High-Tech-Ansiedlung: „Lupenreiner grüner Strom“ überzeugt Geschäftsführung
Enapter investiert 120 Millionen

Saerbeck -

300 zum Teil hoch qualifierte Arbeitsplätze und ein Investitionsvolumen von 120 Millionen: Die Ansiedlung der High-Tech-Firma Enapter ist von großer Bedeutung für die Gemeinde Saerbeck. Der Produzent von Elektrolyseuren, die zur Herstellung von Wasserstoff benötigt werden, hat sich für die Klimakommune entschieden, weil sie dort „lupenreinen grünen Strom“ bekommen kann.

Mittwoch, 14.10.2020, 06:31 Uhr aktualisiert: 14.10.2020, 11:00 Uhr
Thomas Chrometzka (Enapter), Dr. Tobias Lehberg (künftiger Bürgermeister von Saerbeck), Philip Hainbach (Enapter) und Bürgermeister Wilfried Roos (von links) vor dem Messestand der Klimakommune Saerbeck mit dem Motto „Leidenschaftlich nachhaltig“.
Thomas Chrometzka (Enapter), Dr. Tobias Lehberg (künftiger Bürgermeister von Saerbeck), Philip Hainbach (Enapter) und Bürgermeister Wilfried Roos (von links) vor dem Messestand der Klimakommune Saerbeck mit dem Motto „Leidenschaftlich nachhaltig“. Foto: Gemeinde Saerbeck

Saerbeck wird Produktionsstandort für eine der derzeit wohl innovativsten Antriebstechnologien: Wie am Dienstag bekannt wurde, lässt sich im Gewerbegebiet Nord II die Enapter AG nieder. Das international tätige Unternehmen fertigt Elektrolyseure, mit denen Wasserstoff hergestellt wird. Ein Rohstoff, den Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier vor knapp einem Jahr als „Schlüsselrohstoff einer langfristig erfolgreichen Energiewende“ bezeichnet hatte.

Saerbecks Bürgermeister Wilfried Roos , der die zehnmonatigen Verhandlungen nach eigenen Angaben maßgeblich begleitet hatte, zeigte sich äußerst erfreut über die Entscheidung der Firma, sich in der Klimakommune niederzulassen. „Das ist eine Ansiedlung von großer Bedeutung für die Gemeinde“, sagte der Verwaltungschef. Im Konkurrenzkampf mit anderen Kommunen habe Saerbeck sich durchsetzen können, weil es „lupenreinen grünen Strom“ liefern kann, der auf gemeindeeigenem Gebiet mit den Windkrafträdern, der Biogasanlage sowie Photovoltaikanlagen im Bioenergiepark produziert wird. Geplant sei, von dort eine Leitung bis zum Enapter-Firmengelände zu legen, erläutert Roos.

Ihm zufolge hatten sich neben Saerbeck auch Aachen und eine Gemeinde in Brandenburg um die Ansiedlung der seit vergangener Woche börsennotierten High-Tech-Firma bemüht. Eine Sprecherin des NRW-Wirtschaftsministeriums sprach sogar von rund 100 Bewerbern. Der Baubeginn der Massenfertigungsanlage ist für Anfang 2021 vorgesehen, der Produktionsstart soll 2022 erfolgen.

Rund 120 Millionen Euro investiert Enapter laut Roos in Saerbeck. Schon kurz nach dem Erwerb einer vier Hektar großen Gewerbefläche habe das Unternehmen einen Bedarf für vier weitere Hektar angemeldet. Und auch darüber hinaus habe Enapter „wesentliche Erweiterungsabsichten“ in dem insgesamt 18 Hektar großen Gewerbegebiet Nord II angekündigt, in dem kürzlich die Erschließungsarbeiten beendet wurden.

Geplant sei ein Campus mit Produktionshalle, Bürogebäude, Tagungsstätte und Wasserstofftankstelle, berichtet der Bürgermeister. 300 zum Teil hoch qualifizierte Arbeitsplätze würden dort entstehen. Die Stellen für zum Beispiel Ingenieure und Chemiker, weiß er, würden in Kürze ausgeschrieben.

Wie der Bürgermeister weiter ausführt, plant Enapter auf einer Roboter unterstützten Produktionsstraße, 100 000 Elektrolyseure pro Jahr herzustellen. Im italienischen Pisa, wo die Firma ihren Hauptsitz hat, würden derzeit erst 90 Geräte pro Monat gefertigt.

Roos ist nach eigenen Angaben seit Dezember vergangenen Jahres mit dem Unternehmen in Gesprächen. Der Kontakt sei unter anderem durch den Klimamanager der Gemeinde, Guido Wallraven, entstanden. „Um ins Geschäft zu kommen, haben wir Enapter ein Exposé geschickt“, erzählt er.

Eine Frage nahm er fast amüsiert zur Kenntnis. Die Enapter-Geschäftsführung habe wissen wollen, ob die Gemeinde in der Lage sei, pro Jahr 4,5 Millionen Kilowattstunden grünen Strom zu liefern. Roos‘ Antwort: „Aber ja: Das entspricht rund fünf Prozent der gesamten Strommenge, die der Bioenergiepark pro Jahr produziert.“

 

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