Steinfurt
Wenig Mit- aber viel Nebeneinander

Donnerstag, 08.11.2007, 16:11 Uhr

Burgsteinfurt . Wirklich Neues und Entscheidendes gab es beim Austausch der Standpunkte, Bedenken und Anregungen nicht. Aber immerhin hat es die Werbegemeinschaft am Mittwochabend geschafft, allen, denen der Einkaufsstandort Burgsteinfurt wichtig ist, klipp und klar deutlich zu machen, dass die Erarbeitung und Umsetzung von Konzepten, wie diese Zukunft gesichert werden kann, nicht weiter auf die lange Bank geschoben werden darf. Es besteht dringender Handlungsbedarf, war der Tenor des von den Lokalchefs der örtlichen Tageszeitungen Ulrich Breulmann (MZ) und Axel Roll (WN) moderierten Abends im Kommunikationszentrum der Kreissparkasse, wo sich ein lockerer Austausch der Positionen zwischen Kaufleuten, Politikern, Kammervertretern und Wirtschaftsförderern entwickelte und aufgezeigt wurde, wie und wo es hakt, dass es zwischen Baumgarten-Zentrum, Petermann-Gelände und Innenstadt wenig Mit- aber viel Nebeneinander gibt.

Hermann Lindhof und Wolfgang Guddorf von der Werbegemeinschaft rechneten vor, dass die Läden in der Innenstadt nach der Eröffnung des Baumgartenzentrums bereits bis zu zehn Prozent Umsatzeinbußen hinnehmen mussten und jetzt zu befürchten sei, dass der Ortskern noch weiter ausblutet, wenn bei Petermann Sortimente angesiedelt werden, die am Stadtrand nichts zu suchen haben. „Wir möchten, dass sich dieses Gelände entwickelt, aber nicht weitere Kaufkraftverluste einstecken“, appellierten beide an Politik und Verwaltung, den Einzelhandel vor der Grünen Wiese zu schützen. Und was in diesem Zusammenhang ein neues Gutachten zur Standortverträglichkeit bringen soll, wurde bezweifelt. Schließlich hätten Junker und Kruse die gleichen Fragen schon einmal bei den Planungen zum „Steinfurter Tor“ beantwortet. Guddorf befürchtete, man wolle lediglich den neuen Investoren einen Gefallen tun: „Grundsätzlich hat sich an der Situation innerhalb von drei Jahren doch nichts verändert.“ Verwiesen wurde wiederholt auf die „Steinfurter Liste“, wo beispielsweise steht, dass ein Garten- oder Baumarkt an der Ochtruper Straße unbedenklich, weitere Textil-, Schuh- oder Fernseh- und Rundfunkläden schädlich für die Innenstadt wären. Mitte des Monats, so Erster Beigeordneter Dr. Michael Gläseker, sollen die Ergebnisse auf dem Tisch liegen.

Aber die Geschäftsleute gingen auch durchaus selbstkritisch mit sich um. Eingeräumt wurde, dass es innerhalb der Kaufmannschaft an Solidarität, Kreativität und Schlagkraft fehlt, um den neuen Zentren Paroli zu bieten. Guddorf: „Es gibt kein echtes Engagement. Wir können nicht warten, bis uns die gebratenen Tauben in den Mund fliegen.“ Sowohl Dr. Willi Quandt von der Handwerkskammer als auch Johannes Höing von der IHK machten in diesem Zusammenhang deutlich, wie wichtig beispielsweise einheitliche Öffnungszeiten sind, Orientierung zu schaffen. Höing: „Wenn jeder Quadratmeter einheitlich geöffnet ist, dann weiß jeder, woran er ist.“ Lindhof räumte an, dass es gerade in diesem Punkt noch viel zu tun gibt. Offenbar sei der Leidensdruck noch nicht so groß, dass jeder es sich noch erlauben kann, sein eigenes Süppchen zu kochen.

Die Ratsvertreter waren sich einig, dass es in Burgsteinfurt den Königsweg wohl nicht geben wird, wohl aber Möglichkeiten, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass möglichst alle Interessen gewahrt werden. Von mehr Wirtschafts- und Tourismusförderung, günstigen Konditionen für Gewerbeansiedlungen und Existenzgründungen über Hotel-Ansiedlung bis hin zu besserer Möblierung der Altstadt reichten die Vorschläge, die Kundenströme so zu lenken, dass alle profitieren.

„Stillstand ist Rückgang“, appellierte Hermann Lindhof am Ende des Abends an die Politik, ein verlässlicher Partner in der Stadtentwicklung zu sein. Und er rüttelte seine Kollegen noch einmal auf, nicht in Lethargie zu verfallen, sondern die Herausforderungen als Chancen zu begreifen. Nichts Neues zwar, aber jeder hat mitbekommen, dass es ohne die Zusammenarbeit aller Kräfte nicht gelingen wird, alte Kunden zu halten und neue zu gewinnen.

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