Bebauungsplan „Alter Reiterhof“: Bürgermeister Wilfried Roos verärgert über Vertagung des Beschlusses
„Nichts mit sachlicher Arbeit zu tun“

Saerbeck -

So hatte Bürgermeister Wilfried Roos sich das nicht vorgestellt: Für die Aufstellung des Bebauungsplanes „Alter Reiterhof“ war nach seiner Überzeugung alles vorbereitet: Die Eigentümer des 15 Hektar großen Grundstückes, auf dem ein Neubaugebiet entstehen soll, sind verkaufsbereit. Und auch für einen neuen Standort für den Reitverein St. Georg hatte er gesorgt. Im Rat gibt es aber noch keine Mehrheit für den Plan.

Samstag, 27.06.2020, 06:33 Uhr aktualisiert: 28.06.2020, 17:41 Uhr
Aus dem Ottmann-Gelände, auf dem derzeit noch der Reitverein St. Georg beheimatet ist, soll nach dem Willen der Verwaltung ein Neubaugebiet werden.
Aus dem Ottmann-Gelände, auf dem derzeit noch der Reitverein St. Georg beheimatet ist, soll nach dem Willen der Verwaltung ein Neubaugebiet werden. Foto: Katja Niemeyer

„Damit würde ein Flächenbrand entstehen, der nicht mehr aufzuhalten ist.“ Mit derart starken Worten warb Bürgermeister Wilfried Roos in der Sitzung des Rates am Donnerstagabend dafür, den Bebauungsplan „Alter Reiterhof“ rasch auf den Weg zu bringen.

Die Mehrheit des Gremiums konnte er damit aber letztendlich nicht überzeugen. CDU und UWG sprachen sich dafür aus, die Entscheidung auf die nächste Ratssitzung Ende Juli zu vertagen. SPD und Grüne unterstützten den Verwaltungschef, unterlagen aber mit vier zu acht Stimmen.

Roos zeigte sich gestern auf Nachfrage deutlich verärgert über die Verzögerung, die die Entscheidung aus seiner Sicht für die Planung eines Neubaugebietes bedeutet. Das, sagte er, „hat mit sachlicher Arbeit nichts mehr zu tun“. Die Bemühungen der Verwaltung würden damit „ad absurdum geführt“.

Tatsächlich hatte Roos erfolgreich Verkaufsgespräche mit den Eigentümern des 15 Hektar großen Ottmann-Grundstücks am nordöstlichen Ortsrand geführt. Auch um einen möglichen neuen Standort für den Reitverein St. Georg, der auf der Hofstelle seit eh und je beheimatet ist und nun mit einer Beendigung des Pachtvertrages rechnen muss, hatte der Bürgermeister sich nach eigener Darstellung bemüht. In der Ratssitzung präsentierte er gleich drei mögliche Flächen im Außenbereich der Gemeinde, auf denen sich der Verein theoretisch niederlassen könnte. Mit den Eigentümern hatte der Bürgermeister bereits im Hintergrund Gespräche geführt. Diese seien, so versicherte er, allesamt verkaufsbereit.

Und auch bei der Bezirksregierung Münster war Roos nach eigenen Angaben vorstellig geworden. Auch dort stehe man dem Vorhaben demnach wohlwollend gegenüber. „Die Bezirksregierung hat für den Bau einer Reithalle im Außenbereich eine Genehmigung in Aussicht gestellt“, sagte er.

CDU und UWG reichte diese Zusage aber offenbar nicht. „Wir haben den Eindruck, dass die Existenz des Reitervereins dennoch nicht sicher ist“, sagte CDU-Ratsherr Florian Bücker. Und auch die UWG-Fraktionsvorsitzende Mechthild Lüggert sorgt sich nach ihren eigenen Worten weiterhin um die Zukunft des Vereins.

Die Vertagung der Entscheidung über den Start des Bebauungsplanverfahrens stößt bei dem Bürgermeister aber noch aus einem weiteren Grund auf Unverständnis. Seiner Überzeugung nach drängt die Zeit, weil möglichst bald die Mittel aus dem Förderprogramm „Moderne Sportstätte 2022“ beantragt werden müssen.

Der Inhalt des Topfes, der mit 300 000 Euro gefüllt ist, kann auf den Reitverein, den SC Falke und die Schießgruppe verteilt werden. Weil er einen neuen Standort aufbauen muss, ist aktuell insbesondere der Reitverein auf das Geld angewiesen. Es gebe verschiedene Finanzierungsmodelle, die aber allesamt einen nicht unerheblichen Zuschuss aus dem Förderprogramm beinhalten, erklärt dessen Vorsitzender Olaf Liebrecht auf Anfrage.

Die Entscheidung des Rates, mit der Aufstellung des Bebauungsplanes noch zu warten, begrüßt Liebrecht ausdrücklich. Denn derzeit sind die drei Saerbecker Sportvereine noch dabei, ein Gesamtkonzept für die Verwendung der Fördermittel zu erarbeiten. Bis Ende September soll dieses stehen. Darauf haben sie sich bereits verständigt. Dass bei dem Konzept die besondere Situation des Reitvereins berücksichtigt werde, bestätigt auch Matthias Ahmann in seiner Funktion als Vorstandssprecher des SC Falke. „Wir sind an einer einvernehmlichen Lösung interessiert“, sagte Ahmann, der auch CDU-Ratsherr ist, gestern im Gespräch mit dieser Zeitung.

Während CDU und UWG darin übereinstimmen, dass weiterhin ein tragfähiges und vor allem rechtsverbindliches Konzept für das Weiterbestehen des Reitvereins fehlt, stehen sie dem geplanten Neubaugebiet gegensätzlich gegenüber. So zweifelt UWG-Frau Lüggert grundsätzlich am Bedarf weiterer Wohnbauflächen. Sie will zunächst die Vermarktung des kürzlich in „Hanfteichweg“ umbenannten Neubaugebietes Eschgarten III abwarten. „Wir haben eine Liste mit rund 270 Bewerbern für Baugrundstücke“, hielt Roos ihr entgegen.

Das stellt auch Bücker nicht in Frage. „Wir sehen eindeutig einen Bedarf“, betonte der CDU-Ratsherr.

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