Landwirtschaftlicher Ortsverein zieht Erntebilanz
Die Vorräte schrumpfen

Saerbeck -

Helmut Vennemann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins, zieht eine durchwachsene Erntebilanz. Wegen anhaltender Trockenheit und Hitze seien die Getreideerträge vergleichsweise schlecht ausgefallen. Milchlandwirte wie Rainer Hoppe blicken in fast leere Futterlager, während sie zugleich einen immer geringeren Preis für ihre Milch erzielen.

Samstag, 10.10.2020, 07:49 Uhr aktualisiert: 11.10.2020, 16:52 Uhr
Trotz mauer Ernteerträge präsentieren sich Helmut Vennemann und Rainer Hoppe vom Vorstand des Landwirtschaftlichen Ortsvereins gut gelaunt in einer Bienenweide. Zur Erntedankmesse hatten die Landfrauen die Kirche hübsch geschmückt (kleines Foto).
Trotz mauer Ernteerträge präsentieren sich Helmut Vennemann und Rainer Hoppe vom Vorstand des Landwirtschaftlichen Ortsvereins gut gelaunt in einer Bienenweide. Zur Erntedankmesse hatten die Landfrauen die Kirche hübsch geschmückt (kleines Foto). Foto: Katja Niemeyer

„Jetzt kneift es richtig.“ Rainer Hoppe , Milchviehlandwirt aus Saerbeck, bewirtschaftet seinen Hof seit fast 20 Jahren. In der Zeit war sein Futterlager immer gut gefüllt. In den vergangenen drei Jahren ist sein Vorrat allerdings deutlich geschrumpft, wie er sagt. Schuld ist das Wetter. Zu trocken und zu heiß sei es nicht nur im Sommer, sondern teils bereits im Frühjahr gewesen. Entsprechend wenig Grassilage und Mais fuhr er ein. Jetzt fragt sich Hoppe, ob er demnächst Futter für seine 100 Kühe zukaufen muss.

Das will aber gut überlegt sein. Denn hierfür müsste er zusätzliches Geld in die Hand nehmen, während gleichzeitig der Preis, den er für seine Milch am Markt erzielen kann, seit Ende vergangenen Jahres um 2,5 auf 30 Cent gesunken ist.

Fünfmal im Jahr, von Frühjahr bis Herbst, mäht Hoppe, der Mitglied im Vorstand des Landwirtschaftlichen Ortsvereins ist, seine Wiesen und lagert die Grassilage ein. Auch wenn der Ertrag auf den trockenen und mitunter verdorrten Flächen verschwindend gering ist, wie zu Beginn der Saison. So verzeichnete er beim ersten und zweiten Schnitt jeweils 50-prozentige Einbußen. Vor dem dritten Schnitt fiel Regen – „das hat geholfen“. Der vierte Schnitt sei erneut kaum ertragreich gewesen. Der fünfte steht noch an.

Mäßig bis schlecht fielen in diesem Jahr aber nicht nur die Mais- und die Grasernte aus. Drei Dürrejahre in Folge und mittlerweile gesunkene Grundwasserspiegel blieben auch für die Gerste nicht ohne Folgen. Die Pflanze habe unter der Trockenheit und Hitze „enorm gelitten“, berichtet Helmut Vennemann , Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins.

Bescheiden seien auch die Roggen- und Triticale-Erträge ausgefallen: Zwar habe es vor der Ernte, die Mitte Juli begann, noch rechtzeitig geregnet. Da sei es aber schon zu spät dafür gewesen, dass die Pflanze reichlich Körner bilden konnte. Die Bilanz: Laut Vennemann „nicht super“. Der 42-Jährige, der auf seinem Hof in Sinningen einen Bullen- und Schweinemast betreibt, stellte bei seinen regelmäßigen Messungen allein vom 13. März bis zum 14. Juni „keinen nennenswerten Regen“ fest.

Die Saerbecker Landwirte sorgen sich aber nicht beim Blick in ihre teilweise nurmäßig gefüllten Kornsilos. Auch in ihren Lagern für Stroh ist noch Platz. Weil die Getreidepflanzen auf zahlreichen Feldern eher mickrig waren, wurde auch weniger Stroh eingefahren. Das, betont Vennemann, sei ein Problem, weil Stroh zum Füttern und zur Einstreu benötigt werde.

Der Chef des 125 Mitglieder zählenden Ortsvereins sagt, dass sich die Bauern mittlerweile auf weitere heiße und trockene Sommer einstellen. So versuchten sie beim Anbau verstärkt Wasser zu sparen. Etwa, indem sie ihre Äcker nur so oft grubbern und pflügen wie unbedingt nötig. Denn bei jedem dieser Arbeitsgänge würde der Boden an Feuchtigkeit verlieren.

Um einen Humusaufbau, der enorm wichtig ist für einen fruchtbaren Boden, zu fördern, setzen Vennemann und viele seiner Kollegen von den anderen Höfen außerdem bereits seit Langem auf Zwischenfrüchte wie Raps und Senf. Überdies versuchten sie, eine abwechslungsreiche Fruchtfolge einzuhalten und stressresistente Pflanzen anzubauen.

Trotz mittelprächtiger Erträge ließen die Landwirte und ihre Familien es sich nicht nehmen, eine Erntedankmesse zu feiern. Diese stand unter dem Motto „Was nährt und ernährt den Zusammenhalt?“. Die Landfrauen, so berichtet Vennemann stolz, hätten die St.-Georg-Kirche hierfür „mit sehr viel Mühe“ geschmückt. Ein großes Fest mit Dämmerschoppen hatte wegen der Corona-Pandemie ausfallen müssen.

Unabhängig von Ernteerträgen sät der Schweine- und Bullenmäster jedes Jahr auf einem Acker unweit seines Hofes blühende Pflanzen. Auf einem halben Hektar entsteht so eine Bienenweide – „mein Nachbar ist Imker“.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7624666?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F185%2F
Nachrichten-Ticker