Steinfurt
Ein Ort für die Ewigkeit

Sonntag, 21.08.2011, 14:08 Uhr

Borghorst - Allein die Andeutungen reichten bei der jüngsten Gemeindeversammlung aus, um eine lebhafte Diskussion zu entfachen. Sollte die Marienkirche im Zuge der bistumsweiten Strukturreform und durch die Fusion mit der Burgsteinfurter Pfarrei St. Johannes Nepomuk als liturgischer Raum überflüssig werden? Vor allem diejenigen, die Anfang der 1950er Jahre mitgeholfen haben, dass das katholische Gotteshaus gebaut werden konnte, wollen ein Aus nicht so einfach akzeptieren (die WN berichteten). Dabei wäre die Marienkirche längst nicht das erste Gotteshaus in der Diözese Münster , das profaniert (entweiht) und umgenutzt wird.

In Münster, Borken, Beckum, Hohenkirchen - an vielen Orten wurden bereits Kirchen geschlossen, manche danach neu gestaltet. Ein besonderes Beispiel ist die ehemalige Pfarrkirche St. Konrad in Marl-Hüls. Seit Ostern 2006 gibt es dort einen Urnenfriedhof. Ein Kolumbarium. Für Pfarrer Heinrich Wernsmann von St. Nikomedes eine denkbare Chance, die Marienkirche zu erhalten: „Dann auch für Werktagsgottesdienste und Gedenkfeiern.“

Was aus der Marienkirche und dem gegenüberliegenden Don-Bosco-Heim wird, eine endgültige Lösung will Wernsmann nicht ewig vor sich herschieben: „Wir müssen den Bedarf realistisch einschätzen.“ Und dann den Knoten durchschlagen: „Sonst drehen wir uns im Kreis, das zerreißt uns auf Dauer.“ Helfen sollen in dieser Phase Mitarbeiter des bischöflichen Liegenschaftsamtes, die in nächster Zeit vorbeikommen werden. Sie wollen den für die Gemeindearbeit in St. Nikomedes notwendigen räumlichen Bedarf errechnen. Dabei wird natürlich das Geld eine Rolle spielen.

Die Marienkirche als Ort für Sonntagsmessen aufzugeben und sie trotzdem geöffnet zu lassen - Marl könnte Vorbild für Borghorst sein, sagt Pfarrer Wernsmann im WN-Gespräch. In der früheren St.-Konrad-Kirche stehen heute Urnen hinter einheitlichen Wandflächen. Tagsüber ist das Kolumbarium geöffnet, schreibt die Pfarrgemeinde St. Franziskus, damit die Trauernden der Toten gedenken können. Der Verabschiedungsgottesdienst kann auf Wunsch in der kirchlichen Atmosphäre des Kolumbariums gefeiert werden.

Pläne, wie eine Umgestaltung der Marienkirche aussehen könnte, gibt es noch nicht. Tobias Klodwig, Architekt in Münster und mit Pfarrer Wernsmann gut bekannt, hat sich bei anderer Gelegenheit aber schon mal in der Kirche umgeschaut („ganz unverbindlich und ohne jeden Hintergedanken“). Klodwig gilt als Experte. Er hat Entwürfe für die Nutzung von ehemaligen Gotteshäusern als Kolumbarien in Osnabrück und Hannover gezeichnet.

Die Ruhezeit in Marl beträgt 15 Jahre; danach wird die Urne in einem Sammelgrab vor dem Altar entleert.

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