Steinfurt
Die Lage am Horizont

Dienstag, 18.05.2010, 15:05 Uhr

Steinfurt - Der Wind kommt aus Westen, mal stärker, mal schwächer. „Mal sehen, was gerade angesagt wird“, meint Hans Joachim Liesert und greift zum Funk: „Ganz klar Westwind , 13 Knoten, also gut 25 Stundenkilometer sind´s.“ Bisschen holprig könnte es in der Luft schon werden, mal ein wenig rauf, mal runter gehen: „Aber das ist alles vollkommen unkritisch, es besteht keine Gefahr“, versichert Liesert.

Hendrik Beering kann das nur bestätigen: „Der Wind wird oben zudem weniger“, meint der 49-jährige Emsdettener, der als einer von neun Interessierten am zweitägigen Schnupperkursus der Luftsportgemeinschaft ( LSG ) Steinfurt teilnimmt. 18 Möchtegernpiloten haben sich insgesamt gemeldet - doppelt so viele, wie von der LSG angenommen. Die Gruppe wurde deshalb geteilt, in zwei Wochen findet der zweite Durchlauf statt.

Mit zwei Segelflugzeugen wird geflogen. „Ganz normaler Schulbetrieb“, meint Hans Joachim Liesert. Mal werden die Flieger mit der Winde nach oben katapultiert, mal von einem Motorflugzeug in Schleifen auf etwa 450 Meter Höhe geschleppt. „Dann kommt´s drauf an, erst einmal die Horizontallage zu halten, ein paar Kurven zu fliegen und mit Seiten-, Quer- und Höhenruder klarzukommen“, erklärt Liesert das Vorgehen.

Liesert ist ein erfahrener Pilot. Bei ihm hört sich alles ziemlich simpel an. „Aber am Anfang ist man schon überfordert“, gibt Ralf Renkhoff aus Borghorst zu, „die ganzen Eindrücke, die Instrumente, dann das Lenken mit Händen und Füßen - das alles kommt zusammen und es ist extrem schwer, den Überblick zu behalten.“ Mit den Händen werden Quer- und Höhenruder, mit den Füßen die Seitenruder bedient.

Der 49-jährige Renkhoff ist Modellflieger und das richtige Fliegen ein Kindheitstraum. Ob er gleich Mitglied LSG wird, weiß er aber noch nicht sicher: „Vorstellen kann ich es mir, aber es ist eben sehr zeitintensiv.“ Seit zwei Stunden steht er auf dem Rollfeld in Füchten und der erste Start des Tages ist noch nicht in Sicht. „Man muss sich dafür immer ganze Tage frei nehmen“, betont der Borghorster, sich dessen bewusst, dass die Ausbildung im Segelflugbereich gut drei Jahre dauern kann.

Bei Hendrik Beering waren es in eineinhalb Tagen zwei Flüge - einmal wurde er hoch geschleppt, einmal mit der Winde nach oben geschossen: „Mit der Winde erlebt man eine Formel-Eins-Beschleunigung“, sagt Beering, für den Fliegen eine große Faszination ist: „Es sind auch die theoretischen Grundlagen, die es so interessant machen: Thermik, Aerodynamik und Navigation zum Beispiel.“ Ob er jetzt Mitglied wird? „Es gefällt mir. Vielleicht mach´ ich es.“

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/183161?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F186%2F701971%2F701991%2F
Nachrichten-Ticker