Wie in Pastor Ramesh Chopparapus Heimat Indien Ostern gefeiert wird
Keine Schokohasen bei 40 Grad

Saerbeck -

Ohne Hase und ohne Schokoladeneier – die anstehenden Osterfeiertage verbringt man in Indien ganz anders. Pastor Ramesh Chopparapu von der St.-Georg-Pfarrgemeinde, der aus Indien stammt und dessen Familie in dem südasiatischen Land lebt, hat mit unserer Mitarbeiterin Stefanie Behring über die aktuelle Lage in seiner Heimat gesprochen.

Donnerstag, 01.04.2021, 11:00 Uhr
Ostern wird in Indien anders gefeiert als hierzulande. Statt Ostereiersuche steht an Karfreitag ein großer Kreuzzug an, bei dem die Christen mehrere Kilometer zurücklegen. Das Foto zeigt eine Prozession aus dem vergangenen Jahr.
Ostern wird in Indien anders gefeiert als hierzulande. Statt Ostereiersuche steht an Karfreitag ein großer Kreuzzug an, bei dem die Christen mehrere Kilometer zurücklegen. Das Foto zeigt eine Prozession aus dem vergangenen Jahr. Foto: privat

Ohne Hase und ohne Schokoladeneier – die anstehenden Osterfeiertage verbringt man in Indien ganz anders. Pastor Ramesh Chopparapu von der St.-Georg-Pfarrgemeinde, der aus Indien stammt und dessen Familie in dem südasiatischen Land lebt, hat mit unserer Mitarbeiterin Stefanie Behring über die aktuelle Lage in seiner Heimat gesprochen.

 

Wie feiert man Ostern in Indien?

Ramesh: Ganz anders als man es hier kennt. Der wichtigste Feiertag in Indien ist der Karfreitag , er ist für alle Religionen präsenter als die Ostertage selbst. Das liegt auch daran, dass dieser Tag mit dem 1. Weihnachtstag der einzige freie Feiertag für Christen in Indien ist. Generell ist es an Ostern knapp 40 Grad heiß in meiner Heimat im Süden Indiens.

Und wie sieht so ein Karfreitag in Indien aus?

Ramesh: Es findet eine sehr große Prozession statt. Hierbei geht es um den Kreuzweg mit den 14 Stationen. Die Prozession geht durch die ganze Stadt, die Christen legen mehrere Kilometer zurück. Dadurch, dass es so heiß ist, schwitzt man dabei natürlich sehr. Die Christen bekommen auf ihrer Strecke Unterstützung von anderen durch Wasser, Buttermilch oder Zitronensaft zum Trinken. Jede Religion unterstützt.

Gibt es denn auch einen Osterhasen für die Kinder?

Ramesh: Nein, das kennen die indischen Kinder gar nicht. Auch keine Ostereier, die gesucht werden. Die Schokolade würde auch sowieso schmelzen (lacht). Für alle gibt es an Ostern aber ein festliches Essen. Viele Familien gönnen sich nur alle zwei bis drei Monate mal Fleisch und nutzen dann den österlichen Feiertag, um etwas zu kaufen.

Welche Rolle spielt die Kirche an den Feiertagen?

Ramesh: Die ist auf jeden Fall sehr wichtig. Alle Familien gehen in Gottesdienste. Die Liturgie wird ähnlich wie hier gefeiert. Den ganzen Tag hört man außerdem christliche Lieder, da kommt auch eine festliche Stimmung auf.

Wie wird Ostern denn in diesem Jahr gefeiert? Ändert sich vieles aufgrund der Corona-Pandemie?

Ramesh: Der Kreuzweg an Karfreitag wird vermutlich nur im kleinen Rahmen stattfinden können. Generell ist Indien aber auch so groß – ungefähr so wie ganz Europa –, dass die Situation nie vergleichbar ist. Es gibt viele verschiedene Bundesländer und jeder macht seine eigenen Regelungen. Auch das Leben auf dem Land und in der Stadt unterscheidet sich.

Inwiefern gibt es da Unterschiede?

Ramesh: Auf dem Land können aktuell zumindest die Tagelöhner wieder arbeiten, was eine Erleichterung für viele Familien ist. Viele tragen leider keine Maske mehr, weil man die wegen des Schwitzens eigentlich jede Stunde wechseln müsste und die Leute auf dem Land verstehen nicht, wie ernsthaft die Situation ist. Einige feiern sogar richtige Feste. In den Großstädten ist es ähnlich wie hier, mit Abstand und Maske.

Gibt es keine Kontrollen durch die Polizei oder Regierung?

Ramesh: Überhaupt nicht. Die greifen nicht ein und haben auch keine Kontrolle. Es wird aber wohl überlegt, einen zweiten strengen Lockdown zu veranlassen, wo dann auch wieder alles geschlossen ist wie bis vor ein paar Wochen. Da hatten auch Supermärkte zu und man durfte gar nicht mehr raus.

Welche Auswirkungen hat das auf die Inder?

Ramesh: Man kann sich das kaum vorstellen. Viele haben ihre Jobs durch Corona verloren und Tagelöhner dürfen im Lockdown auch nicht mehr arbeiten. Gerade jetzt freuen sich viele über die Suppenküche, die mit Hilfe von Saerbecker Spenden errichtet und finanziert werden konnte. Hier bekommt jeder eine warme Mahlzeit täglich, wofür alle Bedürftigen sehr dankbar sind.

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