Kreuz als Sühne für vergossenes Blut
„Goldene Pracht“: Kunstschatz zählt zu den Highlights

Münster/Borghorst -

Das Borghorster Stiftskreuz geht wieder auf Reisen: Nach der Präsentation im Londoner British Museum 2011 wird es in Kürze in Münster in der Ausstellung „Goldene Pracht – Mittelalterliche Schatzkunst in Westfalen“ zu sehen sein. „Das Reliquienkreuz aus dem 11. Jahrhundert ist eines der herausragenden Zeugnisse sakraler Kunst der Salierzeit. Wir sind dankbar, dieses außergewöhnliche Stück der Borghorster Kirchengemeinde St. Nikomedes zeigen zu können“, sagt Historiker Prof. Dr. Gerd Althoff vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Uni Münster.

Montag, 13.02.2012, 11:20 Uhr

Die Ausstellung im LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte und in der Domkammer würdigt die Pracht westfälischer Goldschmiedekunst, die lange im Verborgenen schlummerte. Althoff : „Einige Klischees über die Provinzialität der Westfalen lassen sich im Lichte der regionalen Schätzen über Bord werfen.“ Das Reliquienkreuz aus dem Stift Borghorst erzählt dem Besucher der Ausstellung „Goldene Pracht“ viel über das Stiftungswesen des Mittelalters: „Die Vorstellung, dass sich das ewige Seelenheil durch irdische Leistungen verdienen lässt, führte damals zu einem differenzierten Stiftungswesen“, so der Historiker. „Als Gegenleistung für wertvolle irdische Gaben wie Kunstwerke, Kreuze und Kelche erhofften sich die Menschen des Mittelalters, dass Gott ihre Fegefeuer-Zeit verkürze.“ Das Borghorster Kreuz zeige eindrucksvoll, dass die Menschen tatsächlich existenzielle Ängste ausgestanden hätten. „Der salische Kaiser Heinrich III. ließ 1048 einen sächsischen Grafen namens Thietmar, der wohl Vogt von Borghorst war, wegen eines angeblichen Mordplans gegen den Kaiser zu einem gerichtlichen Zweikampf verurteilen. Dabei wurde der Graf erschlagen“, berichtet Prof. Althoff. „Als dessen Sohn daraufhin den Sieger des Zweikampfes gefangen nahm und ihn brutal von zwei Hunden zerfleischen ließ, schickte der Kaiser ihn ins Exil und konfiszierte seinen Besitz, darunter wohl auch das Stift Borghorst. So ist die Stiftung des Kreuzes vielleicht als Sühne für das vergossene Blut und als Zeichen für die Bereitschaft zum Frieden zu verstehen.“ Die prachtvolle Gestaltung des Kreuzes zeugt nach den Worten des Experten vom Willen der Stifter, ein Zeichen zu setzen. Das Kreuz steht im Mittelpunkt des zweiten Ausstellungsraums, wie Althoff erläutert. „Im Raum ,Karl der Große und die Folgen. Frühe Stiftungen kirchlicher Schatzkunst‘ zeigen wir den Besuchern, wie es nach der Christianisierung Westfalens im 9. Jahrhundert zu ersten hochrangigen Stiftungen von Goldschmiedekunst kommt.“ Das Borghorster Stiftskreuz stehe beispielhaft für die Stiftungen weltlicher Eliten.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/657142?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F186%2F701918%2F701922%2F
Nachrichten-Ticker