Studie der NRW-Bank: Immobilienpreise und Mieten steigen / Förderung Thema im Ausschuss am Mittwoch
Wohnen soll erschwinglicher werden

Saerbeck -

In Saerbeck wird neuer Wohnraum benötigt. Die geplanten Neubaugebiete sollen aber nicht nur Platz für Eigenheime bieten, sondern auch für geförderte Wohnungen.

Donnerstag, 11.03.2021, 07:17 Uhr aktualisiert: 11.03.2021, 07:20 Uhr
Emsdettener Straße saerbeck
Emsdettener Straße saerbeck Foto: Katja Niemeyer

Ohne Zweifel, in Saerbeck wird neuer Wohnraum benötigt. Das belegt nicht zuletzt eine lange Liste mit Namen von Bauinteressierten, die die Verwaltung seit geraumer Zeit führt. Um die steigende Nachfrage zu befriedigen, plant die Gemeinde, wie berichtet, zwei Neubaugebiete: Hanfteichweg und Alter Reiterhof. Sie haben angesichts ihrer Gesamtgröße eine durchaus strukturelle Bedeutung für die Klimakommune. Das geht aus einer Verwaltungsvorlage zur kommenden Sitzung des Bauausschusses (17. März) hervor. Demnach bieten die beiden Gebiete Platz für rund 700 Menschen – was rund zehn Prozent der aktuellen Einwohnerzahl entsprechen würde.

Ohne Neubaugebiete würde die Bevölkerung – kaum verwunderlich – schrumpfen. Laut einer Prognose der NRW-Bank , kürzlich veröffentlicht im Saerbecker Wohnungsmarktprofil, sinkt die Einwohnerzahl bereits in den kommenden zehn Jahren unter die 7000er-Marke, aktuell liegt sie bei knapp 7100.

Die Studie nimmt darüber hinaus die demografische Entwicklung unter die Lupe. Während 2011 noch die Unter-18-Jährigen die größte Gruppe und die Über-75-Jährigen die kleinste Gruppe in der Bevölkerung darstellten, kehrt sich das Verhältnis demnach 2035 um. Wobei, so bemerkt Bauamtsleiter Andreas Bennemann , bei dieser Prognose die geplante Schaffung neuen Wohnraums unberücksichtigt blieb.

Um dem demografischen Wandel entgegenzuwirken, müssten, das legt die Studie nahe, möglichst junge Menschen und Familien nach Saerbeck ziehen. Viele von ihnen suchen tatsächlich ein Baugrundstück, auf dem sie ihren Traum vom Eigenheim verwirklichen können. Zugleich fehlen aber auch (Eigentums-)Wohnungen etwa für Ältere, denen ihr Einfamilienhaus vielleicht zu groß geworden ist und das sie deshalb verkaufen wollen.

Aus der Ist-Analyse der NRW-Bank ergibt sich für Saerbeck für die Jahre 2010 bis 2019 eine leicht, aber stetig steigende Wohnraum-Kurve. Wohnungen in Mehrfamilienhäusern machen dabei rund ein Viertel aus. Der allergrößte Teil der Saerbecker lebt in Ein- oder Zweifamilienhäusern, von denen in der Gemeinde mittlerweile weit mehr als 2000 stehen.

Rückläufig ist hingegen die Anzahl öffentlich geförderter Wohnungen. Das liegt vor allem daran, dass die in früheren Jahrzehnten errichteten Wohnungen nach und nach aus der Bindung fallen und der Neubau dahinter zurückblieb. Der Studie zufolge gab es 2019 in Saerbeck rund 90 sogenannte Sozialwohnungen. Zum Vergleich: Der Bestand an frei finanzierten Wohnungen in Mehrfamilienhäusern lag in dem Jahr bei über 550.

Parallel zum sinkenden bezahlbaren Wohnungsangebot kletterte die durchschnittliche Miete in den Jahren 2010 bis 2019 von unter fünf auf über sechs Euro pro Quadratmeter. Für Neubauwohnungen zahlen Mieter mittlerweile mehr als sieben Euro pro Quadratmeter.

Auch für Häuser müssen die Käufer jetzt tiefer in die Tasche greifen. Gebrauchte Immobilien waren 2010 noch für durchschnittlich unter 200 000 Euro zu haben, jetzt kosten sie weit über 250 000 Euro. Um ein Eigenheim zu erwerben, auch das hat die NRW-Bank ausgerechnet, müssten statistisch gesehen bis zu fünf Nettojahresnettoeinkommen ausgegeben werden.

Weil Wohnraum also insgesamt betrachtet für immer weniger Menschen erschwinglich ist, will die Politik bei der Planung der beiden Neubaugebiete verschiedene Hebel ansetzen. So sieht das städtebauliche Konzept für das Gebiet Hanfteichweg im Südosten der Gemeinde insgesamt vier Bauplätze für Mehrfamilienhäuser vor. In einem ersten Entwurf waren hierfür nur zwei Grundstücke eingeplant gewesen.

Wie groß der Anteil des Wohnraums sein soll, der öffentlich gefördert wird, steht noch zur Diskussion. Zu der kommenden Bauausschusssitzung hat die Verwaltung jetzt zunächst Lorenz Rustige eingeladen. Rustige ist Leiter des Bauamtes des Kreises Steinfurt und soll über das Thema Wohnraumförderung informieren. Ein Gebiet, auf dem er offenbar Experte ist: Im gesamten Kreis wurden im vergangenen Jahr 501 öffentlich geförderte Wohnungen geschaffen, womit die Region NRW-weit auf Platz 1 landete. Während landes- und bundesweit mehr Wohnungen aus der Bindung fallen als neue gebaut werden, ist der Kreisverwaltung damit nach eigener Darstellung eine Kehrtwende auf dem Wohnungsmarkt hin zu mehr bezahlbarem Wohnraum gelungen.

Bleibt abzuwarten, inwieweit die Klimakommune ein solches Ziel auch erreichen kann.

 

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