Verabschiedung in kleiner Runde
Memory-Spiel mit Mitarbeiter-Köpfen

Saerbeck -

Das Gold-Jubiläum erreichte der 68-jährige kürzlich, weil er über das übliche Pensionsalter hinaus seine vierte Amtszeit als Bürgermeister bis Ende Oktober zu Ende brachte.

Montag, 02.11.2020, 13:00 Uhr

Es sollte eine große Feier geben. In einem Zelt, das zwischen Bürgerhaus und Bürgerscheune errichtet worden wäre, und mit einem schmissigen Rahmenprogramm. Auch ein Laudator, einer von Rang und Namen, hatte sein Kommen zugesagt. 250 Gäste standen auf der Liste.

Dann begann das Coronavirus sich auszubreiten – und stellte die Planungen für den Abschied von Bürgermeister Wilfried Roos in den Ruhestand auf den Kopf. Im Rathaus strichen die Organisatoren der Feierlichkeiten strichen 100 Namen von der Gästeliste, disponierten um. Als zuletzt die Zahl der Infizierten erneut stieg, wurde an Variante 3 gestrickt. Ein Amt nach dem anderen wollte sich von seinem Chef verabschieden. Mit ein paar Aktionen. Draußen. Und mit Abstand. Aber auch daraus wurde nichts.

Wilfried Roos kam gestern, an seinem letzten Arbeitstag, mit seiner Ehefrau Ilona und mit leitenden Mitarbeitern zu einem Kaffeetrinken im Ratssaal zusammen. Sie überreichten ihm ein Memoryspiel mit Fotos der Köpfe der Mitarbeiterschaft.

Eine Verabschiedung wie diese, sagte Guido Attermeier bereits am Donnerstag, „wird ihm nicht gerecht“. Attermeier ist Wilfried Roos‘ Allgemeiner Vertreter im Rathaus. Viel lieber hätte er seinen Chef mit einer vernünftigen, fröhlichen und emotionalen Feier in den Ruhestand verabschiedet.

Und auch Anja Schulting , die bereits in der Verwaltung arbeitete, als Roos Anfang 1994 sein Amt als Gemeindedirektor antrat, bedauert, „dass die Abschiedsfeier jetzt so klein ausfällt, dass niemand damit zufrieden sein kann“.

Glücklich ist der Bürgermeister damit freilich nicht. Aber er – das wäre auch nicht seine Art – beschwert sich nicht. „Natürlich hatte ich mir gewünscht, mich von allen Kollegen persönlich zu verabschieden“, sagt er während eines Telefongesprächs am Donnerstagabend. „Aber ich will auch nicht jammern. Es gibt sehr viele andere, die weitaus mehr betroffen sind von der Krise. Im Vergleich dazu ist mein Abschied eine Lappalie.“

Auch Dr. Tobias Lehberg, Roos‘ Nachfolger im Amt, eilte gestern zum Saerbecker Rathaus – zur symbolischen Übergabe eines übergroßen Rathausschlüssels.

Und so ging Wilfried Roos‘ letzter Arbeitstag unter den gegebenen Umständen gebührend zu Ende.

Über eines ist sich seine Rathaus-Mannschaft ohnehin einig: Wenn Corona vorbei ist, dann wird gefeiert – und zwar richtig. Schulting: „Dann gibt es eine krachende Feier.“

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