Steinfurt
Mitbringsel einer Wallfahrt

Donnerstag, 06.11.2008, 14:11 Uhr

-ka- Borghorst . Ehrenamt und Spaß dürfen sich auf keinen Fall ausschließen. Sonst wäre der Strick- und Bastelkreis der Alten- und Rentnergemeinschaft St. Nikomedes nicht schon viele Jahrzehnte freundschaftlich verbunden. Freiwilliges Engagement verhilft eben auch zu Freundschaften.

Der wöchentliche Kontakt in der Gruppe ist den 22 Frauen wichtig. Da gibt es bei Kaffee und Kuchen gute Unterhaltung. Dazu wird für die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) gestrickt. „Wir haben aber auch viele, die für uns zu Hause arbeiten“, sagt die Leiterin der Gruppe, Gertrud Oletti .

Die langjährige Treue im Strickkreis basiert auf einer hohen Identifikation der Damen mit dem Hilfswerk und der Solidarität mit den Menschen, denen ihr ehrenamtliches Engagement gilt. Die Helferinnen können sich in eine weltweit vernetzte Gemeinschaft einbringen und dabei Positives bewirken.

Toni Wolf gehört zu den Ältesten, die sich in der Familienbildungsstätte treffen. Sie hat ihr Leben lang Handarbeiten gemacht. In der Overbergschule bei Fräulein Fark nahm sie die ersten Maschen auf, um „Pottläppkes“ zu stricken. Bei Schwester Tazisia in der Töchterschule lernte sie, wie „Schläppkes“ aus „Afchängers-schon“ gehäkelt werden. Alle Borghorster trugen damals in ihren Holzschuhen selbst gehäkelte Socken aus dem Abfallgarn der Webereien. Als Mitglied der KAB gehörte die 90-Jährige vor 30 Jahren zu den Gründerinnen des Strickkreises. Seit einem halben Jahr machen ihre Augen nicht mehr mit und sie kann die Maschen nicht mehr so gut erkennen. Aber ein Garnknäuel für ihre Freundinnen halten, das kann sie immer noch.

Gertrud Rotterdam macht seit fünf Jahren in der Handarbeitsgruppe mit. Die 77-Jährige hat schon immer gerne gebastelt. Zurzeit arbeitet sie an kleinen Täschchen. Das Material reicht für 36 Stück. Im vergangenen Jahr waren ihre mit buntem Vlies beklebten Kugeln und Tannenbäume der große Renner. Ella Schultehinrichs hat sich auf modische Schals spezialisiert.

Gleich mehrere Frauen haben Brombeeren gesucht, Holunder gepflückt, um daraus schmackhafte Konfitüren zu kochen. Besonders lecker ist der Quittengelee. „Wir sind selbst unsere besten Kunden“, sagt Gertrud Oletti, denn bevor man ein Produkt auf dem Basar verkauft, wird es den Freundinnen angeboten.

Als Gründerin hat Maria Brinkhaus die Gruppe stark mitgestaltet. Die 92-Jährige kann sich darin erinnern, dass Bendine Ernst die Idee in den 60er Jahren von einer Lourdeswallfahrt mitbrachte: Fünf Frauen waren dabei, als aus alten Bettlaken Reißbinden und Wollresten Lepradecken entstanden. 17 große Seesäcke wurden damals nach Indien geschickt. „Ich habe die Frachtbriefe selbst geschrieben“, erzählt Maria Brinkhaus.

Die Seniorin gründete 1980 den Strickkreis. Mit einer Spende von 100 Mark konnte die erste Sockenwolle gekauft werden. Da die Transportkosten und Einfuhrzölle für das Versenden von Sachspenden inzwischen stark gestiegen waren, entschloss man sich, die selbst gestrickten Sachen auf längst zu „Events“ gewordenen Basaren anzubieten.

Am 16. November lädt der Strick- und Bastelkreis von 10 bis 17 Uhr zum Basar mit Cafeteria in der Familienbildungsstätte an der Schulstraße ein. Über Kuchenspenden würde man sich sehr freuen.

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