Steinfurt
Klappern in Zeiten der Lepra

Steinfurt. Ein besonderes Ausstellungsstück im Burgsteinfurter Stadtmuseum ist eine „Rassel“ oder „Rappel“, die zum Erzeugen von Geräuschen eingesetzt werden kann. Dabei handelt es sich aber nicht um ein Spielzeug, sondern um eine Seuchenklapper...

Sonntag, 25.01.2009, 10:01 Uhr

Steinfurt . Ein besonderes Ausstellungsstück im Burgsteinfurter Stadtmuseum ist eine „ Rassel “ oder „Rappel“, die zum Erzeugen von Geräuschen eingesetzt werden kann. Dabei handelt es sich aber nicht um ein Spielzeug, sondern um eine Seuchenklapper, die von Leprakranken benutzt wurde, um alle Gesunden vor möglicher Ansteckungsgefahr zu warnen.

Seit 1430 ist schon in Steinfurt außerhalb der Stadtmauern, vor dem Steintor, ein Leprosen- oder Siechenhaus bekannt, wenn man so will, das älteste Krankenhaus der Stadt. Interessant hierzu ist der Straßenname „Kleppgarten“. Kommt doch Klepp vom holländischen kleppen = klappen, Klapper. Es kann sein, dass der Magistrat der Stadt verordnet hatte, dass nur im Kleppgarten (parkähnliche Anlage) die Lepraklapper benutzt werden durfte, schreibt John Schraven in einer Betrachtung.

Der Name „Klapper“ ist für das Burgsteinfurter Ausstellungsstück nicht ganz korrekt. Handelt es sich doch vielmehr um eine Rassel oder Rappel. Die „Klapper“ gibt wie ihr Name schon sagt ein klapperndes Geräusch ab und besteht aus zwei beweglichen trapezförmigen Brettchen mit einem hölzernen Griff. Mit der „Rassel“ kann man ein durchdringenderes Geräusch erzeugen, indem man eine hölzerne Zunge klappernd um ein schmiedeeisernes Zahnrad drehen lässt. Das Burgsteinfurter Exemplar ist 24 mal 13 Zentimeter groß und ins 17. oder frühe 18. Jahrhundert zu datieren.

Die Leprakranken durften „Rassel“ oder „Klapper“ nicht nach Belieben verwenden, da die Stadtoberen dazu Regeln herausgaben, die einzuhalten waren. Während in Holland und auch in Flandern Klappern zugelassen waren, so waren scheinbar in Steinfurt entsprechende „Rasseln“ vorgeschrieben.

Mit den Kreuzzügen ist die Lepra nach Europa gekommen und zu einer der meist ’gefürchtetsten Krankheiten geworden, die tiefe Spuren in der Gesellschaft hinterlassen hat. Die Aussätzigen durften nicht mehr in ihrem bisherigen Lebensraum bleiben, sondern wurden außerhalb der Städte streng isoliert.

Leider habe die Rassel aus dem Museum keine Abbildung. Trotzdem sei sie aber ein bedeutendes Ausstellungsstück und führe den Besucher in eine Welt, in der viel Leid, Armut und Elend herrschte.

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