Wie Bürgermeisterkandidaten und Parteien coronagerecht auf Stimmenfang gehen
Gebremster Wahlkampf

Saerbeck -

Das Coronavirus hat auch in Saerbeck den Wahlkampf ausgebremst, bevor dieser richtig Fahrt aufnehmen konnte. Am 13. September sollen Bürgermeister und Gemeinderäte neu gewählt werden. Ob und wie die Kandidaten bis dahin mit Wählern in Kontakt treten können, ist fraglich. Alternativ setzen sie jetzt auf digitale Formate.

Samstag, 23.05.2020, 06:28 Uhr aktualisiert: 23.05.2020, 06:30 Uhr
Bilder aus Vor-Corona-Zeiten: Heute muss ein Wahlkampf auf Abstand stattfinden.
Bilder aus Vor-Corona-Zeiten: Heute muss ein Wahlkampf auf Abstand stattfinden. Foto: Alfred Riese

Abgesagte Veranstaltungen und Abstandsregeln – Covid-19 hat auch die Wahlkampf-Pläne von Parteien und Bürgermeisterkandidaten durchkreuzt. Am 13. September sollen in den Kommunen des Landes Verwaltungschefs und Gemeinderäte neu gewählt werden. An dem Termin hält die NRW-Regierung bislang fest. Nur wie können die Kandidaten unter Corona-Bedingungen ins Gespräch kommen mit Wählern? Und wo können sie darüber informieren, wofür sie stehen?

Das Virus hat auch in Saerbeck den Wahlkampf ausgebremst, bevor dieser richtig Fahrt aufnehmen konnte, wie eine Umfrage unserer Zeitung unter Parteien und Bürgermeisterkandidaten ergeben hat. Fazit: Digitale Medien ermöglichen eine coronagerechte Kommunikation, ein echter Ersatz für Feste, Hausbesuche und Wahlkampfstände sind Facebook und Co. aber nicht.

Das hat sich Dr. Tobias Lehberg anders vorgestellt, als er sich dazu entschloss, sich als parteiloser Kandidat für das Amt des Bürgermeisters zur Wahl zu stellen. Kommunikation sei ihm am liebsten, wenn sie persönlich ist, hatte der Rechtsanwalt mit Spezialgebiet Energierecht im September vergangenen Jahres verlautbaren lassen, als er von SPD , Grünen und UWG offiziell vorgestellt wurde als gemeinsamer Kandidat. Dann kam Corona. Lehberg entwickelte für seine sechs Bürgerdialoge – die ersten beiden Veranstaltungen hatten noch analog vor Ort stattfinden können – ein Online-Format. Mit der Resonanz zeigt er sich zufrieden, stellt aber auch fest, dass sie eine „Kommunikation von Mensch zu Mensch“ nicht ersetzen können.

Auch Lehbergs Gegenkandidat Florian Bücker (CDU) hatte große Pläne für den Wahlkampf: Schützenfeste, Maibaum-Aufstellen und diverse andere, mittlerweile abgesagte Versammlungen standen in seinem Terminkalender. „Ich wollte mit möglichst vielen Menschen ins Gespräch kommen“, sagt Bücker. Stattdessen greift er jetzt auf soziale Medien zu: Für Facebook drehte er Live-Videos, in denen er Bürgern Rede und Antwort stand. Im Angebot hat der Ratsherr zudem die kostenlose „Florian-Bücker-App“, in der er viel über sich selbst und seine Ziele berichtet, aber auch zur Kontaktaufnahme einlädt. Über die Resonanz zeigt sich der gebürtige Saerbecker positiv überrascht. Allein das erste Video sei mehr als 900-mal aufgerufen worden, sagt er.

Auch die CDU-Vorsitzende Monika Schmidt bedauert, dass Wahlkampf derzeit nur unter erschwerten Bedingungen möglich ist. Zum einen muss ihre Partei auf Veranstaltungen wie das traditionelle Spielplatzfest am Teigelkamp verzichten. Zum anderen herrsche Unsicherheit darüber, was man den Menschen zumuten kann. „Wir wollen die Wähler nicht in eine unangenehme Situation bringen, weil sie vielleicht lieber Abstand halten wollen“, erläutert Schmidt. Konzepte für einen alternativen Wahlkampf seien in Arbeit, ergänzt sie, ohne ins Detail zu gehen. Eine Kostprobe liefert sie dann aber doch: Über Facebook will die Partei den Saerbecker „Bur­ger-Meister“ küren. Hierfür wurden 30 Grillzangen und noch viel mehr Brötchen verteilt. Mit den Utensilien sind die Teilnehmer des Wettbewerbs aufgerufen, Hamburger zu braten, ein Foto von dem Werk zu schießen und dieses einzureichen. Am 28. Mai wird der Gewinner bekanntgegeben.

Große Pläne für den Wahlkampf hatte auch die SPD. Grillfeste, Hausbesuche und Wahlstände standen auf dem Programm, berichtet der Vorsitzende Felix Wannigmann. „Wir wollten richtig angreifen“, gibt er sich kämpferisch.

Ähnlich stellt sich die Situation bei den Grünen dar. Ratsherr Joost Sträter erinnert daran, wie bei früheren Wahlkämpfen die Kandidaten durch ihre Bezirke zogen. Das sei aktuell in der Form nicht möglich. Den Kopf in den Sand stecken will er aber nicht: „Wir müssen dranbleiben“, glaubt er.

Nach Überzeugung der UWG-Fraktionsvorsitzenden Mechthild Lüggert ist insbesondere in kleinen Kommunen wie Saerbeck eine direkte Ansprache von Bürgern „sehr wichtig“. Diese könnten digitale Medien nur begrenzt ersetzen. Dennoch überarbeitet ihre Partei derzeit ihren Internetauftritt, um eine digitale Plattform für den Wahlkampf – und darüber hinaus – zu schaffen.

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