Ende der großen Pause: Wie die Gesamtschule auf coronagerechten Unterricht umgeschaltet hat
Im Pandemie-Modus

Saerbeck -

Seit vier Wochen findet in der Maximilian-Kolbe-Gesamtschule wieder Unterricht statt. Natürlich in der gewohnten Form, sondern mit Abstand und zahlreichen Reinigungen. Maarten Willenbrink, der die Schule kommissarisch leitet, hat ein Konzept erarbeitet, das ein rollierendes Verfahren beinhaltet. Jedem Schüler wurde eine Nummer zugeordnet, damit er stets auf dem richtigen Stuhl sitzt und sich in Pause in der richtigen Zone aufhält.

Donnerstag, 21.05.2020, 06:34 Uhr aktualisiert: 21.05.2020, 06:40 Uhr

Im Eingangsbereich baumelt ein großes Schild von der Decke: Bitte Masken tragen. Auf dem Fußboden kleben rot-weiße Stoppschilder mit einem Hinweis auf die geltende Abstandsregel von 1,5 Metern. Und im Sekretariat hat die 8d einen kleinen Verkaufsstand mit selbst genähten Masken aufgestellt. Die Maximilian-Kolbe-Gesamtschule hat sich komplett eingestellt auf die neue Zeit, in der alles dafür getan werden soll, um einen sprunghaften Anstieg der Corona-Infektionszahlen zu vermeiden.

Ein „gewaltiger Kraftakt“ sei das, stellt der kommissarische Schulleiter Maarten Willenbrink fest. Seit Anfang März, als das Kultusministerium des Landes die erste von mittlerweile 23 sogenannter Schul-Mails versendete, ist er im Pandemie-Modus. Wie viele Pläne er seither geschrieben hat, die innerhalb kürzester Zeit überholt waren und im Papierkorb landeten, kann er nicht sagen. Es müssen jede Menge gewesen sein. Immer wieder arbeitete sich der Pädagoge durch die Schul-Mails, in denen zum Beispiel beschrieben wird, wie Schulen sich auf die Wiederaufnahme des Unterrichts vorbereiten und welche Hygieneregeln eingehalten werden sollen.

Willenbrink teilte Klassen in Gruppen von nicht mehr als zehn Schülern. Er legte Wochenendschichten ein, schrieb Raumpläne, dividierte den Schulhof in Zonen und ordnete an, dass Türen und Fenster während des Unterrichts möglichst offen bleiben sollen. Dabei hielt er alle – Kollegen, Schüler und Eltern – per E-Mail auf dem Laufenden.

Statt – wie vor Corona – 1000 sind jetzt noch maximal 360 Schüler an einem Tag gleichzeitig in der Schule. Vor jeder Klassentür sind großformatige Pläne aufgestellt, auf denen jedem Schüler eine Nummer zugeordnet wird, damit er weiß, auf welchem Stuhl er Platz nehmen muss. Außerdem erfährt er darauf, wo er sich in der Pause aufhalten und welche Toiletten er aufsuchen darf.

Der Schulleiter ließ in aller Eile Hinweisschilder herstellen, bestellte Masken für das Kollegium und sprach mit der Gemeindeverwaltung Putzintervalle ab. Viele Räume werden einmal täglich gereinigt, einige sogar drei- oder viermal. Als sich herausstellte, dass die Räume im Schulgebäude nicht ausreichen für die anstehenden Abschlussprüfungen, wurden Bürgerscheune und Bürgerhaus bereitgestellt. Die Zehntklässler haben ihre Klausuren mittlerweile hinter sich. Die 13er sind noch im Prüfungsstress.

Vier Wochen ist es her, dass erstmals seit dem Lockdown wieder die ersten Schüler das Schulgebäude betraten. Inzwischen ist so etwas wie Routine eingekehrt in den Schulalltag. Das Schreiben der Stundenpläne, die immer wieder neu für die jeweiligen Jahrgangsstufen aufgestellt werden müssen, geht leichter von der Hand. Das rollierende Verfahren, bei dem die älteren Schüler vier Tage und die jüngeren zwei Tage am Stück zum Unterricht kommen, hat sich bewährt. Die Abstandsregeln haben die allermeisten verinnerlicht. Und auch die Masken sitzen fast immer richtig im Gesicht.

„Wir nehmen die Maßnahmen sehr ernst und wollen einen Beitrag dazu leisten, dass es zu keiner zweiten Infektionswelle kommt“, betont der kommissarische Schulleiter, der aber zugleich bis Ende Juni, wenn die Sommerferien beginnen, noch möglichst viel Unterricht stattfinden lassen will.

Wenn er dabei auf all die Schilder, Regeln, Putzkolonnen und Stundenpläne blickt, dann, so sagt er, „wirkt Schule schon fast gekünstelt“. Vor allem dann, wenn es außerhalb der Schule, in Läden, Cafés und auf der Straße lockerer zugeht. Kürzlich stand Willenbrink vor Schulbeginn am Busbahnhof, um ein Bild dafür zu bekommen, wie nah sich die Schüler beim Ein- und Aussteigen kommen. Was er zu sehen bekam, war nicht optimal, aber auch nicht besorgniserregend.

Was bleibt, ist die Unsicherheit. Für das neue Schuljahr, das nach den Sommerferien beginnt, schreibt der kommissarische Schulleiter derzeit Stundenpläne. Dabei tut er so, als hätte es nie eine Pandemie gegeben, sei nie der Unterricht wegen zahlreicher Vorsichtsmaßnahmen nur sehr eingeschränkt möglich gewesen. Auch an einem Terminplan arbeitet Willenbrink bereits. „Vieles kann sicherlich nicht so stattfinden wie sonst. Das ist allen klar“, sagt er. Das heißt aber auch nicht, dass er nicht auf alle Eventualitäten vorbereitet ist.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7417777?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F185%2F
Nachrichten-Ticker