Steinfurt
Aloysius ist ein Schatz

Borghorst. Manchmal, gibt Robert Badde zu, „manchmal vergesse ich, dass es die Aloysius-Kapelle gibt“. Natürlich nicht absichtlich. Nur, weil er sie nicht so im Blick hat, sagt der Küster von St. Nikomedes: „Eigentlich ist das nämlich ein tolles...

Montag, 01.09.2008, 21:09 Uhr

Borghorst . Manchmal, gibt Robert Badde zu, „manchmal vergesse ich, dass es die Aloysius-Kapelle gibt“. Natürlich nicht absichtlich. Nur, weil er sie nicht so im Blick hat, sagt der Küster von St. Nikomedes : „Eigentlich ist das nämlich ein tolles Fleckchen, eine richtige kleine Oase“, und sofort gerät er ins Schwärmen. Robert Badde mag die Kapelle, von der keiner so aufs Jahr genau weiß, wann sie wohl gebaut wurde. 1757 gab es die kleine Kirche, die heute in unmittelbarer Nähe zur Nikomedeshauptschule steht, bereits.

Wahrscheinlich entstand die Aloysius-Kapelle aber schon vor 1749. Diese Jahreszahl ist in der Glocke festgehalten und Historiker gehen davon aus, dass die Glocke eigens für das Kapellchen gegossen wurde.

Erbauerin ist Äbtissin Antonetta Isabella . „Wahrscheinlich haben die Stiftsdamen nachmittags einen Spaziergang zur Kapelle gemacht und hier die Vesper gebetet“, vermutet Robert Badde. Schließlich liegt die Kapelle nicht weit entfernt vom ehemaligen Stift.

Die Äbtissin setzte nach ihrem Tod die Kapelle als Universalerbin ein. Ihre gesamten Hinterlassenschaften sollten nach und nach verkauft werden, um den Erhalt der Aloysius-Kapelle finanzieren zu können. Heute kommt die Pfarrgemeinde St. Nikomedes dafür auf. So wie kürzlich, als die Fenster neu verbleit werden mussten. Badde: „Der Wind hätte sie sonst irgendwann eingedrückt.“ Und auch ein Anstrich ist bald wieder dran. Kleinere Reparaturen übernimmt zum Glück die Seniorengruppe des Heimatvereins. Auch dank der Kontakte von Burchard Hille. Das Vorstandsmitglied des Heimatvereins ist nämlich Nachbar der Kapelle und hat einen Schlüssel. Badde: „Er lässt auch schon mal Touristen rein“.

Das Dach der Aloysius-Kapelle erinnert an die Haube einer holländischen Windmühle. Ob deshalb auch die Innenwände bis zur Decke mit weißen und blauen Delfter Fliesen gekachelt sind? Küster Badde weiß es nicht. Und irgendwie scheint auch von den Historikern, die sich mit der Geschichte des nur 22 Quadratmeter großen Kirchleins beschäftigt haben, keiner so recht sagen zu können, wer der Baumeister war.

Im oberen Teil des hölzernen Altaraufsatzes stehen auf Konsolen die zwölf Apostel zusammen mit der Gottesmutter Maria und dem Heiligen Johannes Nepomuk. „Allerdings nicht mehr im Original“, verrät der Küster von St. Nikomedes. Dafür sind sie einfach zu wertvoll und die Kapelle nicht ausreichend gegen Diebe gesichert. Die echten Figuren hat Badde gut verschlossen. Genauso wie das Aloysius-Reliquiar von 1757. Das Männchen, wie Badde die Figur liebevoll nennt, besteht aus einem hölzernen Lattengestell und steht auf einem Sockel. Darüber wird eine schwarze Soutane und ein weißes Spitzen-Rochette gestreift. Oben in dieses Gestell wird der Kopf des heiligen Aloysius gesteckt – ganz aus Silber. In seinen beweglichen Armen hält die Figur ein Kreuz und eine Lilie.

Wie bedeutsam das Aloysius-Reliquiar ist, zeigt eine Anfrage des Klosters Dalheim. Während einer Ausstellung war die Figur aus St. Nikomedes dort erst kürzlich zu sehen. „Vorher ist sie von den Kunstexperten des Bistums vermessen und registriert worden“, berichtet Badde.

Um die Kapelle wieder mehr mit kirchlichen Leben zu füllen, ist am 21. Juni, dem Patronsfest, nach langer Zeit wieder eine Messe dort gefeiert worden. Ein Termin fürs kommende Jahr steht auch schon fest. Badde: „Dann findet hier der Naturgottesdienst für Familien statt.“

Wer vorher aber schon einmal einen Blick ins Kapellchen werden möchte, kann dies am Denkmaltag tun. Zwar finden dieses Mal wegen der Aktivitäten rund ums Stiftskreuz (die WN berichteten) keine Führungen statt, die Tür ist am 14. September (Sonntag) aber den ganzen Tag über geöffnet.

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