Enapter-Ansiedlung: Philip Hainbach und Thomas Chrometzka über die Pläne des Elektrolyseur-Herstellers
„Das ist schon Wahnsinn“

saerbeck -

Thomas Chrometzka und Philip Hainbach von Enapter, der Firma, die in Saerbeck eine Produktionsstätte für Elektrolyseure errichten will, erläutern im Interview, warum diese sich gerade im beschaulichen Saerbeck niederlässt.

Samstag, 17.10.2020, 06:07 Uhr
Philip Hainbach
Philip Hainbach

Sie haben sich per Zoom von Berlin und Bangkok aus zu einer Videokonferenz zugeschaltet: Philip Hainbach , der bei Enapter für Government Affairs (Regierungsbeziehungen) zuständig ist, und Thomas Chrometzka, der sich um die Entwicklung von Strategien kümmert. Ein Gespräch über Pläne und Ziele des Unternehmens, das in Saerbeck, wie berichtet, eine Produktionsstätte für Elektrolyseure aufbauen will.

 

Wie am Donnerstag bekannt wurde, hat der Kreis Steinfurt den NRW-Wettbewerb zur Wasserstoffmobilität nicht gewonnen. Ist das von Relevanz für Ihr Unternehmen?

Hainbach: Wir freuen uns für den Gewinner. „DüsselRheinWupper“ ist ein tolles Projekt. Das ist in jedem Fall ein gutes Zeichen für NRW als Wasserstoffland. Das Konzept des Kreises Steinfurt wird ja nun trotzdem umgesetzt. Insofern sind wir überzeugt, dass auch diese Region zu einem Nukleus für die Wasserstoffwelt wird.

Die Ankündigung Ihres Unternehmens, sich in Saerbeck niederzulassen, hat für ein großes, teils internationales Medieninteresse gesorgt. Haben Sie damit gerechnet?

Chrometzka: Ein bisschen schon. Es ist auf jeden Fall ein schönes Signal dafür, dass man uns zutraut, dazu beizutragen, die Energiewirtschaft zu dekarbonisieren.

Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie sich in Saerbeck niederlassen?

Hainbach: Es gab eine Vielzahl von Gründen. Beeindruckt hat uns insbesondere, wie die Gemeinde eine grüne Klima- und Energiepolitik als Bürgerbewegung umsetzt und wie die Gemeinschaft an der Wertschöpfung partizipiert. Die Klimakommune steht aus unserer Sicht für ein gerechtes Energiesystem der Zukunft. Außerdem ist sie in der Lage, 100 Prozent grünen Strom zu liefern. Und das in einem Umfang, der auch bei einer Expansion des Unternehmens ausreichen würde. Das ist schon Wahnsinn.

Was meinen Sie, welche Mengen an grünen Strom benötigen Sie bei einer Ausweitung des Produktion?

Chrometzka: Zunächst einmal konzentrieren wir uns auf den ersten, direkt beeinflussbaren Schritt, nämlich den Bau der Massenfertigungsanlage. Hierfür sehen wir uns sehr gut aufgestellt – auch wenn es zugegebenermaßen ein dicker Brocken ist.

Was meinen Sie, welche Bedeutung wird die Wasserstofftechnologie auf dem Weg zur Klimaneutralität haben?

Hainbach: Wir sind fest davon überzeugt, dass Wasserstoff eine sehr große Rolle dabei spielen wird, die steigende Nachfrage nach sauberen Molekülen zu befriedigen. Der Anteil Wärme- und Kraftstoffbereitstellung, also Energie in Form von Molekülen, beträgt global gesehen etwa 70 Prozent. Die Energiewende kann aus unserer Sicht deshalb nur mit grünem Wasserstoff gelingen.

Was ist das Besondere an den Elektrolyseuren, die Sie in Saerbeck herstellen wollen?

Chrometzka: Enapters AEM Technologie ist eine Schlüsseltechnologie. Sie zeichnet sich unter anderem durch sehr günstige Materialien aus. Dadurch können wir Geräte standardisieren und modular einsetzen, ähnlich wie Solarmodule. Das heißt, dass in einem Einfamilienhaus zum Beispiel ein oder zwei Elektrolyseure eingebaut werden. Gleichzeitig könnten wir mit den Geräten aber auch eine ganze Fabrik mit Wasserstoff versorgen. Dieses Skalierungssystem kann enorme Kostenvorteile bringen.

Noch müssen Enapter-Kunden für ein Elektrolyseur des 2.1.-Modells 9000 Euro bezahlen.

Hainbach: Bei der Markteinführung lag der Preis noch bei 15 900 Euro, zwischenzeitlich dann bei 11 000 Euro. Was ich damit sagen will ist, dass es uns bereits gelungen ist, den Preis um mehrere Tausend Euro zu senken. Und das, obwohl wir noch nicht in der Massenfertigung sind, wodurch allein schon die Produktionskosten pro Stück sinken. Wir sind davon überzeugt, dass wir noch nicht am Ende der Reise angelangt sind, es also noch sehr viel Potenzial dafür gibt, dass die Geräte günstiger werden. Für die Gesamtbetrachtung ist es außerdem wichtiger, wie viel der benötigte Strom kostet.

In welchen Bereichen können die Geräte eingesetzt werden?

Hainbach: Aufgrund der Modularität schließen wir praktisch keinen Anwendungsbereich aus. Die Einstiegsschwelle ist sehr gering, so dass eben auch ein Eigenheim ausgerüstet werden kann.

Chrometzka: Aber auch für Betankungsanlagen sind unsere Elektrolyseure geeignet, ebenso wie für Lkw und Schneemobile. Auch in der Industrie gibt es verschiedene Anwendungsbereiche. Der Fantasie sind praktisch keine Grenzen gesetzt.

Sie wollen bereits im kommenden Jahr mit dem Bau der Produktionshalle beginnen. Ein ambitioniertes Ziel.

Hainbach: Die Gemeinde Saerbeck ist zu jeder Zeit über unseren Zeitplan informiert. Wir stehen da in direktem Kontakt. Wir teilen unsere Pläne sehr transparent. Insofern sind wir sehr zuversichtlich, dass wir dieses gemeinsame Ziel erreichen.

Was meinen Sie, wann rollt der erste Elektrolyseur vom Band?

Chrometzka: Wir streben Ende 2022 an, vielleicht wird es aber auch Anfang 2023.

Sie benötigen 300 Mitarbeiter. Welche Qualifikationen sind für Sie von Interesse?

Chrometzka: Im Grunde genommen benötigen wir einen bunten Mix: Elektro- und Mechanik-Ingenieure, die an dem neuen Elektrolyseur bauen. Außerdem Chemiker und Elektrochemiker, die an dem sogenannten Stack, dem „Motor“ des Elektrolyseurs arbeiten. Und natürlich benötigen wir auch Fachkräfte wie Mechatroniker und Mechaniker sowie Kollegen fürs Office. Wir haben ein gutes Gefühl, dass wir wirklich gute Mitarbeiter bekommen.

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