Steinfurt
Wie aus einem Spiel

Montag, 15.10.2007, 16:10 Uhr

Burgsteinfurt . Im Huck-Beifang-Haus wird wieder Kunst gezeigt. „Züge und Felder“ lautet der Titel einer Ausstellung von Günter Malchow . Wie die Geschäftsführerin des Steinfurter Kunstvereins, Marie-Luise Biesterfeld , in ihrer Eröffnungsrede erklärte, sind die Mitglieder glücklich, dass der Kunstverein nun eine Heimat gefunden habe. Die Vernissage gestaltete der Kunstverein festlich. Das hatte Gründe.

Am vergangenen Sonntagvormittag ist nicht nur die Premiere des Vereins mit Beteiligung des Holzbläserquartetts der Musikschule in seinem neuen Domizil gefeiert worden. Interessierte konnten auch einen kleinen, informativen Film über die 400-jährige Geschichte des Huck-Beifang-Hauses sehen.

Nach so viel Ablenkung zu Beginn sollte sich die Aufmerksamkeit der Besucher ganz auf den Coesfelder Maler richten, der Rätsel aufgibt. Mit Günter Malchow zeigt diese Schau einen Künstler, der sich dem so genannten Trend verweigert. Er selber meinte dazu, er sei schon immer anachronistisch in seinem künstlerischen Ausdruck gewesen. Während landläufig gegenständliche Kunst den Markt beherrscht, zeigt er strenge geometrische Formen und Linien. Der Kunsthistoriker Andreas Schnieder aus Münster stellte ihn in die Reihe der Konstruktivisten und nannte viele berühmte, internationale Künstler, nach deren Arbeiten seine Werke zu interpretieren seien.

Die in Malchows Arbeiten scheinbar endlosen Linien und Muster erscheinen wie aus einem Spiel. Offensichtlich basiert dies auf der Beschäftigung mit Besitzansprüchen und Grenzziehungen im grenzenlosen Medium Gesellschaft. Die Streifenstruktur zieht sich jedenfalls wie eine Farbsymphonie – vom warmtonigen Rot und Orange bis zum kühlen Blau und Violett durch die Räume. Diese Vorgehensweise könnte die Arbeit von Architekten imitieren, die ihre Farbsequenzen entwickeln. Sie gehen dabei intuitiv und subjektiv vor, sie erfinden und ordnen nach Gefühl und Verstand auf dem Papier, wie Maler. Wie Malchow. Bis das ästhetische Optimum erreicht ist. Der Betrachter glaubt, rein abstrakte Strukturen in der konstruktiven Kunst zu erkennen. Lediglich die mit Acryl bemalte Leinwand auf hölzernem Keilrahmen hat sich die Aura des Handgemachten bewahrt. Das Spannende: Wie weit entfernt ist Malchow von den Utopien eines Mondrians, der zur Pioniergeneration der Konstruktivisten gehört? Zeigt er die Codes der heutigen, trivialen Wirklichkeit? Sicherlich Fragenbereiche, die Besucher interessieren, die sich mit dem Konstruktivismus beschäftigt haben. Jedenfalls eine theoretisch wie ästhetisch aufregende Ausstellung. Die Schau ist bis bis zum 26. November freitags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr oder nach Vereinbarung unter Telefon 0 25 51/71 38 geöffnet.

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