Neues Leitungsmodell in St. Georg
Durchdachtes Konzept, aber noch offene Fragen

Saerbeck -

Das Bistum Münster hat kürzlich ein neues Leitungsmodell für die St.-Georg-Gemeinde vorgestellt. Nachdem Pfarrer Peter Ceglarek im Ruhestand ist, stehen der Gemeinde nun ein pastoraler Leiter und ein Pfarrverwalter vor. Eine juristische Notlösung, die aber auch Vorteile hat. Einige Fragen sind aber noch nicht geklärt. Etwa die, wer jetzt dem Kirchenvorstand vorsteht.

Samstag, 18.07.2020, 06:16 Uhr aktualisiert: 18.07.2020, 06:20 Uhr
Dreier-Team: Pfarrer Ramesh, Pastoralreferent Werner Heckmann und Pater Hans-Michael Hürter betreuen künftig gemeinsam die 4500 Saerbecker Katholiken.
Dreier-Team: Pfarrer Ramesh, Pastoralreferent Werner Heckmann und Pater Hans-Michael Hürter betreuen künftig gemeinsam die 4500 Saerbecker Katholiken. Foto: Katja Niemeyer

Das neue Leitungsmodell für St. Georg – ein Experiment? Nein, mit diesem Begriff, der kürzlich bei der Vorstellung der Nachfolge von Pfarrer Peter Ceglarek auf Leitungsebene des Bistums Münster gefallen war, kann sich Werner Heckmann nicht arrangieren. Ein Experiment, stellt der Pastoralreferent fest, „das kann theoretisch auch scheitern“. Ein Fall, den er in der Saerbecker Pfarrgemeinde für schlicht undenkbar hält. Heckmann bevorzugt deshalb den Begriff Pilotprojekt. Dieser beinhalte, dass es sich bei dem Modell um eine Konstruktion handele, mit der die Pfarrgemeinde Neuland betritt. Bedenken, dass es nicht funktionieren könne, hat Heckmann ausdrücklich nicht.

Warum auch? Das Leitungsmodell hat aus Sicht des 62-Jährigen zahlreiche Vorteile. Der wohl wichtigste: Es hat verhindert, dass St. Georg mit einer anderen Pfarrgemeinde zusammengelegt wird, was nach seiner Überzeugung „einen erheblichen Verlust an Lebendigkeit“ zur Folge gehabt hätte. Angesichts eines akuten Priestermangels in der katholischen Kirche wäre eine Fusion ein durchaus denkbares Szenario gewesen.

Hochzeiten und Taufen Priestern vorbehalten

Und überhaupt kann man es auch als Auszeichnung ansehen, in dem Sinne, dass St. Georg ausgewählt wurde für das Pilotprojekt. Offensichtlich, schlussfolgert Heckmann, „ist man der Meinung, dass wir eine funktionierende Pfarrgemeinde sind, die die neuen Aufgaben stemmen kann“. Das sieht Pater Hans-Michael Hürter genauso. Er wird in St. Georg als Pfarrverwalter eingesetzt und nimmt aus der Bistumsleitung keinen bangen, wie er sagt, sondern einen „wohlwollenden und unterstützenden Blick“ in Richtung Saerbeck wahr.

Eine Notlösung ist das neue Leitungsmodell aber dennoch, wenn auch nur eine juristische. Denn das Kirchenrecht, das zuletzt 1983 modernisiert wurde, schreibt vor, dass eine Pfarrgemeinde nur von einem Priester geleitet werden kann. Nun ist Heckmann zwar fachlich geeignet, aber eben nicht geweiht, weshalb ihm – als Laie – liturgische Dienste untersagt sind. Wortgottesdienste darf er abhalten, ebenso wie Beerdigungen. Hochzeiten und Taufen sind aber zum Beispiel dem Priester vorbehalten.

Dem pastoralen Leiter Heckmann hat das Bistum deshalb mit Pater Hans-Michael Hürter aus der Lengericher Pfarrei Seliger Niels Stensen einen Pfarrverwalter zur Seite gestellt.

Neuland für den Pastoralreferenten

Ganz pragmatisch sieht dieser sich nach seinen eigenen Worten als „juristischer Ermöglicher“. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Mit Abwesenheit dürfte Hans-Michael Hürter beileibe nicht glänzen. „Ich werde auch vor Ort sein, Gottesdienste halten“, verspricht der Ordensmann, den langjährigen Saerbecker Pfarrer Ramesh in der Seelsorge und bei Gottesdiensten zu unterstützen.

Wenngleich, auch das macht der Pater deutlich, „das Gesicht von priesterlicher Seelsorge“, das sei für die gläubigen Katholiken künftig in erster Linie Pfarrer Ramesh. Anders als der bisherige Pfarrer Peter Ceglarek, der neben seelsorgerischen Aufgaben auch eine Verwaltung zu leiten hatte, könne dieser sich nun voll und ganz auf Seelsorge und Gottesdienste konzentrieren. Vielleicht auch ein Vorteil, wie Werner Heckmann bemerkt.

Und auch er muss sich in seinem letzten Dienstjahr auf Veränderungen einstellen. In weniger als einem Jahr geht der Pastoralreferent in den Ruhestand. Ein Jahr, in dem seine Rolle in der Pfarrgemeinde noch einmal ganz neu definiert wird und sein Verantwortungsbereich erheblich wächst. Als pastoraler Leiter ist er Dienstherr für die rund 30 Mitarbeiter des Pfarramtes und der beiden katholischen Kindergärten St. Georg und St. Marien. Das, gibt er, der bislang vor allem in der Kolpingsfamilie wirkte, unumwunden zu, „ist Neuland für mich“.

Wer übernimmt den Vorsitz des Kirchenvorstands?

Zeitgleich wird seine eigene Nachfolgerin eingearbeitet. Am 1. August tritt Anja Daut als künftige Pastoralreferentin ihren Dienst an. Angedacht ist darüber hinaus, die Stelle eines Verwaltungsreferenten zu schaffen. Auch, wie Werner Heckmann erläutert, um die Ehrenamtlichen zu entlasten. Nach Bekanntgabe des neuen Leitungsmodells war versprochen worden, sie nicht über Gebühr mit Arbeit zu überhäufen. Eine endgültige Entscheidung ist allerdings noch nicht gefallen.

Wie auch eine weitere Frage bislang unbeantwortet ist: Wer übernimmt den Vorsitz des Kirchenvorstands? Traditionell ist dieser Posten dem jeweiligen Pfarrer – zuletzt in Person von Peter Ceglarek – vorbehalten. Mit dem neuen Leitungsmodell kommen nun gleich mehrere Personen in Frage: der Pastoralreferent Werner Heckmann, Pfarrverwalter Hans-Michael Hürter und – auch das ist denkbar – Georg Teigeler, bisheriger zweiter Vorsitzender des Gremiums.

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