Steinfurt
„Riesen-Geschäft birgt ein Riesen-Risiko“

Dienstag, 11.03.2008, 21:03 Uhr

- Steinfurt /Düsseldorf. Die Landes-CDU will der „Rathaus-Zockerei“ einen gesetzlichen Riegel vorschieben. Zinsgeschäfte sollen verboten werden, dafür sprach sich Kommunalexperte Rainer Lux aus (die WN berichteten gestern). Grund: Einige Kommunen haben in jüngster Vergangenheit bei diesen Spekulationen Millionen verloren. Die Stadt Hagen machte einen Verlust von 50 Millionen Euro. Zum Vergleich: Steinfurt hat alles in allem rund 70 Millionen Euro Schulden. Auch die Kreisstadt hat auf fallende und steigende Zinssätze gewettet. Wie der Bürgermeister über den Vorstoß der Landes-CDU denkt und ob sich die Verwaltung verspekuliert hat, darüber sprach WN-Redakteur Axel Roll mit Andreas Hoge .

Frage: Was halten Sie von der Idee der Landes-CDU, die Spekulationsgeschäfte der Kommunen gesetzlich verbieten zu lassen?

Hoge: In meinen Augen ist das völliger Quatsch. Ein Zinsrisiko gibt es beim Abschluss eines jeden Kreditvertrages. Auch das ist im Prinzip eine Wette. Nur hat bislang noch nie jemand nachgehalten, ob eine Kommune mit der Festschreibung des Zinssatzes auf zehn, 20 oder 30 Jahre Gewinn oder Verlust gemacht hat. Soll den Städten dann im nächsten Schritt verboten werden, selbst Kreditverträge abzuschließen? Außerdem: Auch das Landesinnenministerium macht solche Wetten.

Frage: Wie riskant sind denn solche Termingeschäfte?

Hoge: Ein Riesen-Geschäft birgt eine Riesen-Risiko. Es ist natürlich absoluter Wahnsinn wie das Hagen gemacht hat. Die Verantwortlichen haben alles auf eine Karte gesetzt und dabei verloren. Wir in Steinfurt machen da weitaus kleinere Geschäfte, bei denen im günstigsten Fall Gewinne von bis zu 15 000 Euro abfallen.

Frage: Hand aufs Herz: Hat sich Steinfurt denn schon mal verzockt?

Hoge: Nein, bislang haben wir unterm Strich ein Plus von rund 150 000 Euro gemacht. Seit mehr als einem Jahr ruht allerdings der Vertrag mit der WestLB , die für uns bekanntlich die Transaktionen. Die Differenz zwischen lang- und kurzfristigen Krediten ist zu gering, da lohnen sich solche Spekulationen nicht. Im Moment halten wir die Füße still.

Frage: Ist die WestLB nach den Turbulenzen der Vergangenheit denn überhaupt noch ein verlässlicher Partner?

Hoge: Wir haben nur gute Erfahrungen gemacht. In den Verträgen mit der WestLB ist außerdem genau festgelegt, in welchem finanziellen Korridor sich die Experten bewegen dürfen. Im Zuge dieser Kooperation konnten wir übrigens auch den Zinssatz für alle städtischen Schulden auf 4,05 Prozent drücken. Ich glaube, das haben wir ganz gut hingekriegt.

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