Steinfurt
Die Kunst, das Geld und der Ziegenbock

Freitag, 11.03.2011, 21:03 Uhr

Burgsteinfurt - Ob er selber viele Jacken hatte? Eher unwahrscheinlich, sowas passt zu Malern nicht. Aber er konnte, was die meisten nicht mal ausprobieren: schnell in jede Jacke springen. So jedenfalls beschrieb vor vielen Jahren ein Zeitungskritiker die Wandlungsfähigkeit des holländischen Malers Wim Mulders , der von 1947 bis 1962 in Burgsteinfurt lebte und so bemerkenswerte Bilder malte, dass manche Bewunderer ihn sogar in die Nähe Rembrandts rückten. Ein Dachbodenfund (acht kleinformatige Farbdrucke in einer Kartonmappe) ruft Erinnerungen wach an einen fast vergessenen, beachtenswerten Künstler, der seinen verblassten Ruhm zuerst auf den größten und gefährlichsten Baustellen Europas erworben hat.

Wim Mulders wurde 1913 als Sohn eines Malers in Amsterdam geboren. Geld für sein Studium verdiente er als Werbeleiter in einem Kaufhaus und durch Plakate und Kinoreklamen. Drei Jahre lang studierte er an der Kunstakademie in Amsterdam, dann noch zwei Jahre in Düsseldorf, wo er zur Ölmalerei fand. Damals malte er alles, was ihm vor die Augen kam, mal expressionistisch, mal im Stil der alten holländischen Meister - ganz so, wie es gewünscht wurde.

Seinen großen Durchbruch aber schaffte er als Industriemaler und dokumentierte das Wachsen von Schleusen, Straßen und Elektrizitätswerken. darauf flogen die Fabrikanten, die Mulders´ Bilder in ihre Flure hängten und in ihren Betriebszeitungen abdruckten. Und sie bezahlten gutes Geld.

Aber: „Die Industrie zwingt mich zu einem bestimmten Stil“, beklagte sich Mulders, „wenn ich nicht genau bin, fangen meine Auftraggeber an zu lachen und sagen: das Ding kann so ja gar nicht laufen. Aber wenn ich meinen Luxus betreibe, zum Beispiel Marktbilder aus Frankreich male, da läuft der Pinsel ganz leicht, das ist ein ganz anderes Licht als in Holland.“ Da zwingt ihn die schwermütige Landschaft mit ihren bedächtigen Menschen zu wahrhaft rembrandtscher Farbigkeit, unergründlicher Tiefe und ganz eigener Wirkkraft. Und vielleicht noch kraftvoller sind seine Porträts wie beispielsweise der Halbakt seiner Ehefrau, in dem ein einziger Blick eine ganze Geschichte erzählt.

Auch wenn der einstige Ruhm des Industrie- und Luxusmalers Wim Mulders, des Weltbürgers und vorübergehenden Burgsteinfurters fast vergessen ist, ein Ziegenbock wird ihn unsterblich machen: Heute steht er auf dem Marktplatz in Münster-Wolbeck, als Denkmal, das an den Gründer des Ziegenbockmontagsumzugs, Hermann Peters, erinnert. Die Zeichnung für das bockige Denkmal, das 1959 eröffnet wurde, stammt aus der Feder des damaligen Burgsteinfurters Wim Mulders - der Mann, der schnell in jede Jacke springen kann.

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