Steinfurt
Seit 1785 flammt der Stern

Freitag, 08.10.2010, 21:10 Uhr

Burgsteinfurt - Wer düstere Verschwörungstheorien , Geheimbünde oder gar den Da- Vinci-Code sucht, der sollte besser Bücher von Dan Brown lesen. Wer aber wissen will, was es mit der Freimaurerei auf sich hat, was der barocke Name „Ludwig zum flammenden Stern“ bedeutet und warum die Grundideale der Freimaurerei (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität) seit 225 in Burgsteinfurt gelebt werden, der sollte sich die Ausstellung nicht entgehen lassen, die gestern in der Kreissparkasse eröffnet wurde.

Bilder, Schautafeln, eine reich bestückte Vitrine und ein geheimnisvolles Schränkchen erzählen dem Besucher die Geschichte der Freimaurerei im Allgemeinen und die der Burgsteinfurter Loge im Besonderen. Wer sich ein bisschen Zeit und Muße nimmt, der findet dort Namen wie Graf Ludwig, August Siegfried von Goué, Mozart, Haydn und Napoleon, zu dessen Zeit die Loge noch den klangvollen französischen Namen „Louis de l´etoile flamboyante“ führte.

Hans Rocker , Vorsitzender - oder im Sprachgebrauch der Freimauer: Meister vom Stuhl - der Burgsteinfurter Loge, betonte in seiner Eröffnungsansprache, dass man wohl über die freimaurerische Idee vom Menschen geteilter Meinung sein könne, aber streiten könne man darüber nicht; denn seit fast 300 Jahren laute die in Formen gegossene freimaurerische Idee: „Ein friedliches Zusammenleben von Menschen und Völkern wird nur dann möglich, wenn der Einzelmensch bei sich selbst beginnt, seine eigenen, dieses friedliche Zusammenleben behindernden Eigenschaften abzustellen. Abbau von Vorurteilen, Entwicklung von Toleranz, Menschenliebe und Brüderlichkeit sind Fähigkeiten, die sich Freimaurer aneignen wollen. Freimaurerlogen sind Übungsstätten, in denen sich die Brüder regelmäßig diesem Veränderungsprozess aussetzen.“

Brüder. Hans Rocker sagte nicht Schwestern, weil die Burgsteinfurter Loge von je her ein Männerbund ist. Aber kein Geheimbund: „Logenbrüder gehören keinem Geheimbund an, aber sie sind verschwiegen“, weil Verschwiegenheit eine Grundvoraussetzung für Vertrauen sei.

Bei einem ersten Rundgang durch die Ausstellung klingen noch Hans Rockers Worte nach, dass man Freimaurerei eigentlich nicht ausstellen, sondern nur mit ihr ins Gespräch kommen könne. Das wird seit diesem Frühjahr erheblich erleichtert, denn die Burgsteinfurter Loge hat im Huck-Beifang-Haus an der Hahnenstraße eine neue Bleibe gefunden. Dort bietet sie Gästeabende und Vorträge an, um über ihre Ziele und Inhalte zu informieren. Heute gehören dem flammenden Stern 31 Brüder verschiedener Nationalitäten an.

wer aber nicht auf den nächsten Gästeabend dort warten will, um hinter das Geheimnis der Freimaurer zu kommen - auch der ist in der Ausstellung (die bis zum 28. Oktober zu den Kassenzeiten geöffnet ist) richtig: Vor der Tür zum großen Saal hängt ein unverschlossenes Schränkchen mit der Aufschrift „Das Geheimnis der Freimaurerei“. Öffnen ist ausdrücklich erlaubt.

Wer dann immer noch nicht vom Da-Vinci-Code lassen kann - auch dem wird geholfen: Am 21. Oktober um 19.30 Uhr hält Rainer Wiese von der Fürther Freimaurerloge „American Canadian Grand Lodge“ einen Vortrag über das „Bagno als Volksbildungspark der Aufklärung“. darin wird er auch von Geheimzeichen berichten, die heute noch im Bagno zu finden sind.

» Infos bei Emil Focke, Telefon 0 25 52/60 869.

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