-Kirche waren es 20. Wenn Paare oder Familien die Kirche besuchen, passen dann maximal 30 Personen hinein.

Und wenn mehr kommen? Dann kann ein Gottesdienst angehängt werden, sagt Gudrun Bamberg. In Saerbeck etwa beginnt der Gottesdienst regulär um 18 Uhr, bei Bedarf würde gegen 18.30 Uhr ein zweiter Gottesdienst ergänzt. Zeiten sind das, die so gar nicht zu den oft langen evangelischen Feiern passen.

Noch kürzer waren in jüngster Zeit nur die Videos. Gudrun Bamberg hat mit der Jugendmitarbeiterin der Gemeinde ein Video in der Friedhofskapelle gedreht: „Einfachste Technik, es hallte etwas.“ Aber die Filme seien geguckt worden.

Neulich hatte sie ihre erste Pfarrkonferenz online: „Eine interessante Erfahrung.“ Eine, die möglicherweise Corona überlebt. Manchem im Kirchenkreis würde es lange Fahrten ersparen, sagt sie, wenn man Diskussionen ins Internet verlegen könnte. Auch wenn eine Videokonferenz das echte Leben nicht ersetzt: „Es gibt keine Pausengespräche.“

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