CDU-Bürgermeisterkandidat Florian Bücker über digitalen Wahlkampf in der Coronakrise
„Ich sende, aber das Feedback fehlt“

Saerbeck -

Mit welchen digitalen Einfällen wirbt der Bürgermeisterkandidat der CDU, Florian Bücker, um Zustimmung bei der Kommunalwahl? Und wie funktioniert das? Im Interview mit unserer Redakteurin Katja Niemeyer berichtet der 36-Jährige, wie er auf Facebook Live-Videos dreht und dass er damit schon bis zu 1000 Menschen erreicht hat. Der Nachteil: fehlendes Feedback.

Freitag, 24.07.2020, 06:21 Uhr
Hat auf digitalen Wahlkampf umgeschaltet: Florian Bücker. Der 36-Jährige will Bürgermeister von Saerbeck werden.
Hat auf digitalen Wahlkampf umgeschaltet: Florian Bücker. Der 36-Jährige will Bürgermeister von Saerbeck werden. Foto: Katja Niemeyer

Auf dem massiven Esszimmertisch stehen eine Wasserflasche und zwei Gläser bereit. Florian Bücker , Bürgermeisterkandidat der CDU , bittet, auf einem der schwarzen Lederstühle Platz zu nehmen. In dem Interview mit unserer Redakteurin Katja Niemeyer , das in Bückers schicker Eigentumswohnung im Ortskern stattfindet, soll es um den Wahlkampf in Zeiten wie diesen gehen, in denen eine Pandemie das öffentliche Leben zwischenzeitlich nahezu komplett zum Erliegen gebracht. Mit welchen digitalen Einfällen wirbt Bückerum Zustimmung? Und wie funktioniert das?

Die Coronakrise hat den Wahlkampf mit ihren zahlreichen Regeln durcheinander gebracht. Was ist aus Ihrer Sicht die größte Einschränkung?

Bücker: Vermisst habe ich ganz besonders die Möglichkeit, mit Vereinsvorständen ins Gespräch zu kommen. Diese Termine waren von März bis Mai vorgesehen gewesen. Wegen der Kontaktverbote konnten sie dann aber leider nicht stattfinden.

Sie sind selbst in einigen Vereinen aktiv und damit bei zahlreichen Saerbeckern bekannt. Ist das nicht ohnehin ein Vorteil?

Bücker: Absolut. Ich bin ja nicht nur durch die Vereinsarbeit bekannt, sondern auch durch meine Tätigkeit als Ratsherr und stellvertretender Bürgermeister. Das nimmt vielen Menschen die Hemmschwelle, mich anzusprechen und zum Beispiel Probleme zu schildern. Wenn ich im Dorf unterwegs bin, höre ich immer wieder ,Ach ja, wo ich Dich gerade sehe ...‘. Und wenn es um Bereiche geht, in denen ich mich nicht auskenne, weiß ich zumindest immer, wen ich ansprechen kann.

Hat ein derart hoher Bekanntheitsgrad auch Nachteile?

Bücker: Ich bin hier in Saerbeck groß geworden, viele Bürger kennen mich seitdem ich Kind war. Inzwischen bin ich aber erwachsen und stehe auf eigenen Beinen.

In welchen Vereinen sind Sie Mitglied?

Bücker: Kolpingsfamilie, Schützenverein Dorfbauerschaft-Middendorf, Bürgerstiftung Mehrgenerationenhaus „Altes Rathaus“, Förderverein Klimakommune, Kolping Blasorchester und Heimatverein. Insgesamt gibt es in Saerbeck aber rund 50 Vereine. Die allermeisten kenne ich also nicht im Detail. Im SC Falke etwa bin ich nicht zu Hause. Während eines Gesprächs mit dem Vorstand, das kürzlich stattfand, konnte ich sehr viel Neues erfahren.

Ihr Vater ist Vorsitzender der Kolpingsfamilie. Sie sind ebenfalls Mitglied, aber nicht in verantwortlicher Position. Eine bewusste Entscheidung?

Bücker: Ja, definitiv. Das hätte ich schon komisch gefunden. Unter dem Dach der Kolpingsfamilie organisiere ich einmal im Jahr ein Doppelkopfturnier. Und früher war ich Gruppenleiter in der Kolpingjugend und bis Anfang des Jahres Kassierer im Kolping. Eine verantwortliche Position strebe ich aber nicht an.

(Video in Kooperation mit dem WDR)

Zu Beginn der Krise gab es Stimmen, die eine Verschiebung der Kommunalwahlen forderten, weil sie die Einschränkungen für den Wahlkampf als zu gravierend erachteten. Hätten Sie auch dafür plädiert, die Wahl zu verlegen.

Bücker: Nein. Und das aus zwei Gründen: Zum einen hatte sich die Amtszeit der Räte ohnehin schon einmalig von fünf auf sechs Jahre verlängert, damit diese und Bürgermeister künftig wieder gemeinsam gewählt werden können. Zum anderen wusste man ja auch nicht, wie lange die Krise dauert und auf welchen Termin die Wahl mithin hätte verlegt werden müssen.

Sie haben kürzlich zur ersten Radtour durchs Dorf eingeladen. Waren auch unbekannte Gesichter unter den Radlern?

Bücker: 20 Saerbecker waren dabei, von denen ich alle zumindest entfernt kenne. Eine weitere Wahlkampf-Aktion sind die Terrassengespräche, zu denen ich bereits mehrmals eingeladen wurde. Zuletzt gab es ein Treffen mit Vertretern des Wasser- und Freizeit-Vereins am Badesee. Das ist immer sehr interessant, weil auch mal ganz andere Fragen gestellt werden.

Parteien und Bürgermeisterkandidaten haben sich in der Pandemie angepasst. Sie versuchen jetzt, auf einer Reihe von digitalen Kanälen, potenzielle Wähler zu erreichen. Was ist Ihre Erfahrung, können Apps, Facebook und Instagram den klassischen Wahlkampf ersetzen?

Bücker: Gleich zu Beginn der Krise stand fest: Der Wahlkampf muss digitaler werden. Schade finde ich, dass auf diesen Kanälen die Interaktion fehlt. Ich sende, bekomme für meinen Geschmack aber in der Regel wenig Feedback. Ich würde mir da manchmal mehr wünschen. Überrascht bin ich aber über die Reichweite bestimmter Formate. Die Live-Videos auf meiner Facebook-Seite wurden bislang bis zu 1000-mal angeklickt. Mit einer Präsenzveranstaltung hätte ich diese Reichweite sicherlich nicht hinbekommen.

Meinen Sie, dass Ihr Wahlkampfteam digitale Einfälle wie diesen auch ohne Corona gehabt hätte?

Bücker: Ich bin mir nicht sicher, ob ich auf Facebook Live gekommen wäre. Und ich habe auch überhaupt nicht damit gerechnet, dass sich derart viele Menschen für die zehnminütigen Videos interessieren.

Bis zur Wahl sind es noch gut sieben Wochen. Haben Sie für die heiße Wahlkampfphase noch eine besondere – digitale – Aktion vor?

Bücker: Wir haben eine spannende Aktion im Köcher, wissen aber nicht, ob wir sie realisieren können. Denn die Krise ist noch nicht vorbei. Wir fahren immer noch auf Sicht.

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