Wie den Gruppen und Treffs des Mehrgenerationenhauses die Coronakrise zu schaffen macht
Die Geselligkeit fehlt

Saerbeck -

Rund 200 Saerbecker kommen regelmäßig in den mehr als 20 offenen Treffs und Gruppen des Mehrgenerationenhauses zusammen – von der Rollator- bis zur Radgruppe. Coronabedingt konnten die Treffen teils monatelang nicht stattfinden. Das macht den zumeist älteren Mitgliedern zu schaffen.

Mittwoch, 17.02.2021, 06:31 Uhr aktualisiert: 17.02.2021, 06:40 Uhr
Gemeinsam singen, wandern und kochen: Wegen coronabedingter Einschränkungen können sich die meisten Gruppen des Mehrgenerationenhauses monatelang nicht treffen. Das bedauern die zumeist älteren Teilnehmer.
Gemeinsam singen, wandern und kochen: Wegen coronabedingter Einschränkungen können sich die meisten Gruppen des Mehrgenerationenhauses monatelang nicht treffen. Das bedauern die zumeist älteren Teilnehmer. Foto: Alfred Riese, privat

Digitale Angebote, Überraschungstüten für zwischendurch, vor allem aber zahlreiche Absagen: Seit rund einem Jahr befindet sich das Mehrgenerationenhaus (MGH) im coronabedingten Lockdown mit zeitweise sehr strikten Einschränkungen. Davon betroffen sind unter anderem rund 200 Saerbecker, die regelmäßig in den mehr als 20 offenen Treffs und Gruppen der Einrichtung zusammenkommen – von der Rollator- bis zur Radgruppe.

Zumeist sind es Ältere, für die die Angebote besonderen Belang haben. Sie vermissen die Treffen, den Austausch und das gemeinsame Erleben, weiß MGH-Projektleiterin Brigitte Wolff-Vorndieck . Digitale Veranstaltungen sind für sie kein wirklicher Ersatz. Überdies scheitern sie zumeist an der Technik. Für Ältere, sagt Wolff-Vorndieck, stellen Online-Plattformen wie Zoom in der Regel eine zu große Herausforderung dar.

Aber auch die Verantwortlichen im MGH wie Wolff-Vorndieck haben bei der Erarbeitung solcher Formate Neuland betreten. „Es ist immer noch ein Ausprobieren“, betont die Projektleiterin. Wenngleich geplant sei, Online-Angebote weiter zu entwickeln und auszubauen.

Den allermeisten Gruppen helfen virtuelle Zusammenkünfte, in die sich jeder Teilnehmer vom heimischen Laptop aus reinklickt, indes nicht weiter. Sie müssen sich ganz real treffen. So wie der „Mittagstisch für Alleinstehende“. Seit mehr als zehn Jahren kommen an jedem ersten Montag im Monat zumeist ältere Alleinstehende in der Küche des MGH zusammen, um zu kochen. Bevor sie sich an die Zubereitung machen, gehen sie die Rezepte durch, die Gruppenleiterin Annette Pöhler ausgesucht hat. Eintöpfe und Aufläufe sind beliebt. Zum Nachtisch gibt es manchmal einen Pudding.

Das letzte Mal, dass die rund acht Hobbyköche gemeinsam kochten, ist nun fast ein Jahr her. Die Treffen fehlen, auch wegen des Essens und der Rezepte, die zu Hause nachgekocht werden können. Vor allem aber wegen der Geselligkeit. Beim Tischdecken und Gemüseschnippeln wird gequatscht. Und nach dem Essen geht es meistens noch nach nebenan ins Café Vier Jahreszeiten.

Nicht anders ergeht es dem Singkreis. „Wenn wir doch endlich wieder singen dürften“ – das bekommt die Leiterin Rita Verlage in diesen Wochen und Monaten immer wieder zu hören. Gerne würden die Sänger und Sängerinnen zum Beispiel mal wieder alle zusammen „Wem Gott will rechte Gunst erweisen“ schmettern, das Volkslied von Anfang des 19. Jahrhunderts mit einem Text des Dichters Joseph von Eichendorff. Oder das Rolf-Zuckowski-Lied „Froh zu sein bedarf es wenig“. Aber die Gefahr, dass sie sich dabei mit dem gefährlichen Coronavirus anstecken, ist zu groß.

Das letzte Mal, dass sie ein paar vorsichtige Töne erklingen ließen, war im Spätsommer. Eine kleine Gruppe versammelte sich da unter freiem Himmel. „Wir standen weit auseinander, konnten uns nicht ansehen und haben uns auch erst gar nicht getraut zu singen“, schildert Rita Verlage die ungewöhnliche Situation.

Der Singkreis ist über die Jahre gewachsen. Als er sich vor rund fünf Jahren gründete, kamen bis zu acht sangesfreudige Saerbecker zusammen. Mittlerweile sind es 26. „Zusammen singen und lachen – das fehlt uns mächtig“, erklärt Rita Verlage, die den Kreis abwechselnd mit Gitarre, Ukulele oder Banjo begleitet.

Wann sich die Wandergruppe zum vorerst letzten Mal auf den Weg gemacht hat, weiß Frank-Georg Stöber noch sehr genau. Es war der 23. Oktober. Und es ging nach Hembergen. Den Sommer über waren Wanderungen in kleinen Gruppen möglich. Nach Ausbruch des Virus Anfang März vergangenen Jahres waren die rüstigen Wandergesellen mehr als drei Monate lang nicht mehr gemeinsam losgestiefelt. Das hat Frank-Georg-Stöber in einem kleinen Büchlein notiert.

Knapp 30 Saerbecker gehören dem Kreis an. Für gewöhnlich legen sie Strecken von zehn bis 15 Kilometern zurück. Und sie freuen sich schon darauf, wenn sie wieder durchstarten können, berichtet Frank-Georg Stöber, der vor Kurzem aus Altersgründen die Leitung an Bernhard Göcking abgegeben hat. „Wir scharren förmlich mit den Hufen“, erklärt der 81-Jährige anschaulich.

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