Steinfurt
Frisiertes Mofa und Rocker-Frisur

Freitag, 12.09.2008, 16:09 Uhr

Mofas waren zu meiner Zeit total angesagt. Wer damals einen Roller fuhr, war völlig out“, erinnert sich Axel Roll an die Zeit, als er noch die Schulbank drückte. Den Preis seiner ersten Hercules M5 mit der Zwei-Gang-Handschaltung weiß er bis heute Aus dem Effeff. Für die 1422 Mark hat er sechs Wochen lang als Tankwart geschuftet. „Die mit Zwei-Gang hatten den Vorteil, dass man sie leichter frisieren konnte.“ Ein dickerer Auspuffkrümmer und ein größeres Ritzel: „Damals hat sich keiner einen Kopf drum gemacht.“ Und so brachte das blaue Gefährt statt der erlaubten 25 locker 50 Stundenkilometer auf den Asphalt – bis Vater Roll den Braten roch und der Sohnemann vor seinen Augen alles wieder abschrauben musste.

Als den 15-jährigen Axel Roll die Zweiradleidenschaft packte, war mit dem Fußballspielen Sense. Schließlich war man so viel erfolgreicher bei den Mädels. „Das habe ich mir damals jedenfalls eingebildet“, sagt der Redaktionsleiter und lacht. Immerhin sei man so nicht mehr auf den blöden Schulbus angewiesen gewesen, der den in Altenberge aufgewachsenen Schüler zum Gymnasium nach Borghorst brachte. Bis heute fährt Axel Roll gerne auf heißen Öfen durch die Gegend. Nicht der einzige Grund, weshalb der Familienvater, der heute in Laer lebt, die Jugendfrei-Serie wie folgt vervollständigt: „Jung, wild und hoffentlich jung geblieben.“ Auch die Liebe zur Musik sei noch immer da – wenn sich der Geschmack inzwischen auch etwas ausgedehnt hat.

Musikalisch setzte der heute 45-Jährige nämlich auf Rock. Sein nur fünf Jahre älterer Onkel diente als Vorbild und auf dessen Plattenspieler lief nun mal Deep Purple , The Who und Alice Cooper . Und so war damals nicht nur das Mofa frisiert, auch die langen Haare mussten einiges hermachen: „Ich sah ein bisschen aus wie Brian Connolly von The Sweet . . .“

Neben Mofa und Musik gab es noch eine leisere Leidenschaft: „Das passt jetzt gar nicht: Die Ornithologie“, erzählt Axel Roll. Mit seinem Onkel, einem Biolehrer, beobachtete er Vögel und lieh sich am Wochenende sogar Schallplatten mit Vogelstimmen aus dem Naturkundemuseum aus – dem Spott seiner Kumpels zum Trotz. „Mein Onkel ist damals sogar bei „Wetten dass . . .“ mit Frank Elsner aufgetreten“ – mit Vogelstimmenerraten versteht sich. Axel Roll saß vor dem Fernseher: „Ich hätte alle Stimmen gewusst, bis auf den Gartenrotschwanz.“

Ein Accessoire aus Axel Rolls Jugendzeit ist der Stecker, der sein linkes Ohr ziert. „Mit einem Kumpel zusammen habe ich mir den damals in Österreich stechen lassen.“ Seine alten Herrschaften seien nicht gerade erbaut gewesen, als der 16-Jährige damit ins Hotel zurückkam. „Dafür war ich der erste in der Oberstufe mit Ohrloch“, erinnert sich Axel Roll. „Ich finde ihn nicht mehr sonderlich schick, aber er gehört irgendwie zu mir.“

Dass die Schule keine große Rolle im Leben des jungen Journalisten spielte, lag daran, dass seine gesamte Clique eben nicht mit ihm die Schulbank drückte. „Das Bindeglied war eher Altenberge“. Dort war er schon mit 14 Jahren Freier Mitarbeiter für die WN. „Der Schulbus war so früh da, dass ich vor der Schule noch zur Redaktion fahren konnte, um die Negative einzuwerfen“, Und auch wenn die Jugend mit 19 Jahren und der Bundeswehr ein jähes Ende nahm, sagt Axel Roll heute: „Ich habe absolut nichts verpasst.“

KATHARINA WIRTZ

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