Steinfurt
Die alten Steine brauchen eine Kur

Donnerstag, 09.08.2007, 18:08 Uhr

-lü- Burgsteinfurt . Dem Zahn der Zeit ist es egal, woran er nagt. Obwohl er Sandstein , besonders den weichen aus den Baumbergen , offenbar besonders gerne mag. Deshalb reckt sich der Treppenturm des Schlosses seit ein paar Tagen blau statt sandsteinfarben 24 Meter in die Höhe. Fachleute aus Nordhorn haben ihn eingerüstet, um ihn – erstmals – gründlich zu sanieren. Und das, haben Hans Vennemann und Bernd Bücker von der fürstlichen Bauverwaltung ausgerechnet, wird wohl drei Montae brauchen – wenn das Wetter mitspielt.

Aber das macht ja bekanntlich, was es will und hat dem einstigen Wehrturm des Schlosses mächtig zugesetzt. Sandstein bröselt, Eisenbänder rosten durch, und sämtliche Baluster des oberen Säulenkranzes müssen dringend runderneuert werden. Die Jahreszahl 1882 ist in eine der etwa 40 bauchigen Steine eingemeißelt, und man kann sich denken, welche Wetter da in 125 Jahren rübergeweht sind. Alle Fugen müssen raus, weil’s die alten Baumeister zu gut gemeint haben: Als damals Zement in Mode kam, konnten sie ja noch nicht wissen, dass Muschelkalk viel bauverträglicher gewesen wäre.

Wind und Wetter sind auch dafür verantwortlich, dass die Bleiglasfenster, 24 sind es, ausgebaut und zum Restaurator nach Rheine gebracht wurden. Einige der bunt bemalten Gläser waren eingedrückt worden und gingen unwiederbinglich verloren, andere sitzen locker und verlieren ihre Fassung; kein Wunder eigentlich, denn 1651 steht auf einer der Butzen zu lesen.

Im und am Schloss gibt es immer viel zu tun: neulich die Fassadenerneuerung des Torhauses, vor vier Jahren die Sanierung des Glockenturms, 2005 war der Blaue Saal dran, und mit dem Treppenturm, der Kommende und dem Forsthaus im Bagno haben es Hans Vennemann und Bernd Bücker gleichzeitig mit drei Baustellen zu tun. Und ein Ende ist lange noch nicht abzusehen: Als nächstes stehen weitere Teile der Außenfassade zur Sanierung an.

Nicht immer, das weiß auch der Laie, kann man ersetzen oder wiederherstellen, was verloren ging; herausgebrochene Glasbildstückchen etwa. Das kann man deutlich an einem Fenster sehen, an dem sich vor wer weiß wie vielen Jahren jemand zu schaffen machte, der sein Handwerk nicht verstand. Da lässt man’s besser bleiben, findet Hans Vennemann, der ansonsten sehr viel Wert darauf legt, dass alle Arbeiten am Schloss in enger Abstimmung mit dem Denkmlamt vorgenommen werden. Nur – manchmal beißt der Zahn der Zeit eben zu heftig zu.

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