Steinfurt
Die Entschleunigerin

Dienstag, 03.05.2011, 20:05 Uhr

Burgsteinfurt - Nicht jeden, aber jeden Dritten trifft es irgendwann. Viel Stress und wenig Schlaf , der ständig nervende Chef, die drohende Mathe-Arbeit, Ärger in der Familie machen die Menschen krank; und irgendwann ist der Akku ausgebrannt und leer. Und immer öfter werden Kinder und Jugendliche verhaltensauffällig oder schlittern in seelische Erkrankungen, die längst nicht immer richtig erkannt werden. Das kostet Geld und Menschenleid und lässt Wertschätzung, Sinn- und Lebensorientierung kaum eine Chance.

Dass und was man gegen diese unselige Zeitgeisterei unternehmen kann, ging Gerlinde Lamberty vor acht Jahren auf, als sie zufällig einen Hotelprospekt in die Finger bekam. heute ist die Burgsteinfurter eine bundesweit anerkannte Fachfrau und Leiterin des Instituts für Stressmanagement und Prävention. Bevor sie damals 2003 in dem Prospekt von einem Anti-Stress-Kurs las und schlagartig wusste, ja, genau das will ich machen, war Gerlinde Lamberty Erzieherin und Kitaleiterin im Nordhessischen. Dann absolvierte sie Trainerausbildungen, ging auf eine Privatakademie und schrieb eine Diplomarbeit, zog ins Sauerland und fand schließlich 2006 in Burgsteinfurt einen Job bei einem Unternehmensberater, der nach vier Monaten wieder dichtmachte. „Und ich stand auf der Straße - mit Töchterchen und ohne Auffangnetz“, sagt sie ohne Bitterkeit und zweifelt inzwischen daran, dass all die Wendungen in ihrem Leben bloßer Zufall gewesen sein sollen.

Bergauf ging es, als sie im Auftrag der DNL den ersten Steinfurter Gartenmarkt „Le Jardin“ organisierte. Und als sie im Januar 2009 das Institut gründete, eigene Programme entwickelte und begann, sich zu spezialisieren, fand sie immer mehr offene Türen. Sie wurde zu Kongressen eingeladen, führte Seminare durch, bot ihre Hilfe auch Betrieben und Schulen an und reihte sich ein in die Schar der inzwischen 30 000 Unterzeichner des Aufrufs „Zur psychosozialen Lage in Deutschland“, der eindringlich appelliert: „Wir benötigen mehr Herz für die Menschen!“

Was fehlt uns denn, Frau Lamberty? „Uns fehlt der Mut zur Pause und erholsamer Schlaf“, sagt sie und zählt lieber auf, was wir zu viel haben: zu viele Medien, zu viele Knöpfe im Ohr, zu viele Termine und viel zu viele Reize. Wenn das Gehirn satt ist, wird der Körper müde. Ruhe würde helfen, aber viele Leute halten Ruhe gar nicht mehr aus.“ Dabei sei Entschleunigung die einzige Lösung. Das habe sie besonders stark bei einem Projekt in der Schule am Bagno erlebt. „Die Schüler“, sagt Gerlinde Lamberty anschließend, „haben große Sehnsucht nach Ruhe.“

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