Wie die Schulöffnung in der Coronakrise laufen soll
Im Wechsel oder ganz vor Ort

Saerbeck -

Seit vielen Wochen sind die Schulen wegen des coronabedingten Lockdowns geschlossen. Am Montag sollen sie nun teilweise wieder öffnen. Grundschulleiterin Sarah Ortmeier und MKG-Leiter Maarten Willenbrink berichten, wie sie die Rückkehr ins Klassenzimmer organisiert haben.

Freitag, 19.02.2021, 06:20 Uhr
Noch sind die Klassenräume wegen des coronabedingten Lockdowns leer, am Montag kehren viele Schüler aber zurück. MKG-Leiter Maarten Willenbrink und Grundschulleiterin Sarah Ortmeier (kl. Fotos) haben entsprechende Konzepte erarbeitet.
Noch sind die Klassenräume wegen des coronabedingten Lockdowns leer, am Montag kehren viele Schüler aber zurück. MKG-Leiter Maarten Willenbrink und Grundschulleiterin Sarah Ortmeier (kl. Fotos) haben entsprechende Konzepte erarbeitet. Foto: dpa, Katja Niemeyer

Sarah Ortmeier , die Leiterin der St.-Georg-Grundschule, hat in diesen Tagen alle Hände voll zu tun, den Wechselunterricht, mit dem am Montag gestartet werden soll, vorzubereiten. Stunden- und Raumpläne schreiben, Eltern informieren – seit dem Eintreffen der sogenannten Schul-Mail aus dem NRW-Schulministerium mit den Vorgaben für eine coronagerechte Wiederaufnahme des Unterrichts vor gut einer Woche sind Ortmeier und ihre Kolleginnen im Organisationsstress.

Was sie dabei aber besonders in Atem hält, ist die zusätzliche Betreuung von Schülern und Schülerinnen am Vormittag. Hierfür öffnet die Offene Ganztagsgrundschule (OGS) statt wie üblich nicht erst in den Mittagsstunden, sondern bereits am Morgen. Mit dem zusätzlichen Angebot sollen Eltern die Möglichkeit bekommen, ihre Kinder auch während des Distanzunterrichts unterzubringen. Eigentlich würden sie dann von zu Hause lernen, was aus unterschiedlichen Gründen oftmals schwierig ist.

Schulleiter entscheidet sich gegen propagiertes Wechselmodell

Bis gestern tüftelten Ortmeier und ihr Team an einem Betreuungskonzept. Zuvor waren die Eltern aufgerufen, ihre jeweilige Bedarfe anzumelden. Und diese sind naturgemäß sehr individuell. Zum einen variieren Betreuungsumfang und -zeiten. Zum anderen sollen möglichst feste Gruppen gebildet werden. Von den 270 Grundschülern haben insgesamt 60 einen solchen Betreuungsbedarf, wobei niemals alle gleichzeitig in den Räumen der OGS untergebracht sind. Sie wurden in drei Vormittags- und drei Nachmittagsgruppen aufgeteilt.

Maske im Unterricht - geht das auf Dauer?

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  • Wenn in einzelnen Bundesländern die Schulen wieder öffnen, besteht für die Schülerinnen und Schüler zum Schutz vor dem Coronavirus teils auch Maskenpflicht. Im Detail hängt das von den Regeln im Bundesland und den regionalen Infektionszahlen ab. Viele Eltern fragen sich, was das lange Masketragen für den Nachwuchs bedeutet. Wir geben Antworten auf wichtige Fragen:

    Foto: Matthias Balk/dpa/dpa-tmn
  • Welche Maske sollte es sein?

    Das hängt vom Alter des Kindes ab. „Ich persönlich würde für Grundschulkinder eine OP-Maske wählen und für größere Kinder, wenn es geht, eine FFP2-Maske“, sagt der Berliner Kinderarzt Jakob Maske. OP-Masken (medizinische Gesichtsmasken) schützen vor allem andere Menschen, weil sie die Ausatemluft recht zuverlässig filtern - der Eigenschutz ist aber begrenzt. Eine FFP2-Maske bietet, richtig angewendet, einen hohen Schutz für andere und den Träger selbst. Allerdings muss diese erstens korrekt sitzen - so also, dass keine Luft über Lücken am Maskenrand aus- und einströmen kann. Zweitens muss man regelmäßig Pausen machen, in denen man sie absetzt und durchatmet. „Da ist schon etwas Verantwortung gefragt, von einem selbst und den Kindern“, sagt Maske. OP-Masken wiederum könnte man auch länger am Stück tragen, der Atemkomfort ist bei ihnen im Vergleich zur FFP2-Maske besser. Aber: Sobald sie durchfeuchtet sind, sollte man OP-Masken austauschen. Für FFP2-Masken gilt das übrigens auch.

    Foto: ciudad de buenos aires/telam/dpa
  • Und was ist mit Alltagsmasken aus Stoff?

    Das kommt darauf an, ob diese überhaupt für den Einsatz in der jeweiligen Schule zugelassen sind. Generell bieten natürlich auch diese Bedeckungen einen gewissen Schutz. Eine Alltagsmaske zu tragen sei besser, als gar keine Maske zu tragen, sagt Maske.

    Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
  • Was ist, wenn die Kinder keine Maske tragen wollen?

    Hier sind aus Sicht des Kinderarztes vor allem die Eltern gefragt. „Wenn man positiv herangeht, haben 95 Prozent der Kinder mit diesen Masken kein Problem“, sagt Kinderarzt Maske. Natürlich ist das Beste, wenn Vater und Mutter selbst mit gutem Beispiel vorangehen und Maske tragen. Die Einstellung der Eltern ist ganz wichtig: „Wenn man sagt, die Maske sei doof, wird das Kind sie auch nicht tragen“, sagt Maske. Zudem sollte man den Kindern vermitteln, dass das Tragen der Maske ihrer Gesundheit nicht schadet, sagt der Experte des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). „Das nimmt auch viele Ängste.“ Der BVKJ sieht bei Kindern ab zehn Jahren keine Bedenken gegen das Tragen von Masken. Jüngere Kinder ab sechs Jahren sollten die Masken zumindest jederzeit abnehmen können, wenn sie das möchten, schrieb der Verband bereits in einer Mitteilung im November 2020. Sie enthält auch verschiedene Tipps für Eltern.

    Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
  • Was kann man noch tun?

    Eltern sollten natürlich schauen, wie es den Kindern mit dem Masketragen geht - sitzt sie bequem? Man sollte ihnen Mut machen und sie ermuntern, dass sie sich im Unterricht bemerkbar machen sollen, wenn es ihnen mit der Maske nicht gut geht, empfiehlt Maske. Er rät den Schülern: „Wenn einen das Tragen der Maske im Unterricht einmal zu viel wird, sollte man den Lehrer bieten, ans Fenster oder vor die Tür gehen zu dürfen und die Maske dort kurz abzunehmen.“ Natürlich sollten die Pausen dafür genutzt werden, draußen an der frischen Luft mit entsprechend Abstand untereinander stets auch eine Auszeit von der Maske zu machen.

    Foto: Guido Kirchner/dpa
  • Gibt es Masken in Kindergröße?

    Ja, für alle Maskentypen finden sich auch Kindergrößen im Handel. Zudem können Eltern den Sitz nachjustieren - etwa, indem sie Knoten in die Gummis machen, um die Schlaufe zu verkürzen. Zu eng anliegen oder gar einschneiden sollten die Bänder aber nicht.

    Foto: Alvaro Tavera/colprensa/dpa
  • Welche Schutzmaßnahmen in den Schulen sind noch sinnvoll?

    Um die Infektionsgefahr über Aerosole in der Luft zu verringern, ist regelmäßiges Stoßlüften über weit geöffnete Fenster das Maß aller Dinge, hält die Kommission Innenraumlufthygiene (IRK) beim Umweltbundesamt (UBA) fest. Mobile Luftreiniger seien nur in Ausnahmefällen zu empfehlen. Als Ergänzung und langfristige Lösung seien fest installierte Lüftungsanlagen in Schulen sinnvoll. Klar ist, dass trotz Stoßlüften und anderen Maßnahmen die üblichen Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus auch im Klassenzimmer nötig sind: Abstand halten, Hände waschen - und eben Maske tragen.

    Foto: Robert Michael/dpa

Wechselunterricht bedeutet für die Grundschüler, dass sie täglich zwischen Homeschooling und Unterricht im Klassenraum in kleinen Gruppen pendeln. Dabei, erläutert Ortmeier, wurde jede Klasse zweigeteilt: die eine Hälfte schaltet sich über die Schulplattform IServ in die Stunde, während die andere ihrer Lehrerin gegenübersitzt. Nach der wochenlangen Schulschließung ist dies zumindest ein erster Schritt in Richtung Normalität. „Wir sind jetzt wieder näher am Kind“, betont die Schulleiterin.

Auch die Maximilian-Kolbe-Gesamtschule kehrt, wenngleich eingeschränkt, zu normalem Leben zurück. So erscheinen die Zehntklässler sowie die Jahrgangsstufen 12 und 13 am Montagmorgen in kompletter Stärke zum Unterricht. Schulleiter Maarten Willenbrink hatte sich gegen das vom Schulministerium propagierte Wechselmodell entschieden, weil er überzeugt ist, „dass dies für alle Betroffenen der beste Weg ist“.

Verpflegungspakete statt Mensa

Im Blick hat er dabei vor allem anstehende Abschlussprüfungen, auf die sich die Schüler kurz- bis mittelfristig vorbereiten müssen.

Zugleich ist sich der Schulleiter aber auch im Klaren darüber, dass beim Homeschooling nicht alle Schüler „gleichermaßen erreicht wurden“. Umso wichtiger sei deshalb die Rückkehr zum Präsenzunterricht. Auch wenn hierfür jede Klasse und jeder Kurs geteilt wird, so dass in einem Raum nicht mehr als 15 Schüler auf Abstand sitzen. Nicht die Schüler tauschen bei diesem Modell den Lernort, sondern die jeweilige Lehrkraft wechselt in einer Unterrichtsstunde zwischen zwei Klassenräumen.

Unterm Strich haben die Schüler weniger Frontalunterricht und mehr Phasen, in denen sie selbstständig arbeiten. „Wir haben sowohl die personellen als auch die räumlichen Ressourcen für einen vollständigen Präsenzunterricht“, betont Willenbrink.

Und auch fürs Essen ist gesorgt. Als Ersatz für die pandemiebedingt geschlossene Mensa bietet das Schulkiosk Verpflegungspakete an.

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