Steinfurt
„Es werden immer mehr“

Dienstag, 10.05.2011, 17:05 Uhr

Steinfurt - Der Wind hat die vertrockneten Pflanzenreste in den Parkplatzrinnsteinen zu braunen Haufen zusammengeweht. Pollen. Auf dem silbernen Lack des VW Golf von Dr. Norman Sinclair leuchtet eine dünne, nicht einmal millimeterdicke gelbe Schicht in der Sonne. Was aussieht wie eingefärbter Puderzucker sind - Pollen. Der gläserne Objektträger, auf dem Scheibenwischer festgeklemmt, hat in der Mitte einen milchig-weißen Streifen. Wieder Pollen. Der Biologe muss seine Forschungsobjekte wirklich nicht suchen. „Sie sind überall.“ Am liebsten - und das schon seit vielen Jahren - jagt Sinclair Blütenstaub im Steinfurter Bagno. So präsent wie im Augenblick war er aber noch nie. Das sind aber nicht die einzigen Beobachtungen, die dem international anerkannten Pollen-Experten die Sorgenfalten auf die Stirn treiben. . .

„Seit Ostern hat sich die Pollenkonzentration in der Luft verachtfacht“, kann Dr. Sinclair anhand seiner Aufzeichnungen nachweisen. Regelmäßig stellt er Pollenfallen im Bagno auf. Und macht reichlich Beute.

Die andauernde Trockenheit ist für den Biologen nur ein Grund für die außergewöhnlich hohen pflanzlichen Luftbelastungen. „Die Pflanzen stehen durch klimatische und andere Umweltbelastungen stärker unter Stress. Darum produzieren sie auch mehr Pollen“, so die These des Naturwissenschaftlers.

Was Dr. Norman Sinclair aber noch viel mehr beunruhigt: „Die Stoffe, die die Pollen absondern, in der Regel sind es Proteine, haben sich verändert.“ Auch für diese Beobachtung macht Sinclair Umwelteinflüsse wie zum Beispiel Autoabgase verantwortlich. Unterstützung erfährt er in dieser Hinsicht vom Max-Planck-Institut in Mainz, wie der Biologe erzählt. Die dortigen Chemiker hätten beobachtet, dass Stickoxide diese pflanzlichen Proteine massiv beeinflussten. Dr. Sinclair hat eine Einladung nach Mainz erhalten, um dort die Möglichkeiten gemeinsamer Forschungen zu erörtern.

Die veränderten Proteine, fliegen frei in der Luft herum, sind nur 25 Mikromillimeter groß und setzen sich überall ab. Sie können nicht nur bei Heuschnupfen-Patienten die Nase stärker laufen lassen. Auch Personen, die bislang den Reizen der kleinen Störenfriede widerstehen konnten, haben plötzlich Probleme. Ein Indiz für die zunehmende Aggressivität des Blütenstaubs ist für Sinclair der wachsende Zulauf in seinen Sprechstunden. Er ist überzeugt: „Wenn das so weitergeht, wird es immer mehr Pflanzen geben, die Allergien auslösen.“

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