Steinfurt
Studenten zum Bahnhof

Dienstag, 02.02.2010, 18:02 Uhr

Borghorst - Ein Wohnheim für 100 Studenten direkt in Bahnhofsnähe ? Auf dem Wattendorff-Areal, das seit 15 Jahren vor sich hin gammelt? Mit dem Gedanken konnte sich Bürgermeister Andreas Hoge sehr schnell anfreunden. „Die stärken die heimische Wirtschaft“, dachte er als erstes an das unter chronischer Schwindsucht leidende städtische Sparschwein. Der Verwaltungschef wurde allerdings schnell von den Realitäten wieder eingeholt. „Allerdings hat Borghorst natürlich nicht so ein Nachtleben wie Enschede oder Münster“, musste er selbstkritisch eingestehen. Das ist aber wohl nicht der entscheidende Grund, warum die bunten Pläne, die da gestern Mittag als Powerpoint-Präsentation über die Leinwand des Sitzungssaales I flimmerten, wohl Pläne bleiben werden. Die wirtschaftliche Machbarkeit, die Frage also: Wer soll das bezahlen?, hatten die niederländischen Studenten, die das Konzept ausgeheckt hatten, nicht näher untersucht.

Die Studenten-Arbeitsgruppe der Saxion-Universität Enschede hatte sich ein halbes Jahr lang mit den städteplanerischen Möglichkeiten der Borghorster Industriebrache fächerübergreifend beschäftigt. Gestern stellten die Niederländer ihre Ergebnisse im Rathaus vor.

Neben der Studenten-Wohnanlage mit einem Platz für Aktionen wie Märkte und Konzerte könnten sich die Studierenden auch eine Senioren-Residenz auf dem 6,1 Hektar großen Gelände vorstellen. Allerdings mit einigen Nachteilen: Weder Ausbildungsniveau noch Altersstruktur der Stadt würden sich verbessern. Auch die positiven Auswirkungen auf die Ökonomie wären durch den Zuzug junger Menschen größer, vermuten die Niederländer.

Bei beiden Konzepten wollen die jungen Stadtplaner das alte Verwaltungsgebäude der Wattendorff-Fabrik erhalten. So könnte es für die Senioren-Siedlung Arzt- und Therapiepraxen aufnehmen. Und auch das direkte Umfeld zogen die Studierenden in ihre Überlegungen mit ein. So wäre es ihrer Ansicht nach das Beste, die Feuerwache an der Neustraße zu belassen und dort auszubauen. Die Villa Heimann wird nach den Plänen zum diskutierten Museum, umgeben von einem kleinen Park. Erhalten werden sollte auch, so die Vorgabe der Stadt, das Bahnhofsgebäude. Und der vom augenblicklichen Eigentümer vorgesehene 800-Quadratmeter-Supermarkt findet sich ebenfalls in der Ausarbeitung wieder.

In ihrer Stärken-Schwächen-Analyse für das Areal verbuchten die Projekt-Mitarbeiter auf der Habenseite eine gute verkehrliche Anbindung, eine ansprechende In­frastruktur und unter anderem günstigere Immobilienpreise als in den Niederlanden. Im derzeitigen Zustand, so die Analyse, ist Wattendorff alles andere als eine Aushängeschild für den Stadtteil.

Als Vermittlerin für die Studentenarbeit fungierte wieder Aleida Maffert, die bereits ein ähnliches Projekt für die Arnold-Kock-Websäle eingestielt hatte.

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